Neville Heath
- Aktive Jahre
- 1946
- Modus Operandi
- ErwürgenErstechenVergewaltigungStumpfe Gewalt
Ein Blick auf die Wunden genügte dem Gerichtsmediziner Keith Simpson, um den Ermittlern zu sagen, wonach sie suchen mussten: die Reitgerte, mit der die Tat verübt worden war. Im Sommer 1946 folterte und tötete Neville Heath innerhalb weniger Wochen zwei junge Frauen in London und Bournemouth, mit einer Brutalität, die selbst erfahrene Ermittler erschütterte.
Werdegang
Neville George Clevely Heath wurde am 6. Juni 1917 im englischen Ilford geboren und besuchte dank seines Vaters, eines Friseurs, die angesehene Rutlish School in Merton Park. 1936 trat er der Royal Air Force bei, wurde jedoch bereits 1937 wegen unerlaubter Abwesenheit entlassen. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs diente er beim Royal Army Service Corps, wurde 1940 zum Leutnant befördert und in den Nahen Osten versetzt, nur um innerhalb eines Jahres von einem Militärgericht degradiert zu werden. Auf dem Rückweg nach Hause entkam er seiner Bewachung und schloss sich in Johannesburg der südafrikanischen Luftwaffe an, wo er es bis zum Hauptmann brachte. Seine Ehe wurde nach dem Krieg wegen Verlassens geschieden, ein weiteres Militärgericht verurteilte ihn, weil er unerlaubt Orden getragen hatte. Bereits vor dem Krieg war er wegen Einbruchs und Urkundenfälschung in einer Besserungsanstalt gewesen und hatte sich Kredite erschlichen. Unter Decknamen wie „Lord Dudley” und „Lieutenant-Colonel Armstrong” bewegte er sich gesellschaftlich in Kreisen, die von seiner wahren Vergangenheit nichts ahnten. Im Februar 1946 kehrte er endgültig nach Großbritannien zurück.
Der Mord an Margery Gardner
In der Nacht zum 21. Juni 1946 tötete er im Pembridge Court Hotel in Notting Hill Gate die 32-jährige Künstlerin Margery Gardner, die von ihrem alkoholkranken Ehemann getrennt lebte und gelegentlich als Statistin in Filmen arbeitete. Ihre Leiche wurde nackt und mit gefesselten Fußgelenken aufgefunden, der Körper trug siebzehn Striemen einer Reitgerte mit Rautenmuster sowie Bissspuren an den Brustwarzen, ein Gegenstand war in ihre Vagina eingeführt worden. Sie war erstickt. Der Gerichtsmediziner Keith Simpson erkannte sofort die Bedeutung der Reitgerte für die Ermittlungen.
Der Mord an Doreen Marshall
Nur zwölf Tage später, am 3. Juli 1946, traf er im Kurort Bournemouth auf die 21-jährige Doreen Marshall, die kurz zuvor aus dem Marinehilfsdienst entlassen worden war. Ein Hundebesitzer entdeckte ihre stark verstümmelte Leiche am 7. Juli nahe einem Rhododendrongebüsch am Branksome Dene Chine, einem Küstenabschnitt bei Bournemouth. Sie wies Abwehrverletzungen an den Händen, Schläge gegen den Kopf, gefesselte Hand- und Fußgelenke, eine abgebissene Brustwarze, einen durchtrennten Hals und einen tiefen Schnitt von Oberschenkel bis Brust auf, auch hier hatte der Täter einen Fremdkörper in die Vagina eingeführt. Teile ihrer persönlichen Gegenstände fanden sich später in einer Strandhütte am nahegelegenen Alum Chine.
Festnahme
Kurz nach Doreen Marshalls Verschwinden erschien Neville Heath ausgerechnet auf der Polizeiwache, um mit ihrer Schwester über die Vermisste zu sprechen, ohne dass ihn dabei jemand erkannte. Erst als Ermittler eine Reitgerte mit demselben Rautenmuster in einem Koffer fanden, den er in einer Bahnhofsgepäckaufbewahrung hinterlegt hatte, verdichtete sich der Verdacht. Am 6. Juli 1946 nahm ihn die Polizei fest, zunächst leugnete er hartnäckig seine Identität.
Prozess und Hinrichtung
Der Prozess vor dem Old Bailey begann am 24. September 1946, angeklagt wegen des Mordes an Margery Gardner. Die Verteidigung berief sich auf Unzurechnungsfähigkeit und rief den Psychiater William Henry de Bargue Hubert als Gutachter auf, dessen eigene Morphiumabhängigkeit die Anklage im Kreuzverhör offenlegte und die Verteidigungsstrategie zunichtemachte. Nach nur einer Stunde Beratung erklärte die Jury ihn für schuldig. Am 16. Oktober 1946 wurde er im Gefängnis Pentonville durch den Henker Albert Pierrepoint gehängt. Zuvor soll er, als ihm vor der Hinrichtung ein Whisky angeboten wurde, geantwortet haben, man solle es gleich einen doppelten machen. In einem letzten Brief an seine Eltern schrieb er, sein einziges Bedauern sei, ihrer unwürdig gewesen zu sein.
Nachwirkungen
Der Fall beschäftigte die britische Öffentlichkeit noch jahrzehntelang und prägte mehrere fiktionale Bearbeitungen: Regisseur Alfred Hitchcock ließ sich für die Figur des Robert Rusk in seinem Thriller „Frenzy” von 1972 erkennbar von Neville Heaths Taten inspirieren, auch mehrere Romane und Fernsehserien griffen den Fall auf.