Patrick Carraher
- Aktive Jahre
- 1934–1945
- Modus Operandi
- Erstechen
Ein Mann sticht einen Soldaten in einer Kneipenschlägerei nieder und wird trotzdem nicht wegen Mordes verurteilt. Elf Jahre später tötet er erneut, dieses Mal reicht die Beweislage. Patrick Carrahers Geschichte zeigt, wie viel Gewalt ein System tolerierte, bevor es eingriff.
Werdegang
Geboren 1906 im Glasgower Arbeiterviertel Gorbals, war Patrick Carraher schon mit 14 Jahren zum ersten Mal in einem Erziehungsheim untergebracht. Es folgten zahlreiche weitere Haftstrafen, meist wegen Gewaltdelikten. In Glasgow machte sich sein Ruf für rohe, oft grundlose Gewalt schnell einen Namen, der ihm den Beinamen „The Fiend of the Gorbals“ einbrachte, ein Mann, dem die Gewalt selbst mehr Genugtuung zu verschaffen schien als jedes konkrete Motiv.
Die erste Tat
Am 13. August 1934 geriet er in einer Kneipe in eine Auseinandersetzung, nachdem er eine frühere Freundin beleidigt hatte. Der junge Soldat James Shaw forderte ihn auf, sich zu beruhigen. Er zog daraufhin ein Messer und stach zu, der Soldat starb an seinen Verletzungen. Trotz der Tat wurde er nicht wegen Mordes verurteilt, angeblich hatte niemand die eigentliche Stichbewegung direkt gesehen. Das Gericht verurteilte ihn 1934 lediglich wegen Totschlags zu drei Jahren Haft, eine Strafe, die im Rückblick erschreckend milde wirkt.
Die zweite Tat
Elf Jahre später, am 23. November 1945, traf er erneut auf einen Soldaten. John Gordon, ein Berufssoldat mit zwanzig Dienstjahren bei den Seaforth Highlanders, geriet mit ihm während einer alkoholisierten Auseinandersetzung aneinander. Er trug ein rasierscharfes Meißel bei sich und stieß es dem Soldaten in den Nacken, ein Stoß, der auf den ersten Blick wie ein bloßer Faustschlag wirkte. John Gordon starb an der Verletzung.
Prozess und Hinrichtung
Dieses Mal reichte die Beweislage. Ein Freund des Täters namens Daniel Bonnar sagte als Kronzeuge gegen ihn aus, ebenso eine weitere Zeugin aus seinem Umfeld. Vor dem High Court of Justiciary in Glasgow brauchte die Jury nur zwanzig Minuten, um ihn des Mordes für schuldig zu befinden. Am 6. April 1946 wurde Patrick Carraher im Gefängnis Barlinnie in Glasgow durch Thomas Pierrepoint gehängt.
Der Fall gilt in Schottland bis heute als Beispiel dafür, wie ein wiederholt gewalttätiger Mann über Jahre hinweg immer wieder mit vergleichsweise milden Strafen davonkam, bis eine zweite Tötung schließlich zur Höchststrafe führte.