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Oswald Kaduk

Das Haupttor des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau
Wikimedia Commons / Oleg Yunakov · CC BY-SA 4.0
1012
Opfer
verstorben
KriegsverbrecherAuschwitz , Deutschland
Aktive Jahre
1942–1945

Nach dem Krieg schätzten Patienten Oswald Kaduk als Krankenpfleger. Im Konzentrationslager Auschwitz hatten Gefangene denselben Mann als unberechenbaren Rapportführer erlebt, der Menschen erschoss, zu Tode trat und für die Gaskammern auswählte. Zwei Gerichte verurteilten ihn wegen seiner Taten.

Vom Metzger zum Rapportführer

Oswald Kaduk wurde am 26. August 1906 in Königshütte in Oberschlesien geboren. Er lernte Metzger und arbeitete später bei der Feuerwehr. Ende 1939 trat er der Allgemeinen SS bei und meldete sich freiwillig zur Waffen-SS.

Nach einer Erkrankung galt er als nicht fronttauglich. 1942 wurde er deshalb zum Wachsturmbann des Konzentrationslagers Auschwitz versetzt. Dort stieg er vom Blockführer zum Rapportführer auf. In dieser Funktion kontrollierte er Appelle und hatte unmittelbare Gewalt über den Lageralltag.

Eigenmächtige Gewalt

Das Frankfurter Schwurgericht stellte zwölf Mordkomplexe fest. Oswald Kaduk trat einen erschöpften Gefangenen zu Tode, quälte einen weiteren beim sogenannten Sportmachen und erschoss drei Geiseln, obwohl der vermisste Häftling bereits tot gefunden worden war. Weitere Menschen tötete er am Lagerzaun, bei wahllosen Schüssen und während des Evakuierungsmarsches.

Besonders groß war die Opferzahl bei zwei Selektionen. In einem Fall wählte er mit anderen mindestens 1.000 Menschen für die Tötung aus, in einem weiteren mindestens zwei. Die Urteilsbegründung rechnete ihm insgesamt mindestens 1.012 Todesopfer zu. Das Gericht nahm Täterschaft oder Mittäterschaft an, weil sein Eifer und seine eigenständige Gewalt zeigten, dass er die Taten selbst wollte.

Erst Bautzen, dann West-Berlin

Nach der Befreiung blieb Oswald Kaduk in der Region und wurde von einem Auschwitz-Überlebenden erkannt. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn 1947 zu 25 Jahren Zwangsarbeit. Er verbüßte einen Teil der Strafe in Bautzen und kam 1956 durch eine Amnestie frei.

Danach zog er nach West-Berlin und arbeitete als Krankenpfleger. Die Biographie des Fritz Bauer Instituts hält den scharfen Gegensatz fest: Patienten nannten ihn anerkennend „Papa“, während Überlebende seine Gewalt aus Auschwitz schilderten. Im Juli 1959 wurde er erneut festgenommen. Die zivile Arbeit verbarg seine Vergangenheit nicht dauerhaft.

Lebenslang und späte Entlassung

Am 20. August 1965 verurteilte das Landgericht Frankfurt am Main Oswald Kaduk zu lebenslangem Zuchthaus. Der Urteilstenor nennt zehn eigenhändige und zwei gemeinschaftlich begangene Mordfälle.

Gnadengesuche blieben zunächst erfolglos. 1984 kam er in den offenen Vollzug. Wegen schwerer Erkrankung und einer Beinamputation unterbrach die Justiz später die Vollstreckung, im November 1990 wurde er entlassen. Oswald Kaduk verbrachte seine letzten Jahre in Seniorenheimen und starb am 31. Mai 1997 in Langelsheim-Lautenthal.

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