Rahmi Şahindal
- Aktive Jahre
- 2002
- Modus Operandi
- Erschießen
Rahmi Şahindal erschoss am 21. Januar 2002 in Uppsala seine 26 Jahre alte Tochter Fadime, weil sie sich wiederholt gegen die von der Familie geforderte Kontrolle über ihre Partnerwahl gestellt hatte. Der Fall erregte international Aufsehen, weil Fadime zuvor öffentlich vor dem schwedischen Parlament über Ehrenkultur und die Bedrohung durch ihre eigene Familie gesprochen hatte. Er löste in Schweden eine breite gesellschaftliche Debatte über Ehrenmorde und über Versäumnisse der Behörden im Umgang mit entsprechenden Warnzeichen aus.
Werdegang
Rahmi Şahindal war Vater von sechs Kindern aus einer kurdischen Familie, die 1981 aus Elbistan in der Türkei nach Schweden ausgewandert war, seine Frau und die Kinder folgten ihm einige Jahre später. Die Familie hielt an traditionellen Vorstellungen von arrangierter Ehe und strengen Geschlechterrollen fest, Rahmi übte darüber eine kontrollierende Autorität aus, besonders über die Selbstbestimmung der Töchter. Fadime und ihre jüngere Schwester Songül berichteten später, in ihrer Kindheit geschlagen worden zu sein.
Kriminelle Aktivitäten
1998 widersetzte sich Fadime einer arrangierten Ehe mit einem Cousin in der Türkei und ging stattdessen eine Beziehung mit einem schwedischen Mann namens Patrik ein, der noch im selben Jahr bei einem Autounfall ums Leben kam. Ihr Vater untersagte ihr daraufhin, Uppsala oder das Grab ihres Partners zu besuchen. Am 20. November 2001 sprach Fadime öffentlich vor dem schwedischen Parlament über ihre Erfahrungen mit familiärer Kontrolle und Ehrenkultur. Am 21. Januar 2002 hatte sie sich heimlich mit ihrer Mutter und ihren Schwestern in der Wohnung einer Schwester verabredet. Als ihr Vater von diesem Treffen erfuhr, wartete er vor der Wohnung. Als Fadime gegen 21:54 Uhr die Wohnung verlassen wollte, um zu einer Freundin zu fahren, richtete er beim Öffnen der Tür eine Schusswaffe auf sie, packte sie an den Haaren und schoss ihr zweimal in den Kopf. Ein Schuss traf die Stirn, ein weiterer den Kiefer, laut Obduktion war bereits der erste Schuss tödlich.
Ermittlung und Prozess
Bei seiner Festnahme gestand Rahmi Şahindal zunächst die Tat, gab später jedoch abweichende Erklärungen ab und behauptete zeitweise, ein anderer Mann sei für den Mord verantwortlich, ohne diesen zu benennen. Ein Gericht verurteilte ihn wegen Mordes zu lebenslanger Haft.
Nachwirkungen
Fadime wurde am 4. Februar 2002 im Beisein von Kronprinzessin Victoria und tausenden Trauernden im Dom zu Uppsala beigesetzt. Ihr Tod löste in Schweden eine intensive gesellschaftliche Debatte über Ehrenkultur, Einwanderungsintegration und die Frage aus, ob Behörden trotz vorheriger Warnzeichen angemessen reagiert hatten. Rahmi Şahindal wurde 2018 nach 16 Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen.