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Norbert Poehlke

genannt „Hammermörder"

Das Rathaus in Backnang, in dessen Ortsteil Strümpfelbach Norbert Poehlke mit seiner Familie lebte
Roman Eisele (Aristeas), via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
6
Opfer
„Hammermörder"
verstorben
SerienmörderBacknang , Deutschland
Aktive Jahre
1984–1985
Modus Operandi
Erschießen

Ein Vorschlaghammer aus dem Besitz seiner Familie brachte die Ermittler auf die Spur eines Kollegen: Norbert Hans Poehlke arbeitete selbst bei der Polizei. Eine ZDF-Aufarbeitung rekonstruiert, wie er zwischen 1984 und 1985 drei Autofahrer erschoss, ihre Wagen für Banküberfälle nutzte und am Ende seiner Flucht auch seine Frau und zwei Söhne tötete.

Werdegang

Er arbeitete ab 1982 als Polizeiobermeister bei der Hundestaffel in Mühlhausen am Neckar, einem Stadtteil Stuttgarts, und galt als unauffälliger, pflichtbewusster Beamter. Nach einem Lottogewinn von rund 30.000 Deutsche Mark ließ er mit seiner Frau ein Eigenheim im Backnanger Ortsteil Strümpfelbach bauen. Die Finanzierung stürzte die Familie jedoch in erhebliche Schulden. Im März 1984 starb zudem seine dreijährige Tochter Cordula an einem Hirntumor, ein Einschnitt, der nach Einschätzung von Ermittlern zeitlich mit dem Beginn seiner kriminellen Aktivitäten zusammenfiel.

Taten

Um an Geld zu kommen, entwickelte er ein wiederkehrendes Muster: An einsam gelegenen Wanderparkplätzen suchte er sich ein Opfer aus, stieg zu ihm ins Auto und erschoss es mit seiner Dienstwaffe, einer Walther P5, aus nächster Nähe. Mit dem erbeuteten Fahrzeug fuhr er anschließend zu einer Bankfiliale, zerschlug dort maskiert mit einem Vorschlaghammer die Scheibe des Kassenschalters und flüchtete mit der Beute in einem zweiten, zuvor abgestellten Wagen. Dieses Vorgehen brachte ihm in der Presse den Namen „Hammermörder” ein.

Auf diese Weise tötete er:

  1. Siegfried Pfitzer (47), Ingenieur aus Aschaffenburg, 3. Mai 1984
  2. Eugene Wethey (37), britischer Staatsbürger, 28. Dezember 1984
  3. Wilfried Schneider (26), 22. Juli 1985

Insgesamt gingen vier Banküberfälle auf sein Konto.

Entdeckung und Flucht

Am 29. September 1985 fanden Anti-Terror-Fahnder bei einer routinemäßigen Kontrolle in einem Schließfach am Bahnhof Ludwigsburg eine Polizeiuniform, die sich eindeutig ihm zuordnen ließ. In der Annahme, kurz vor seiner Enttarnung zu stehen, beantragte er Urlaub und floh mit seiner Familie. Kurz darauf erschoss er seine Ehefrau und den älteren der beiden Söhne, Adrian, in ihrem Haus in Strümpfelbach und setzte sich mit dem jüngeren Sohn Gabriel nach Italien ab.

Ende

Im Oktober 1985 wurden er und der Junge tot in seinem Wagen am Strand von Torre Canne bei Brindisi gefunden. Er hatte zunächst seinen Sohn und anschließend sich selbst erschossen. Da er vor einer möglichen Festnahme starb, kam es nie zu einem Prozess. Das genaue Funddatum wird in den zugänglichen Darstellungen widersprüchlich angegeben und bleibt deshalb offen.

Nachwirkungen

Der Fall erschütterte die baden-württembergische Polizei, weil ausgerechnet ein Beamter über Monate unbehelligt Raubmorde begehen konnte, ohne dass Kollegen Verdacht schöpften. Er zählt bis heute zu den bekanntesten deutschen Kriminalfällen der 1980er-Jahre und wurde mehrfach in Dokumentationen und Podcasts aufgearbeitet.

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