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Richard Durn

Nanterre bei Paris, wo Richard Durn 2002 den Amoklauf verübte
Quispiam, via Wikimedia Commons · CC0
8
Opfer
Suizid
AmokläuferNanterre , Frankreich
Aktive Jahre
2002
Modus Operandi
Erschießen

Am 27. März 2002 eröffnete Richard Durn am Ende einer Stadtratssitzung im Pariser Vorort Nanterre das Feuer auf die anwesenden Kommunalpolitiker und tötete acht von ihnen, 19 weitere wurden verletzt. Am Folgetag nahm er sich während der polizeilichen Vernehmung das Leben, indem er aus einem Fenster im vierten Stock sprang.

Werdegang

Richard Durn wurde 1968 in Nanterre geboren und war slowenischer Abstammung. Er hatte einen Magisterabschluss in Politikwissenschaft sowie ein Studium der Geschichte absolviert und engagierte sich in der humanitären Hilfe im ehemaligen Jugoslawien sowie bei globalisierungskritischen Demonstrationen. Politisch war er zunächst Mitglied der Sozialistischen Partei, bevor er zu den Grünen wechselte. Seit Ende 2001 war er zudem Schatzmeister der Nanterrer Sektion der Menschenrechtsliga. Nach Aussagen von Bekannten hatte er zuvor bereits zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen, und beschrieb sich selbst als sozial isoliert.

Die Tat

Gegen 1.15 Uhr nachts, kurz nach dem Ende der Sitzung des Stadtrats im Rathaus von Nanterre unter Vorsitz der Bürgermeisterin Jacqueline Fraysse, erhob er sich, zog zwei zuvor unter seiner Jacke versteckte Pistolen und einen Revolver hervor und eröffnete das Feuer auf die anwesenden Ratsmitglieder. Innerhalb von etwa 50 Sekunden gab er rund 37 Schüsse ab. Acht Kommunalpolitikerinnen und -politiker starben, 19 weitere Menschen wurden verletzt, 14 davon schwer. Erst der Ratsherr Gérard Perreau-Bezouille und weitere Anwesende überwältigten ihn. Nach seiner Festnahme rief er wiederholt: „Tötet mich!”

Vernehmung und Suizid

Am 28. März wurde er im Pariser Polizeikommissariat am Quai des Orfèvres verhört. Nach einem umfassenden Geständnis stürzte er sich noch während der laufenden Vernehmung aus einem Fenster im vierten Stock und starb an den Folgen.

In einem zuvor an einen Bekannten verfassten Brief hatte er sein Vorhaben erklärt: Er habe sich aus eigenem Willen zu einer Art lebendem Toten gemacht und wolle deshalb eine „kleine lokale Elite” töten, die er als Symbol einer von ihm verabscheuten Stadt betrachtete. Er kündigte an, so viele Menschen wie möglich zu töten und „ein Serienmörder, ein wahnsinniger Mörder” zu werden, aus Frustration über sein Leben und dem Wunsch, sich wenigstens einmal mächtig und frei zu fühlen.

Nachwirkungen

Am 2. April 2002 fand in Anwesenheit von Staatspräsident Jacques Chirac, Premierminister Lionel Jospin und Innenminister Daniel Vaillant eine offizielle Trauerfeier für die Opfer statt. Der Amoklauf von Nanterre gilt bis heute als einer der schwersten Angriffe auf gewählte Kommunalvertreter in der französischen Nachkriegsgeschichte und wurde unter anderem vom Philosophen Bernard Stiegler als Symptom einer Gesellschaft gedeutet, die das Selbst- und Fremdvertrauen ihrer Mitglieder systematisch untergrabe. Zur begleitenden Schlagzeile: Amoklauf von Nanterre.

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