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Ottis Toole

Polizeifoto von Ottis Toole, Jacksonville Police Department, April 1983
Jacksonville Police Department, via Wikimedia Commons (seitlich ergänzt für den Bildausschnitt) · Public Domain (Florida Behörde)

Ein Brand in einem Gästehaus in Jacksonville tötete George Sonnenberg. Brandbeschleuniger und Zeugenaussagen führten zu Ottis Toole, der für diese Tat zunächst zum Tode verurteilt wurde. Insgesamt standen am Ende sechs Mordurteile gegen ihn. Ganz anders ist die Bilanz der hunderten Geständnisse, die er gemeinsam mit Henry Lee Lucas ablegte: Viele waren widersprüchlich oder nachweislich falsch.

Werdegang

Er galt bereits als Kind und Jugendlicher als auffällig, unter anderem durch Brandstiftungen und wechselnde sexuelle Identität. Als Gelegenheitsarbeiter und Umherziehender lernte er 1976 Henry Lee Lucas kennen, der bei ihm und seiner Mutter in Springfield, Florida, einzog. Er wurde zudem eng mit seiner minderjährigen Nichte Frieda „Becky” Powell vertraut, die später eines der gemeinsamen Opfer wurde.

Taten

Die sechs Mordschuldsprüche betrafen John McDaniel, Jerilyn Peoples, Brenda Burton, Ruby McCary, George Sonnenberg und Ada Johnson. Vier der Verfahren endeten 1991 mit Schuldbekenntnissen. Die zeitgenössische Agenturmeldung zu den Anklagen nennt für diese Taten konkrete Daten zwischen dem 15. Dezember 1980 und dem 9. April 1981 sowie Tatorte in drei Counties im Norden Floridas.

Ganz anders ist die Lage bei vielen weiteren Behauptungen. In Gesprächen in Haft deuteten er und Henry Lee Lucas an, Leichenteile ihrer Opfer verzehrt zu haben. Er geriet zudem in Verdacht, 1981 den sechsjährigen Adam Walsh getötet zu haben, dessen Fall später die Gründung von „America’s Most Wanted” durch dessen Vater John Walsh mitprägte. Blutflecken im Teppich seines weißen Cadillacs ließen sich forensisch jedoch nie eindeutig Adam zuordnen, er widerrief sein Geständnis in diesem Fall mehrfach.

Ermittlung und Festnahme

Die beiden Partner wurden 1983 festgenommen und legten in der Folge beide zahlreiche, sich teils widersprechende Geständnisse ab. Ermittler nutzten die beiden zeitweise, um ungeklärte Mordfälle formal abzuschließen, was spätere Kriminologen als schwerwiegenden Fehler in der Ermittlungsarbeit kritisierten.

Prozess

Er wurde in mehreren Verfahren wegen insgesamt sechs Morden verurteilt und erhielt unter anderem lebenslange Haftstrafen.

Nachwirkungen

Ottis Toole starb am 15. September 1996 im Alter von 49 Jahren an Leberzirrhose in der Haft in Florida. Erst 2008 erklärte die Polizei von Hollywood, Florida, den Fall Adam Walsh offiziell für abgeschlossen und benannte ihn nachträglich als vermutlichen Täter, ohne dass es zu einer förmlichen Anklage kam. Der Fall Ottis Toole und Henry Lee Lucas gilt bis heute als Lehrbuchbeispiel dafür, wie unkritisch übernommene Geständnisse ganze Ermittlungsverfahren in die Irre führen können.

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