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Patricia Cartier

Kommunales Gebäude in Laversines bei Beauvais, dem Wohnort der Familie Cartier
François GOGLINS, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
1
Opfer
frei
TotschlägerLaversines , Frankreich
Aktive Jahre
2002
Modus Operandi
Vergiftung

Patricia Cartier, geboren 1961, war zusammen mit ihrem Ehemann Emmanuel für den Tod ihrer elfjährigen Tochter Alicia verantwortlich. Am 18. August 2002 injizierte sie in ihrem Haus im nordfranzösischen Laversines allen fünf gemeinsamen Kindern sowie sich selbst Insulin, in der Absicht, mit der ganzen Familie aus dem Leben zu scheiden. Ein Gericht in Beauvais verurteilte sie 2005 zu zehn Jahren Haft.

Werdegang

Patricia arbeitete als Pflegerin für ältere Menschen, ihr Mann Emmanuel Cartier als Maschinenbediener. Das Paar lebte mit seinen fünf Kindern in Laversines, einer kleinen Gemeinde nahe Beauvais im Département Oise. Über die Jahre häuften sich bei rund 20 verschiedenen Kreditgebern, verteilt auf 21 Konsumentenkredite und 15 Kreditkarten, Schulden von etwa 250.000 Euro an, denen die Familie sich zunehmend hilflos ausgeliefert sah.

Die Tat

Am Abend des 18. August 2002 aß die Familie gemeinsam in einem Restaurant zu Abend. Zurück zu Hause erzählten die Eltern ihren fünf Kindern, sie würden ihnen zur Vorbereitung auf einen bevorstehenden Auslandsurlaub eine Impfung verabreichen. Patricia zog die Kinder zuvor in neue Kleidung um, damit sie, wie sie später aussagte, „schön gekleidet in der anderen Welt” ankommen sollten. Anschließend injizierte sie allen fünf Kindern Insulin, das sie zuvor aus einem Altenheim entwendet hatte, und spritzte sich die Substanz auch selbst. Emmanuel versuchte währenddessen, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Bei vier Kindern und bei Patricia selbst erwiesen sich die Dosen als nicht tödlich, ihre Tochter Alicia jedoch starb am 6. September 2002 im Krankenhaus von Beauvais an den Folgen der Injektion.

Prozess

Der Prozess fand im Oktober 2005 vor dem Schwurgericht in Beauvais statt. Beide Elternteile beriefen sich auf ihre Verzweiflung angesichts der übermächtigen Schuldenlast als Motiv. Am 20. Oktober 2005 verurteilte das Gericht Patricia zu zehn Jahren Haft, ihren Mann Emmanuel zu 15 Jahren.

Nachwirkungen

Patricia wurde bereits am 27. Oktober 2008 nach rund drei Jahren Haft entlassen. Der Fall löste in Frankreich eine breitere Debatte über Überschuldung als Auslöser für erweiterte Suizide aus, bei denen Eltern neben sich selbst auch ihre Kinder töten wollen.