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Robert Berdella

genannt „Kansas City Butcher"

Luftaufnahme von Kansas City, Missouri
US-Luftwaffe (War Department, Army Air Forces), via Wikimedia Commons · Public Domain
6
Opfer
„Kansas City Butcher"
verstorben
SerienmörderKansas City , USA
Aktive Jahre
1984–1987

Robert Andrew Berdella Jr. hielt zwischen 1984 und 1987 mehrere junge Männer wochenlang in seinem Haus in Kansas City gefangen, folterte sie und tötete mindestens sechs von ihnen. Der als „Kansas City Butcher“ bekannt gewordene Täter dokumentierte seine Taten in Fotografien und Tagebucheinträgen, was den Ermittlern nach seiner Festnahme eine ungewöhnlich detaillierte Rekonstruktion der Verbrechen ermöglichte.

Werdegang

Er wurde am 31. Januar 1949 in Cuyahoga Falls, Ohio, geboren. Sein Vater arbeitete bei Ford, seine Mutter stammte aus einer Familie mit deutschen und britischen Wurzeln. 1967 zog er nach Kansas City, um am dortigen Art Institute zu studieren, brach die Ausbildung aber 1969 ab. Ein Jahr zuvor war er wegen des Verkaufs von Amphetaminen an einen verdeckten Ermittler aufgefallen. In den folgenden Jahren arbeitete er als Koch in mehreren Restaurants der Stadt, bevor er 1982 einen Stand für Antiquitäten und primitive Kunst namens „Bob’s Bazaar Bizarre” eröffnete. Nach außen galt er als exzentrischer, aber unauffälliger Geschäftsmann in seinem Wohnviertel.

Kriminelle Aktivitäten

Ab 1984 lockte er junge Männer, häufig mit dem Versprechen von Geld oder sexuellen Kontakten, in sein Haus. Dort setzte er sie mit Medikamenten wie Diazepam, Acepromazin oder Ketamin außer Gefecht und fesselte sie ans Bett. Es folgten tagelange bis wochenlange Gefangenschaften, während derer er die Opfer wiederholt vergewaltigte und folterte: mit Stromstößen von bis zu 7.700 Volt, mit unter die Fingernägel getriebenen Nadeln, mit Klavierdraht um die Handgelenke und mit Injektionen von Rohrreiniger in Augen, Rachen und Genitalien. Jeden Schritt hielt er mit Polaroidfotos und in schriftlichen Aufzeichnungen fest.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):

  1. Jerry Howell (19), gefangen gehalten und getötet ab dem 5. Juli 1984, nach etwa 28 Stunden Gefangenschaft
  2. Robert Allen Sheldon (20), ab dem 12. April 1985, nach etwa drei Tagen
  3. Mark David Wallace (27), ab dem 22. Juni 1985, nach etwa einem Tag
  4. Walter James Ferris (25), ab dem 26. September 1985, nach etwa 27 Stunden
  5. Todd Lee Stoops (23), ab dem 17. Juni 1986, nach rund zwei Wochen, starb an einer durch Verletzungen ausgelösten Blutvergiftung
  6. Larry Wayne Pearson (20), ab dem 23. Juni 1987, nach rund sechs Wochen, erstickt mit einer Plastiktüte

Die Leichen zerstückelte er größtenteils und entsorgte die Überreste über den regulären Hausmüll. Der Schädel von Robert Sheldon wurde später in einem Schrank in seinem Haus gefunden, Skelettteile von Larry Pearson im Garten vergraben.

Ermittlung und Festnahme

Bereits 1984 und 1985 hatte die Polizei ihn im Zusammenhang mit den ersten beiden Opfern befragt, ohne dass sich damals ein Verdacht erhärtete. Den entscheidenden Durchbruch brachte die Flucht seines letzten Opfers, Christopher Bryson, am 29. März 1988: Er befreite sich, sprang aus einem Fenster im ersten Stock und lief nackt und mit einer Hundekette um den Hals auf die Straße. Die alarmierte Polizei nahm ihn am 2. April 1988 fest. Bei der Durchsuchung des Hauses fanden die Ermittler 334 Polaroidfotos, weitere Aufnahmen, detaillierte Folterjournale sowie menschliche Überreste, darunter den bereits erwähnten Schädel und vergrabene Skelettteile.

Prozess

Im Juli 1988 wurde zunächst Anklage wegen des Mordes an Larry Wayne Pearson erhoben. Im August 1988 bekannte er sich dieser Tat schuldig und wurde zu lebenslanger Haft ohne Bewährungsmöglichkeit verurteilt, dazu zu einer weiteren lebenslangen Strafe wegen erzwungener sexueller Handlungen an Christopher Bryson und sieben Jahren wegen Freiheitsberaubung. Am 19. Dezember 1988 gestand er im Rahmen einer Absprache mit der Staatsanwaltschaft die übrigen fünf Morde, im Gegenzug verzichtete die Anklage auf die Todesstrafe. Er wurde eines Mordes ersten Grades und vier Morden zweiten Grades für schuldig befunden und erhielt fünf weitere, parallel laufende lebenslange Haftstrafen.

Nachwirkungen

Er verbüßte seine Strafe im Missouri State Penitentiary in Jefferson City, zeitweise auch im Potosi Correctional Center. Er gab in Haft mehrere Interviews und führte Korrespondenz mit Privatpersonen, äußerte sich dabei unter anderem zu seiner Vorgehensweise und zur Entmenschlichung seiner Opfer. Am 8. Oktober 1992 starb er im Alter von 43 Jahren im Gefängnis an einem Herzinfarkt infolge einer angeborenen Herzerkrankung. Der Fall führte in Kansas City zu einer öffentlichen Debatte darüber, wie junge Männer aus der örtlichen Straßenszene über Jahre hinweg verschwinden konnten, ohne dass frühere Hinweise auf den Täter zu einer Festnahme führten. Seine Taten wurden später unter anderem in der Dokumentation „Bazaar Bizarre: The Strange Case of Serial Killer Bob Berdella” (2004) aufgearbeitet.

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