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Pierre Voirbo

genannt „L'Affaire du sac"

Historische Aufnahme einer Gasse im alten Paris von 1865, fotografiert von Charles Marville kurz vor der Tat von Pierre Voirbo
Charles Marville, via Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
„L'Affaire du sac"
Suizid
TotschlägerParis , Frankreich
Aktive Jahre
1868

Pierre Voirbo, ein Pariser Schneider, erschlug am 14. Dezember 1868 den 72 Jahre alten Rentier Désiré Bodasse wegen einer Geldschuld und zerstückelte anschließend dessen Leiche. Der Fall, in Frankreich als „L’affaire du sac” bekannt, gilt als einer der frühesten Kriminalfälle, in denen eine Blutspurenanalyse zur Überführung eines Täters beitrug. Er entzog sich einem Prozess durch Suizid in seiner Gefängniszelle.

Werdegang

Über sein frühes Leben ist wenig bekannt. Er arbeitete als Schneider in Paris und war mit dem deutlich älteren Désiré Bodasse bekannt, der als vermögender Rentier galt. Zwischen beiden bestand offenbar ein länger schwelender Streit um eine Geldsumme, die ihm geliehen worden war.

Die Tat

Am 14. Dezember 1868 erschlug er sein Opfer in dessen eigener Wohnung mit einem Bügeleisen. Um die Tat zu verschleiern, zerlegte er die Leiche und verpackte die Teile in Stoffbündel, die er anschließend in den Schacht eines Brunnens im Keller eines nahen Restaurants warf.

Ermittlung

Die Aufklärung des Falls gilt bis heute als Meilenstein früher Kriminaltechnik. Der Pariser Kriminalbeamte Gustave Macé bemerkte, dass das Wasser des Brunnens verunreinigt war, und ließ den Schacht durchsuchen, wo die Leichenteile gefunden wurden. Der Verdacht fiel bald auf den Schneider, der in dem Gebäude verkehrt hatte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stellte der Ermittler fest, dass der Boden ungewöhnlich gründlich gereinigt worden war. Als er die Fliesen anheben ließ, fand er auf deren Unterseite eingetrocknetes Blut, ein damals aufsehenerregendes Vorgehen, das später als eine der ersten forensischen Blutspurenanalysen in die Kriminalgeschichte einging.

Festnahme und Tod

Im Februar 1869 wurde er festgenommen und mit den Beweisen konfrontiert. Er legte daraufhin ein vollständiges Geständnis ab, kam aber nie vor Gericht: Noch vor Beginn des Prozesses nahm er sich in seiner Gefängniszelle das Leben.

Nachwirkungen

Der Fall machte Gustave Macé, der später Chef der Pariser Sûreté wurde, weit über Frankreich hinaus bekannt und gilt als frühes Beispiel dafür, wie forensische Methoden abseits von Zeugenaussagen und Geständnissen zur Aufklärung eines Verbrechens beitragen konnten. In kriminalhistorischen Darstellungen wird der Fall bis heute neben anderen frühen Präzedenzfällen der Spurenkunde genannt.

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