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Olga Hepnarová

Kolorierte Zeichnung von Olga Hepnarová
Roman Bureš, via Wikimedia Commons · Public Domain
8
Opfer
hingerichtet
MassenmörderPrag , Tschechien
Aktive Jahre
1973
Modus Operandi
Stumpfe Gewalt

Am 10. Juli 1973 lenkte eine 22 Jahre alte Lastwagenfahrerin ihr Fahrzeug absichtlich in eine Gruppe wartender Menschen an einer Straßenbahnhaltestelle im Prager Stadtteil Holešovice. Acht überwiegend ältere Menschen starben, zwölf weitere wurden verletzt. Olga Hepnarová wurde am 12. März 1975 als letzte Frau in der Geschichte der Tschechoslowakei hingerichtet.

Werdegang

Olga wurde am 30. Juni 1951 in Prag als Tochter eines Bankangestellten und einer Zahnärztin geboren, damals Teil der Tschechoslowakei, das Gebiet liegt heute in Tschechien. In ihrer Kindheit galt sie zunächst als unauffällig, entwickelte in der Pubertät aber zunehmend Kommunikationsprobleme und fühlte sich von Mitschülern und später auch von der eigenen Familie ausgegrenzt und schikaniert. Mit etwa 13 Jahren unternahm sie einen Suizidversuch mit einer Medikamentenüberdosis und verbrachte anschließend ein Jahr in einer psychiatrischen Klinik. Als junge Erwachsene wechselte sie häufig die Arbeitsstelle und wurde wiederholt kurz nach Arbeitsbeginn wieder entlassen, bevor sie schließlich eine Anstellung als Lastwagenfahrerin fand.

Die Tat

Vor der Tat schickte sie Briefe an zwei Prager Zeitungen, in denen sie ihre Beweggründe darlegte: Sie fühle sich von der Gesellschaft und insbesondere von ihrer eigenen Familie zerstört und wolle sich dafür an den Menschen rächen. Am Vormittag des 10. Juli 1973 mietete sie einen Lastwagen, fuhr zur Straßenbahnhaltestelle am Strossmayerovo náměstí und wartete nach eigener späterer Aussage rund 30 Minuten, bis sich genügend Menschen versammelt hatten. Anschließend lenkte sie den Lastwagen gezielt in die etwa 25 Personen umfassende Gruppe. Drei Menschen starben noch am Tatort, fünf weitere in den folgenden Tagen an ihren Verletzungen, sechs weitere wurden schwer und sechs leicht verletzt. Die Opfer waren zwischen 60 und 79 Jahre alt. Sie wurde unmittelbar nach der Tat festgenommen.

Prozess und Urteil

Vor dem Stadtgericht Prag verweigerte sie weitgehend die Zusammenarbeit mit ihrem Pflichtverteidiger. Psychiatrische Gutachter bescheinigten ihr volle Schuldfähigkeit. Sie zeigte im Verfahren keine Reue, äußerte im Gegenteil, so viele Menschen wie möglich hätten sterben sollen, und erklärte, gegen ein Todesurteil keine Einwände zu haben. Am 6. April 1974 verurteilte das Gericht sie wegen Mordes zum Tode durch Erhängen. Ein Gnadengesuch ihrer Mutter wurde vom Obersten Gericht der Tschechoslowakischen Republik abgelehnt.

Hinrichtung

Am 12. März 1975 wurde sie im Gefängnis Pankrác in Prag im Alter von 23 Jahren durch Erhängen hingerichtet. Sie war die letzte Frau, die in der Tschechoslowakei die Todesstrafe erhielt. Nach Berichten des zuständigen Henkers verlor sie kurz vor der Hinrichtung, nachdem sie sich zuvor gleichgültig gegeben hatte, die Fassung und erlitt einen Zusammenbruch. Der Vorfall soll den Henker selbst noch lange danach belastet haben.

Nachwirkungen

Der Fall gilt bis heute als einer der bekanntesten Kriminalfälle der tschechoslowakischen und tschechischen Geschichte und wird immer wieder als frühes Beispiel eines gezielten Fahrzeugangriffs auf eine Menschenmenge diskutiert, lange bevor solche Taten unter diesem Begriff international bekannt wurden. 2016 verfilmte der Regisseur Tomáš Weinreb gemeinsam mit Petr Kazda den Fall unter dem Titel „I, Olga Hepnarová“ mit der polnischen Schauspielerin Michalina Olszańska in der Hauptrolle, die Premiere fand im Wettbewerb der Berlinale statt.