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Robert Bales

Robert Bales in Uniform, Aufnahme vom März 2012
Wikimedia Commons / U.S. Army · Public Domain
16
Opfer
inhaftiert
MassenmörderKandahar , Afghanistan
Aktive Jahre
2012

Robert Bales wurde am 30. Juni 1973 in Norwood, Ohio, geboren. Als Staff Sergeant der US-Armee verließ er in der Nacht zum 11. März 2012 allein und unbemerkt seinen Stützpunkt in der südafghanischen Provinz Kandahar und tötete in zwei nacheinander verübten Überfällen auf die Dörfer Alkozai und Najiban 16 afghanische Zivilisten, davon neun Kinder. Das Massaker gilt als eines der schwersten Kriegsverbrechen eines einzelnen US-Soldaten seit dem Vietnamkrieg.

Werdegang

Nach einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium an der Ohio State University arbeitete er zunächst als Börsenmakler, ehe er sich im November 2001, kurz nach den Anschlägen vom 11. September, zur Armee meldete. Er diente beim 2. Bataillon des 3. Infanterieregiments und absolvierte zwischen 2003 und 2010 drei Einsätze im Irak, bei denen er unter anderem eine Kopfverletzung durch einen Fahrzeugunfall erlitt. 2008 wurde er zum Staff Sergeant befördert. Im Februar 2012 begann sein erster Afghanistan-Einsatz, er war einem kleinen Vorposten namens Camp Belambai im Distrikt Panjwai zugeteilt. Kollegen und Vorgesetzte beschrieben ihn im Vorfeld als zunehmend belastet: finanzielle Sorgen, eine angespannte Ehe und der Frust über aus seiner Sicht zu zaghafte Einsätze gegen die Taliban kamen zu den kumulierten Folgen von vier Kampfeinsätzen hinzu. In der Nacht der Tat hatte er entgegen der Vorschriften Alkohol getrunken, seine Verteidigung machte später zudem mögliche Nebenwirkungen des Malariamedikaments Mefloquin sowie den Konsum von Anabolika geltend.

Die Nacht von Panjwai

Gegen 1:30 Uhr Ortszeit verließ er, mit Nachtsichtgerät und einem afghanischen Umhang über der Uniform, unbemerkt den Stützpunkt und drang in das nahe gelegene Dorf Alkozai ein. Dort tötete er vier Menschen und verletzte sechs weitere. Anschließend kehrte er kurz zum Stützpunkt zurück, brach aber gegen 2:30 Uhr erneut auf, diesmal in Richtung des etwa zwei Kilometer entfernten Dorfes Najiban. Dort erschoss und erstach er weitere zwölf Zivilisten, unter ihnen elf Angehörige einer einzigen Familie: die Ehefrau, vier Töchter und mehrere Söhne des Bauern Mohamed Wazir. Nach Zeugenaussagen wurden die elf Leichen in einem Raum zusammengetragen und in Brand gesteckt, ein am Tatort gefundener Aschehaufen und teilweise verkohlte Leichen bestätigten dies später. Gegen 4:47 Uhr kehrte er zum Stützpunkt zurück, legte seine Waffe ab, hob die Hände und ergab sich den herbeigerufenen Kameraden.

Ermittlung und Prozess

Er wurde noch am Tatort festgenommen und zunächst wegen 17-fachen Mordes angeklagt, ein Vorwurf wurde später wegen einer Doppelzählung fallengelassen. Am 5. Juni 2013 bekannte er sich im Rahmen einer Vereinbarung, die ihm die Todesstrafe ersparte, in allen verbleibenden Punkten schuldig: 16-facher Mord, sechsfacher versuchter Mord und siebenfache gefährliche Körperverletzung. Am 23. August 2013 verurteilte ihn ein Militärgericht zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung, degradierte ihn zum einfachen Soldaten und sprach eine unehrenhafte Entlassung aus der Armee aus.

Nachwirkungen

Ein Antrag auf ein neues, ziviles Verfahren, den er 2019 unter Berufung auf mögliche Mefloquin-Nebenwirkungen stellte, blieb ebenso erfolglos wie ein Gnadengesuch an die US-Regierung Ende 2020. Er verbüßt seine Strafe weiterhin in der Justizvollzugsanstalt der US-Armee in Fort Leavenworth, Kansas. Das Massaker von Panjwai belastete das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und der afghanischen Bevölkerung erheblich und wurde international als einer der gravierendsten Fälle vorsätzlicher Tötung afghanischer Zivilisten durch westliche Truppen während des gesamten Afghanistankriegs wahrgenommen.