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Patrick Henry

Fachwerkhäuser in der Altstadt von Troyes, der Stadt, in der Patrick Henry 1976 ein Kind entführte und tötete
KBWEi, via Wikimedia Commons · Public Domain
1
Opfer
verstorben
TotschlägerTroyes , Frankreich
Aktive Jahre
1976
Modus Operandi
Erwürgen

Patrick Daniel Henry, geboren am 31. März 1953 in Troyes, entführte am 30. Januar 1976 den siebenjährigen Philippe Bertrand vor dessen Schule und erdrosselte ihn kurz darauf. Der anschließende Prozess wurde zu einem der prägendsten Kriminalfälle der französischen Nachkriegsgeschichte und trug maßgeblich zur späteren Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich 1981 bei.

Die Tat

Am Mittag des 30. Januar 1976 entführte Patrick Henry den Jungen beim Verlassen seiner Schule in Troyes und forderte von dessen Familie ein Lösegeld von einer Million Französischen Francs. Kurz nach der Entführung erwürgte er das Kind, verschwieg dies jedoch während der laufenden Lösegeldverhandlungen gegenüber der Polizei und der Öffentlichkeit. Die Leiche versteckte er unter seinem eigenen Bett.

Festnahme und Ermittlung

Eine erste, 47-stündige Ingewahrsamnahme blieb zunächst ergebnislos. Erst am 17. Februar 1976 fanden Ermittler die Leiche des Jungen in Patrick Henrys Wohnung, woraufhin er endgültig festgenommen wurde.

Prozess

Der Prozess begann am 18. Januar 1977. Die Verteidigung übernahmen der Anwalt Robert Bocquillon und der spätere französische Justizminister Robert Badinter, ein überzeugter Gegner der Todesstrafe. Robert Badinter gelang es, die Geschworenen von einer Verurteilung zum Tode abzubringen, die Abstimmung soll knapp mit sieben zu fünf Stimmen gegen die Todesstrafe ausgefallen sein. Am 20. Januar 1977 wurde Patrick Henry zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Fall erlangte durch einen Satz landesweite Bekanntheit: Der Nachrichtensprecher Roger Gicquel kommentierte die Festnahme im Fernsehsender TF1 mit den Worten „La France a peur” (Frankreich hat Angst), ein Ausspruch, der bis heute als geflügeltes Wort für die gesellschaftliche Erschütterung jener Jahre gilt. Robert Badinters Plädoyer in diesem Verfahren gilt als wichtiger Wegbereiter für seine spätere Rolle als Justizminister, in der er 1981 maßgeblich die Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich durchsetzte.

Weiterer Verlauf und Nachwirkungen

Nach rund 25 Jahren Haft wurde Patrick Henry am 15. Mai 2001 bedingt entlassen. 2002 wurde er erneut straffällig, im Herbst desselben Jahres nahm ihn die Polizei wegen des Schmuggels von zehn Kilogramm Cannabis-Haschisch fest. Die Bewährung wurde daraufhin widerrufen, es folgten vier weitere Jahre Haft sowie eine Geldstrafe. Aus gesundheitlichen Gründen wurde er am 15. September 2017 aus der Haft entlassen. Er starb keine drei Monate später, am 3. Dezember 2017, in Lille an Lungenkrebs.

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