Richard Clifford Brinkley
- Aktive Jahre
- 1907
- Modus Operandi
- VergiftungBetrug
Das Gift war nicht für sie bestimmt. Als ein Ehepaar in Croydon 1907 nach dem Genuss einer Flasche Bier starb, ermittelte die Polizei zunächst im völlig falschen Umfeld, denn die eigentliche Zielperson des Giftanschlags saß putzmunter am selben Tisch und überlebte nur, weil sie an diesem Abend nicht trank. Richard Clifford Brinkley, ein Zimmermann mit einer Vorliebe für krumme Geschäfte, hatte sich mit einer gefälschten Testamentsurkunde ein Vermögen erschleichen wollen und tötete dabei zwei unbeteiligte Menschen.
Werdegang
Richard Clifford Brinkley wurde 1853 geboren und arbeitete als Zimmermann, nebenbei handelte er mit Hunden und Geflügel. In Fulham im Westen Londons freundete er sich mit der 77 Jahre alten Witwe Johanna Maria Louisa Blume an und gewann rasch ihr Vertrauen.
Die gefälschte Urkunde
Er fertigte ein gefälschtes Testament an, in dem er als alleiniger Erbe des Vermögens der alten Dame eingesetzt war, und brachte sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen dazu, das Dokument zu unterschreiben. Als die Fälschung nach dem Tod der Witwe von deren Familie angefochten wurde, geriet ein Mann in Gefahr, der als Zeuge der Unterschrift aufgetreten war und die Urkunde hätte entlarven können. Um ihn zum Schweigen zu bringen, plante er, den Zeugen mit einer Flasche Blausäure-vergiftetem Stout aus dem Weg zu räumen.
Die Tat
Am 20. April 1907 lieferte er die präparierte Flasche in ein Haus in Croydon, in dem der Zeuge zur Untermiete wohnte. Doch nicht dieser Mann trank an jenem Abend von dem Bier, sondern der Hausherr Richard Beck und dessen Ehefrau Elizabeth Beck. Beide starben noch in derselben Nacht an einer Zyanidvergiftung, auch die gemeinsame Tochter des Paares wurde schwer krank und musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden, überlebte aber.
Ermittlung
Die Polizei stand zunächst vor einem Rätsel, da für das getötete Ehepaar kein erkennbares Tatmotiv erkennbar war. Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Bahnhofsinspektor, der sich erinnerte, dem Verdächtigen ein Zugticket nach Croydon verkauft zu haben. Ein Apotheker bestätigte zudem, dem Mann kurz zuvor Blausäure verkauft zu haben. Die Ermittler erkannten schließlich den Zusammenhang mit dem angefochtenen Testament und der eigentlichen Zielperson des Giftanschlags.
Prozess
Vor den Guildford Assizes musste er sich wegen des Mordes an dem Ehepaar verantworten. Die Beweiskette aus gefälschtem Testament, Gift-Ankauf und Bahnfahrt nach Croydon überzeugte die Jury, sie sprach ihn schuldig.
Nachwirkungen
Am 13. August 1907 wurde Richard Clifford Brinkley im Alter von 53 Jahren im Wandsworth Prison in London gehängt. Der Fall ging als „Croydon-Vergiftung” in die britische Kriminalgeschichte ein, ein Musterbeispiel dafür, wie ein ursprünglich gezielter Giftanschlag durch einen Zufall die eigentlich unbeteiligten Personen traf.