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Patrick Higgins

Ein stillgelegter, gefluteter Steinbruch bei Winchburgh, West Lothian, in einem vergleichbaren Steinbruch der Gegend wurden die Leichen der beiden Jungen 1913 gefunden
paul birrell / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
2
Opfer
hingerichtet
TotschlägerWinchburgh , Großbritannien
Aktive Jahre
1911
Modus Operandi
Ertränken

Fast zwei Jahre lang galten John und William Higgins einfach als verschwunden. Ihr Vater erzählte wechselnde Geschichten darüber, wo die Jungen abgeblieben seien, und niemand im schottischen Winchburgh stellte allzu viele Fragen. Erst als ein Pflüger im Juni 1913 am Rand eines gefluteten Steinbruchs auf sterbliche Überreste stieß, wurde aus einem vermeintlichen Verschwinden ein Doppelmord, den der eigene Vater begangen hatte.

Ein überforderter Witwer

Patrick Higgins arbeitete als Arbeiter in der Ziegelei von Winchburgh, einem kleinen Ort in West Lothian, Schottland. Er hatte eine Frau aus dem benachbarten Broxburn geheiratet, mit der er zwei Söhne bekam: John, sieben Jahre alt, und William, fünf Jahre alt. Als seine Frau starb, blieb er mit den beiden Jungen allein zurück und war mit der Situation sichtlich überfordert. Die kleine Familie zog immer wieder um, mal wohnten sie bei seiner Schwester, mal in einem einfachen Männerwohnheim in Broxburn, mal notdürftig auf dem Gelände der Ziegelei selbst.

Nachbarn beschrieben ihn als schweren Trinker, der offen über seine Söhne klagte. Sätze wie „Was zum Teufel soll ich nur mit denen anfangen” sollen zu seinem festen Wortschatz gehört haben. Die Jungen wurden regelmäßig vernachlässigt.

Die Tat

Am 25. Oktober 1911 verließ Patrick Higgins mit seinen beiden Söhnen sein gewohntes Umfeld und führte sie zu Hopetoun Quarry, einem Steinbruch bei Abercorn in West Lothian. Er band die Jungen mit einem Seil aneinander und warf sie ins Wasser, wo sie ertranken. Anschließend kehrte er allein zurück und ging offenbar noch am selben Abend in eine Kneipe. Auf Nachfragen, wo seine Söhne geblieben seien, behauptete er zunächst, sie zwei jungen Frauen übergeben zu haben, die sich um sie kümmern würden.

Der späte Fund

Die Leichen der Jungen blieben fast zwei Jahre im Steinbruch verborgen, bis sie im Juni 1913 von einem Pflüger und einem Begleiter zufällig entdeckt wurden. Die forensische Untersuchung übernahmen die Pathologen Sir Sydney Smith und Harvey Littlejohn. Anhand von Mageninhalt und erhaltenen Wäschekennzeichen an der Kleidung gelang es ihnen, die sterblichen Überreste eindeutig als John und William Higgins zu identifizieren.

Prozess und Hinrichtung

Der Vater wurde in seiner Unterkunft in Broxburn festgenommen und im September 1913 vor dem High Court in Edinburgh angeklagt. Seine Verteidigung berief sich auf vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit, ein Argument, das die Jury nicht überzeugte. Er wurde des Mordes an seinen beiden Söhnen für schuldig befunden.

Am 2. Oktober 1913 wurde Patrick Higgins hingerichtet, der Henker war John Ellis. Der Fall gilt in West Lothian bis heute als eine der bedrückendsten Familientragödien der Region, nicht zuletzt weil sich zeigte, wie lange ein Verbrechen an den eigenen Kindern in einer kleinen Gemeinde unentdeckt bleiben konnte, wenn niemand genau genug nachfragte.

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