Richard Dadd
- Aktive Jahre
- 1843
- Modus Operandi
- Erstechen
Ein Sohn, der als eines der größten Nachwuchstalente der britischen Malerei gilt, lädt seinen Vater zu einem Spaziergang in einen Park bei Rochester ein und tötet ihn dort mit einem Messer, weil er glaubt, der Mann neben ihm sei in Wahrheit der Teufel. Richard Dadd malte danach vierzig weitere Jahre lang, allerdings hinter den Mauern zweier psychiatrischer Anstalten. Sein bekanntestes Werk entstand, während er wegen des Mordes an seinem eigenen Vater als unzurechnungsfähig eingesperrt war.
Werdegang
Richard Dadd wurde am 1. August 1817 im englischen Chatham in der Grafschaft Kent geboren. Schon als Jugendlicher zeigte er außergewöhnliches zeichnerisches Talent und studierte ab 1837 an der Royal Academy of Arts in London, wo er sich rasch einen Namen als Maler fantastischer, oft von Feen und übernatürlichen Motiven geprägter Szenen machte. 1842 brach er zu einer zehnmonatigen Reise durch Europa, Ägypten und den Nahen Osten auf, die sein Leben verändern sollte: Gegen Ende der Reise entwickelte er zunehmend paranoide Wahnvorstellungen. Er glaubte, von Botschaften des ägyptischen Gottes Osiris geleitet zu werden, und war überzeugt, von Dämonen verfolgt zu werden.
Die Tat
Nach seiner Rückkehr nach England im Sommer 1843 verschlechterte sich sein Zustand weiter. Am 28. August 1843 unternahm er mit seinem Vater Robert Dadd einen Spaziergang durch den Cobham Park nahe Rochester in Kent. Dort griff er ihn mit einem Rasiermesser an, als der Vater sich abwandte, setzte er mit einem Marinemesser nach und tötete ihn. Anschließend floh er nach Frankreich, wo er bei einem weiteren Angriff auf einen Fremden von der französischen Polizei festgenommen wurde. England forderte seine Auslieferung, und im August 1844 stand er vor Gericht in Maidstone.
Verwahrung in Bethlem und Broadmoor
Das Gericht befand ihn als nicht verhandlungsfähig, eine Folge seiner nachweislich schweren, vermutlich paranoiden Schizophrenie. Statt eines Prozesses und einer Strafe wurde er in das Bethlem Hospital in London eingewiesen, die berüchtigte Anstalt, die im Volksmund „Bedlam” genannt wurde. 1864 verlegte man ihn in die neu eröffnete Broadmoor-Anstalt in Berkshire, die eigens für als geisteskrank geltende Straftäter gebaut worden war. Dort verbrachte er den Rest seines Lebens.
Malerei aus der Anstalt
Gerade in dieser Zeit der Verwahrung entstanden einige seiner bedeutendsten Werke. Zwischen 1855 und 1864 arbeitete er an „The Fairy Feller’s Master-Stroke”, einem minutiös detaillierten Gemälde voller winziger, kaum sichtbarer Figuren, das heute zu den bekanntesten Bildern der viktorianischen Kunstgeschichte zählt. Ärzte und Wärter der Anstalten unterstützten seine künstlerische Arbeit aktiv, in der Überzeugung, das Malen wirke beruhigend auf seinen Zustand.
Nachwirkungen
Richard Dadd starb am 7. Januar 1886 in Broadmoor an einer schweren Lungenerkrankung, ohne die Anstalt je wieder verlassen zu haben. Sein Fall gilt bis heute als eines der frühen und einflussreichsten Beispiele dafür, wie die viktorianische Justiz mit Gewalttaten psychisch schwer erkrankter Täter umging, und seine im Wahn entstandenen Bilder werden nach wie vor in bedeutenden britischen Museen wie der Tate Gallery ausgestellt.