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Peter Nirsch

genannt „Peter Niers"

Neumarkt in der Oberpfalz, wo Peter Nirsch 1581 hingerichtet wurde
pbb, via Wikimedia Commons · Public Domain
„Peter Niers"
hingerichtet
SerienmörderNeumarkt in der Oberpfalz , Deutschland
Aktive Jahre
1575–1581

Seine Taten wurden besungen, und Geschichten über ihn gingen um. Mehr als 500 Menschen soll er getötet haben. So erzählten es gedruckte Lieder und Flugschriften, die den 1581 in Neumarkt hingerichteten Räuber unter den Namensformen Peter Niers, Peter Niersch und Peter Nirsch bekannt machten. Doch die spektakuläre Zahl ist nicht erwiesen: Die Aussagen entstanden unter Folter, die Drucke sollten Aufmerksamkeit erregen, und eine unabhängig belegte Opferliste ist nicht erhalten.

Ein Täter aus Flugschriften

Über Herkunft, Geburtsjahr und frühes Leben ist fast nichts sicher bekannt. Die überlieferten Texte beschreiben Peter als umherziehenden Räuber, der spätestens seit den 1570er Jahren mit wechselnden Gefährten im süddeutschen Raum unterwegs gewesen sein soll. Wie groß diese Gruppe war, wo sie tatsächlich handelte und welche Verbrechen ihr zuverlässig zugeordnet werden können, lässt sich aus den Drucken nicht rekonstruieren.

Besonders drastisch sind die Behauptungen über ermordete schwangere Frauen, entnommene Föten und magische Rituale. Solche Motive passten zum frühneuzeitlichen Glauben an Zauberei und an Mittel, die einen Menschen unsichtbar machen sollten. Zugleich steigerten sie den Schrecken und den Verkaufswert der Berichte. Ob einzelne Erzählungen einen realen Kern hatten, bleibt offen. Als gesicherte Tatsachen dürfen sie nicht wiederholt werden.

Festnahme in Neumarkt

Auch die Erzählung von der Festnahme folgt diesem Muster. Peter soll in einem Gasthof in Neumarkt erkannt worden sein, nachdem er beim Baden seine angeblichen magischen Gegenstände abgelegt hatte. Ohne deren Schutz, so die Geschichte, habe man ihn identifizieren können. Das ist keine nüchterne Beschreibung eines Polizeizugriffs, sondern ein legendenhaftes Element derselben Überlieferung.

Nach der Festnahme verhörten und folterten die Behörden ihn. Die Drucke führen die behaupteten Taten auf dieses Geständnis und auf Aussagen angeblicher Komplizen zurück. Ein unter der „strengen Frage”, also unter Folter, abgelegtes Geständnis ist weder freiwillig noch verlässlich. Hinzu kommt, dass die überlieferten Fassungen voneinander abweichen. Es fehlen Namen identifizierter Opfer, überprüfbare Tatortbefunde und erhaltene Prozessakten, mit denen sich die einzelnen Vorwürfe unabhängig prüfen ließen.

Hinrichtung

Die Hinrichtung ist der festeste Punkt der Biografie, doch selbst ihr Datum erscheint in späteren Darstellungen nicht einheitlich. Die Forschungsdatenbank Execution Ballads der University of Melbourne nennt den 16. September 1581 in Neumarkt in der Oberpfalz. Andere Überlieferungen nennen benachbarte Septembertage oder sogar den März desselben Jahres.

Berichte über eine mehrtägige öffentliche Tortur mit anschließendem Rädern und Vierteilen gehören ebenfalls zur gedruckten Erzählung. Dass Peter 1581 in Neumarkt hingerichtet wurde, ist deutlich besser belegt als der genaue Ablauf. Die Einzelheiten können deshalb nur als zeitgenössische oder spätere Zuschreibungen beschrieben werden.

Legende oder Serienmörder?

Schon kurz nach der Hinrichtung verbreiteten mehrere Drucke die Geschichte. Ein 1582 veröffentlichtes Lied, heute in der Staatsbibliothek zu Berlin erhalten und in der Melbourner Forschungsdatenbank digital erschlossen, nennt Peter ausdrücklich beim Namen. Es berichtet von mehr als 300 Morden einer Gruppe und sagt zugleich, das Bekenntnis sei unter der „strengen Frage” zustande gekommen. Andere Fassungen nennen 440, 520 oder 544 Tötungen.

Die Abweichungen zeigen, warum keine dieser Zahlen in den Steckbrief gehört. Die Drucke waren zeitnah, aber sie verbanden Nachricht, moralische Warnung, religiöse Deutung und Unterhaltung. Ihre Nähe zum Ereignis macht sie zu wichtigen Zeugnissen dafür, wie der Fall erzählt wurde. Sie beweist nicht, dass jede Behauptung darin stimmt.

Peter war eine reale Person, die als Räuber verfolgt und hingerichtet wurde. Wahrscheinlich legten ihm die Behörden mehrere Tötungen zur Last. Wie viele Menschen er tatsächlich ermordete, lässt sich jedoch nicht mehr bestimmen. Selbst die Einordnung als Serienmörder beruht damit auf einer Quellenlage, die keinen modernen Beweismaßstab erfüllt.

Nachwirkungen

Der Fall Peter Nirsch zeigt vor allem, wie frühneuzeitliche Kriminalgeschichten entstanden und weiterwirkten. Ein Foltergeständnis lieferte den Stoff, Drucker verbreiteten ihn in wechselnden Fassungen, und spätere Darstellungen übernahmen oft die höchste Zahl. So wurde aus unsicheren Zuschreibungen scheinbar präzise Statistik.

Gesichert bleiben die Namensvarianten, die Verfolgung als Räuber und die Hinrichtung in Neumarkt im Jahr 1581. Die Zahl der Toten, viele Tatdetails und der genaue Ablauf der Festnahme und Hinrichtung bleiben dagegen Teil einer widersprüchlichen Überlieferung. Peter Nirsch als nachweisbaren „Rekordmörder” mit mehr als 500 Opfern zu bezeichnen, würde aus dieser Unsicherheit eine Gewissheit machen, die keine erhaltene Quelle trägt.