Norman Jones
- Aktive Jahre
- 2008
- Modus Operandi
- ErschießenEntführungZerstückelungKomplizen
Ein Schrotthändler verschwindet spurlos von einem Wohnwagenplatz in der englischen Grafschaft Hertfordshire. Zwei Wochen später findet ein Passant seine Leiche hinter einer Garage, ohne Kopf und ohne Hände, beides bleibt für immer verschwunden. Hinter der Tat stehen ein Vater und sein erwachsener Sohn, die glaubten, das Opfer habe ihnen Drogen gestohlen und dafür ein Exempel statuieren wollten. Der Fall zählt zu den brutalsten Racheakten, die die britische Justiz in den 2000er Jahren beschäftigten.
Werdegang
Norman Jones wurde 1959 geboren und lebte als Angehöriger der englischen Traveller-Gemeinschaft im Umland von Hertfordshire. Über seine frühen Lebensjahre ist wenig dokumentiert, öffentlich bekannt wurde er erst durch die Tat, die ihn 2009 vor Gericht brachte. Gemeinsam mit seinem Sohn Joseph Jones geriet er 2008 in einen Streit mit dem 42-jährigen John Finney, einem Schrotthändler und vierfachen Vater, der ebenfalls auf dem Wohnwagenplatz Park Farm in Northaw lebte. Vater und Sohn waren überzeugt, der Mann habe Drogen aus einem ihrer Fahrzeuge gestohlen.
Die Tat
Bevor es zur eigentlichen Entführung kam, ließen Norman Jones und sein Sohn Drohungen gegen ihr Opfer aussprechen und schließlich auf dessen Wohnwagen schießen. Am Abend des 29. Februar 2008 zerrten sie ihn gegen 19 Uhr mit vorgehaltener Waffe aus seinem Auto und verschleppten ihn rund 50 Kilometer weit in eine eigens angemietete Lagerhalle in Wilbury Way in Hitchin, wo sein Sohn ihn ebenfalls schon erwartete. Dort folgten stundenlanges Verhör und Folter, bevor sie ihn schließlich erschossen. Anschließend enthaupteten sie die Leiche und trennten ihr die Hände ab, mutmaßlich um eine Identifizierung zu erschweren. Kopf und Hände wurden nie gefunden. Das für die Entführung genutzte Fahrzeug entdeckte die Polizei zwei Tage später ausgebrannt auf einem Feld bei Wheathampstead.
Ermittlung und Festnahme
Ein Passant entdeckte die verstümmelten Überreste am 15. März 2008 kurz nach 16 Uhr hinter einem Garagenblock in Ickleford, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt. Noch bevor die Ermittlungen sie einholten, waren Vater und Sohn nach Spanien geflohen. Am 1. Mai 2008 nahm die spanische Polizei beide in Marbella an der Costa del Sol fest und lieferte sie nach Großbritannien aus.
Prozess und Urteil
Nach einem zehnwöchigen Verfahren am St Albans Crown Court sprach die Jury Norman Jones und seinen Sohn im Mai 2009 des Mordes schuldig. Am 12. Mai 2009 verurteilte das Gericht Norman Jones zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungszeit von 33 Jahren, seinen Sohn zu mindestens 30 Jahren. Beide hatten ihre Beteiligung bis zuletzt bestritten, Blutspuren am Tatort überführten sie dennoch. Der Richter bezeichnete beide als „böse Männer, denen jeder Funke Menschlichkeit fehlt”.
Nachwirkungen
Norman Jones sitzt weiterhin in Haft, eine Entlassung ist frühestens im Jahr 2041 möglich. Der Fall gilt in Großbritannien bis heute als eines der grausamsten Beispiele dafür, wie ein bloßer Verdacht in einer sozialen Randgruppe zu exzessiver, geplanter Selbstjustiz eskalieren kann.