Pierre-François Lacenaire
- Aktive Jahre
- 1834
- Modus Operandi
- ErstechenErstickenStumpfe GewaltKomplizen
Pierre-François Lacenaire, geboren am 20. Dezember 1803 in Francheville bei Lyon, ermordete am 14. Dezember 1834 in Paris einen Bekannten und dessen Mutter bei einem Raubüberfall. Am 9. Januar 1836 wurde er in Paris durch die Guillotine hingerichtet. Bekannt wurde er vor allem dadurch, dass er Prozess und Gefängniszelle bewusst als Bühne nutzte und in den Monaten bis zu seiner Hinrichtung Memoiren und Gedichte verfasste, die ihn zu einer literarisch einflussreichen Figur des 19. Jahrhunderts machten.
Werdegang
Pierre-François Lacenaire diente in jungen Jahren in der königlichen Armee und desertierte 1829 während der Morea-Expedition im Griechischen Unabhängigkeitskrieg. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich schlug er sich mit Betrug, Diebstahl und gefälschten Wechseln durch, ohne dabei je zu größerem Wohlstand zu gelangen. Wiederholte Gefängnisaufenthalte in den frühen 1830er Jahren prägten seinen weiteren Lebensweg.
Die Tat
Am 14. Dezember 1834 brach Pierre-François Lacenaire gemeinsam mit zwei Komplizen, Pierre Victor Avril und Hippolyte François, in die Wohnung des Bekannten Jean-François Chardon in der Pariser Passage du Cheval-Rouge ein. Sein Komplize Pierre Victor Avril attackierte das Opfer zuerst, Pierre-François Lacenaire selbst stach mit einer Schusterahle zu, ehe das Opfer zusätzlich mit einer Axt schwer verletzt wurde. Die Mutter des Opfers wurde separat im Bett erstickt. Bei einem weiteren, misslungenen Überfall auf einen Bankboten überlebte das vorgesehene Opfer.
Festnahme und Prozess
Am 2. Februar 1835 wurde Pierre-François Lacenaire festgenommen. Er legte im Verfahren ein umfassendes Geständnis ab und verteidigte seine Taten öffentlich als Ausdruck eines Protests gegen soziale Ungerechtigkeit. Am 15. November 1835 wurden er und sein Komplize Pierre Victor Avril zum Tode verurteilt, der zweite Komplize Hippolyte François hingegen zu lebenslanger Zwangsarbeit.
Hinrichtung und literarisches Nachleben
Pierre-François Lacenaire wurde am 9. Januar 1836 in Paris durch die Guillotine hingerichtet. In der Zeit zwischen Prozess und Hinrichtung schrieb er seine „Mémoires, révélations et poésies”, die postum veröffentlicht wurden. Seine selbstinszenierte Rolle als gebildeter, seiner Tat intellektuell überlegener Krimineller machte ihn zu einer prägenden Figur der französischen Kriminalgeschichte: Fjodor Dostojewski griff Motive seines Falls für die Figur Raskolnikows in „Schuld und Sühne” auf, der Regisseur Marcel Carné ließ ihn 1945 im Filmklassiker „Les Enfants du Paradis” auftreten, und der Philosoph Michel Foucault beschrieb ihn später als eine Ursprungsfigur des romantisierten Kriminellen in der modernen Kulturgeschichte.