Pierre Chanal
- Aktive Jahre
- 1980–1987
- Modus Operandi
- EntführungErwürgen
Acht junge Männer verschwanden rund um den Truppenübungsplatz Mourmelon-le-Grand. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand schließlich ein Berufssoldat, dessen Fahrzeug DNA-Spuren dreier Vermisster aufwies: Pierre Chanal. Doch nur die Fälle Patrice Denis, Patrick Gache und Trevor O’Keeffe gelangten vor das Schwurgericht. Chanal nahm sich im Oktober 2003 während des Prozesses das Leben; über die drei Tötungsvorwürfe wurde deshalb nie entschieden und es gilt die Unschuldsvermutung.
Werdegang
Chanal wurde am 18. November 1946 in Saint-Étienne geboren und schlug eine Militärlaufbahn ein. Ab 1977 diente er als Ausbilder beim 4. Dragoner-Regiment in Mourmelon. Vorgesetzte beschrieben ihn als disziplinierten Soldaten. 1985 nahm er an einer UN-Mission im Libanon teil.
Die Vermisstenfälle von Mourmelon
Zwischen 1980 und 1987 verschwanden in der weiteren Region acht junge Männer, mehrere von ihnen Soldaten oder Anhalter. Die Ermittlungen wurden zunächst getrennt geführt und zeitweise ohne Ergebnis eingestellt. Zu den Betroffenen gehörten Serge Dubois, Serge Havet, Manuel Carvalho, Pascal Sergent, Olivier Donner, Patrice Denis, Patrick Gache und Trevor O’Keeffe.
Später konzentrierte sich das Verfahren gegen Chanal auf drei Fälle:
- Patrice Denis verschwand am 23. August 1985 auf dem Weg zum Camp de Mourmelon.
- Patrick Gache kehrte nach seinem Ausgang vom 30. April 1987 nicht zu seiner Einheit zurück.
- Trevor O’Keeffe wurde am 8. August 1987 tot in einem Wald bei Alaincourt gefunden; er war erwürgt worden.
DNA-Untersuchungen ergaben Ende der 1990er-Jahre Spuren dieser drei Männer in Chanals Fahrzeug. Für die fünf übrigen Fälle erging 2001 eine Einstellungsentscheidung. Die Statistik dieses Projekts zählt deshalb nicht alle acht Vermisstenfälle als seine Opfer, sondern weist die drei angeklagten Tötungen ausdrücklich als mutmaßlich aus.
Festnahme und erstes Urteil
Am 9. August 1988 kontrollierten Gendarmen Chanals VW-Kleinbus. Darin fanden sie einen gefesselten ungarischen Anhalter, den Chanal vergewaltigt und festgehalten hatte. Wegen dieser Tat wurde er 1990 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Juni 1995 kam er nach Verbüßung der Strafe frei.
Die Ermittlungen zu Mourmelon liefen weiter. 2001 ordnete ein Untersuchungsrichter an, Chanal wegen der Tötungen von Denis, Gache und O’Keeffe vor Gericht zu stellen. Rechtsmittel gegen diese Entscheidung blieben erfolglos.
Prozess und Tod
Der Prozess begann am 14. Oktober 2003 in Reims. In der folgenden Nacht verletzte sich Chanal in einem Krankenhaus tödlich. Mit seinem Tod endete das Strafverfahren, ohne dass das Gericht die Mordvorwürfe beurteilen konnte.
Nachwirkungen
Der Fall machte gravierende Verzögerungen und Fehler der über Jahre auf mehrere Behörden verteilten Ermittlungen sichtbar. Für die Angehörigen bedeutete Chanals Tod, dass zentrale Fragen ungeklärt blieben. Die drei vor Gericht gebrachten Fälle beruhen auf erheblichen Indizien, dürfen ohne Urteil aber nicht als gerichtlich bewiesene Morde Chanals dargestellt werden.