Richard Kuklinski
- Aktive Jahre
- 1980–1983
- Modus Operandi
- ErschießenVergiftungErwürgen
Richard Kuklinski, in der Presse „The Iceman” genannt, war ein Auftragsmörder mit Verbindungen zur New Yorker Mafia. Gerichtlich zweifelsfrei bestätigt wurden fünf Morde zwischen 1980 und 1983, seine eigenen, medienwirksam verbreiteten Angaben, für bis zu 100 bis 200 weitere Tötungen im Auftrag verschiedener Mafiafamilien verantwortlich zu sein, hielten Ermittler und Journalisten nach genauerer Prüfung überwiegend für erfunden. Von 1988 bis zu seinem Tod 2006 saß er in Haft.
Werdegang
Er wurde am 11. April 1935 in Jersey City, New Jersey, als Sohn eines polnischen Einwanderers und einer irischstämmigen Mutter geboren. Beide Elternteile misshandelten ihn und seine Geschwister schwer, sein Vater soll die Kinder regelmäßig geschlagen haben, ein älterer Bruder starb 1941 an den Folgen väterlicher Prügel, ein jüngerer Bruder wurde später selbst wegen Mordes verurteilt. In den 1960er-Jahren verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit dem Vertrieb raubkopierter Filme und Pornografie aus einem New Yorker Filmlabor und knüpfte dabei Kontakte zur Gambino-Verbrecherfamilie, unter anderem zu Roy DeMeo.
Kriminelle Aktivitäten
Sein Vorgehen bestand meist darin, Männer unter dem Vorwand lukrativer Geschäfte zu Treffen zu locken, sie zu töten und ihnen anschließend Geld zu stehlen. Am 30. Januar 1980 erschoss er George Malliband (42) fünfmal und verstaute die Leiche in einem 200-Liter-Fass. Am 29. April 1982 erschlug er Paul Hoffman (51) mit einem Reifenheber. Im Dezember 1982 vergiftete er Gary Smith (37) mit Zyanid und erwürgte ihn anschließend mit einem Lampenkabel. Zwischen Februar und Mai 1983 tötete er Daniel Deppner in dessen Wohnung und entsorgte die Leiche in einem Waldgebiet. Louis Masgay (50) erschoss er bereits am 1. Juli 1981, fror die Leiche jedoch rund 15 Monate lang ein, bevor er sie entsorgte, sie wurde erst am 25. September 1983 entdeckt.
Gerichtlich bestätigte Opfer (chronologisch):
- Louis Masgay (50), erschossen am 1. Juli 1981, Leiche eingefroren und 1983 gefunden
- George Malliband (42), erschossen am 30. Januar 1980
- Paul Hoffman (51), erschlagen am 29. April 1982
- Gary Smith (37), vergiftet und erwürgt im Dezember 1982
- Daniel Deppner, getötet zwischen Februar und Mai 1983
Er behauptete darüber hinaus, an zahlreichen weiteren Auftragsmorden beteiligt gewesen zu sein, darunter den Toden des Mafiabosses Carmine Galante 1979 und des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa 1975. Der langjährig auf den Fall angesetzte Ermittler Dominick Polifrone erklärte später öffentlich, er glaube „höchstens an 15” tatsächliche Morde, keine der von ihm behaupteten weiteren Taten habe sich bei genauerer Prüfung bestätigen lassen.
Ermittlung und Festnahme
Ab 1985 ermittelte eine gemeinsame Sondereinheit der New Jersey Attorney General’s Office und der ATF unter dem Codenamen „Operation Iceman” gegen ihn. Der verdeckte Ermittler Dominick Polifrone gab sich 18 Monate lang als mafianaher Krimineller aus und zeichnete belastende Aussagen auf. Am 17. Dezember 1986 wurde er bei einer Straßenkontrolle festgenommen, nachdem er zuvor an einem Hund vermeintliches Zyanid getestet und dabei Verdacht erregt hatte.
Prozess
Im März 1988 wurde er wegen der Morde an Smith und Deppner zu mindestens 60 Jahren Haft verurteilt. In weiteren Verfahren bekannte er sich zu den Morden an Masgay und Malliband schuldig und erhielt zwei zusätzliche lebenslange Haftstrafen, den Mord an Hoffman gestand er ohne separates Verfahren. 2003 wurde er zudem wegen des Mordes an dem New Yorker Polizeidetektiv Peter Calabro aus dem Jahr 1980 zu weiteren 30 Jahren Haft verurteilt. Insgesamt summierten sich seine Strafen auf vier aufeinanderfolgende lebenslange Haftstrafen, eine Bewährung wäre frühestens im Alter von 111 Jahren möglich gewesen.
Nachwirkungen
Im Oktober 2005 diagnostizierten Ärzte bei ihm in Haft die Kawasaki-Krankheit. Er starb am 5. März 2006 im Alter von 70 Jahren an Herzversagen im Krankenhaus von Trenton, New Jersey. Sein Fall und insbesondere seine stark überzeichneten Selbstdarstellungen in mehreren Fernsehinterviews und dem Spielfilm „The Iceman” (2012) prägten das öffentliche Bild eines der bekanntesten amerikanischen Auftragsmörder, obwohl Ermittler den Großteil seiner Prahlereien im Nachhinein als unbestätigt oder frei erfunden einstuften.