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Richard Angelo

genannt „Angel of Death"

Einkaufszentrum an der Union Boulevard in West Islip, New York, 1979
Downtowngal, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
4
Opfer
„Angel of Death"
inhaftiert
SerienmörderWest Islip , USA
Aktive Jahre
1987

Richard Angelo war ein amerikanischer Krankenpfleger, der 1987 auf der Intensivstation des Good Samaritan Hospital in West Islip, New York, mehreren Patienten heimlich Muskelrelaxantien injizierte. Die Medikamente lösten Atemstillstände aus, die er anschließend durch Reanimationsversuche zu beenden versuchte, offenbar um vor Kollegen als Lebensretter dazustehen. Mindestens vier Patienten starben, ein Überlebender brachte die Taten schließlich ans Licht. In der Presse wurde er als „Angel of Death” bekannt.

Werdegang

Er wurde am 29. August 1962 auf Long Island geboren. 1980 schloss er die St. John the Baptist Diocesan High School ab und absolvierte danach ein zweijähriges Pflegeprogramm am Farmingdale State College, wo er als engagierter und gut angesehener Student galt. Parallel zu seiner Pflegeausbildung engagierte er sich ehrenamtlich bei der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr, ein Umfeld, in dem er sich offenbar als Retter in Notsituationen profilieren wollte. Nach seinem Abschluss begann er auf der Intensivstation des Good Samaritan Hospital zu arbeiten, wo er nur rund sieben Monate beschäftigt war, bevor seine Taten aufflogen.

Kriminelle Aktivitäten

Zwischen April und Oktober 1987 verabreichte der Pfleger mehreren, überwiegend älteren Patienten unbemerkt die Muskelrelaxantien Pancuronium (Handelsname Pavulon) und Succinylcholinchlorid über deren Infusionsleitungen. Beide Substanzen lähmen die Atemmuskulatur und lösen dadurch akute Atemnot bis hin zum Atemstillstand aus. Sobald der künstlich herbeigeführte Notfall eintrat, schlug er selbst Alarm und beteiligte sich an der Reanimation, wodurch er bei Kollegen als besonders aufmerksamer und fähiger Pfleger auffiel. Die Ermittler gingen später von mindestens 35 verdächtigen Zwischenfällen während seiner kurzen Beschäftigungszeit aus, wobei sich nicht bei allen Fällen ein Zusammenhang zweifelsfrei nachweisen ließ.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):

  1. John Stanley Fisher (75), gestorben 8. September 1987
  2. Milton Poultney (75), gestorben 16. September 1987
  3. Frederick LaGois (65), gestorben 9. Oktober 1987
  4. Gerolamo Kucich (73), am 11. Oktober 1987 Opfer einer Injektion; er überlebte und wurde zum entscheidenden Zeugen
  5. Anthony Greene (57), gestorben 16. Oktober 1987

In den Todesfällen Joseph Francis O’Neill und Joan Hayes kam es dagegen zu keiner Verurteilung wegen eines Tötungsdelikts.

Insgesamt wurden später 32 Leichen von Patienten exhumiert, die während seiner Dienstzeit unter ungeklärten Umständen gestorben waren. Bei sieben wurden Spuren des Muskelrelaxans Pavulon festgestellt. Diese Befunde führten jedoch nicht in jedem Fall zu einer Verurteilung.

Ermittlung und Festnahme

Der entscheidende Hinweis kam von Gerolamo Kucich selbst. Der 73-jährige Patient bemerkte im Oktober 1987, wie ihm eine unbekannte Substanz injiziert wurde, und meldete dies dem Krankenhauspersonal, nachdem er kurz darauf schwer nach Luft ringen musste. Eine daraufhin veranlasste Urinuntersuchung wies die beiden Lähmungsmittel in seinem Körper nach, obwohl ihm keines davon ärztlich verordnet worden war. Die Klinikleitung informierte die Polizei, die bei einer Durchsuchung Spritzen sowie Ampullen mit Pavulon und Succinylcholinchlorid im Besitz des Pflegers fand. Am 15. November 1987 wurde er verhaftet. Im Zuge der anschließenden Ermittlungen ordneten die Behörden die Exhumierung zahlreicher Leichen von Patienten an, die während seiner Schichten verstorben waren.

Prozess

Der Prozess vor einem Gericht in Suffolk County zog sich über acht Wochen, mit mehr als 30 Zeugenaussagen und mehr als 100 Beweisstücken. Am 14. Dezember 1989 sprach die Jury ihn in mehreren Anklagepunkten schuldig: zweifacher Mord zweiten Grades im Fall Milton Poultney und Anthony Greene, Totschlag zweiten Grades im Fall John Fisher, fahrlässige Tötung im Fall Frederick LaGois sowie mehrfache Körperverletzung, unter anderem im Fall des überlebenden Gerolamo Kucich. Im Fall Joseph O’Neill und Joan Hayes reichte die Beweislage nicht für eine Verurteilung wegen Tötung. Er wurde zunächst zu 61 Jahren und vier Monaten bis lebenslänglicher Haft verurteilt, später korrigierte das Gericht das Strafmaß auf das nach New Yorker Recht zulässige Maximum von 50 Jahren bis lebenslänglich.

Nachwirkungen

Seine Strafe erlaubt eine Prüfung der vorzeitigen Entlassung frühestens 2049. Der genaue aktuelle Haftort wird hier nicht behauptet, solange dafür keine aktuelle amtliche Quelle vorliegt. Der Fall gilt als eines der bekanntesten Beispiele für sogenannte „Hero-Killer” im Gesundheitswesen, Pflegekräfte oder Ärzte, die medizinische Notfälle bewusst herbeiführen, um sich anschließend selbst als Retter zu inszenieren. Er führte in den USA zu einer intensiveren Diskussion über Kontrollmechanismen beim Zugang zu verschreibungspflichtigen Medikamenten auf Intensivstationen sowie über die Überwachung ungewöhnlicher Häufungen von Todesfällen im Krankenhausbetrieb.