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Myer Abramovich

Die Hanbury Street in Spitalfields, London, in der sich das Tatortrestaurant befand
John Goodall / Geograph Britain and Ireland / Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0
2
Opfer
hingerichtet
TotschlägerLondon , Großbritannien
Aktive Jahre
1911

Ein Obsthändler, der sein ganzes Geld beim Glücksspiel verloren hatte, ging an einem Winterabend 1911 in ein kleines Restaurant in London, um seine Gastgeber zu berauben. Als er ihr Haus verließ, lagen beide erstochen in ihrem Schlafzimmer, und hinter ihm brannte das Gebäude. Myer Abramovich hatte kaum drei Monate später am Galgen für den Doppelmord zu büßen.

Werdegang

Myer Abramovich wurde 1889 als Sohn polnischer Einwanderer geboren und wuchs im Londoner East End auf, in dem sich damals zahlreiche jüdische Zuwandererfamilien aus Osteuropa niedergelassen hatten. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Costermonger, als fliegender Obst- und Gemüsehändler, ein hartes und wenig einträgliches Geschäft. In den Jahren vor der Tat verschuldete er sich zunehmend beim Glücksspiel und geriet in eine finanzielle Notlage, aus der er keinen Ausweg mehr sah.

Die Tat

Sein Ziel war ein kleines Restaurant in der Hanbury Street in Spitalfields, das das Ehepaar Solomon und Annie Millstein betrieb. Im Keller des Lokals fand heimlich eine Glücksspielrunde statt, zu der auch er als Stammgast Zutritt hatte, wodurch er die Räumlichkeiten und die Gewohnheiten des Paares gut kannte. Am Abend des 27. Dezember 1911 erstach er den 36-jährigen Solomon und seine 37-jährige Frau in deren Schlafzimmer über dem Restaurant und raubte Geld und Schmuck. Um seine Spuren zu verwischen, legte er anschließend Feuer im Gebäude.

Ermittlung und Geständnis

Die Londoner Polizei nahm rasch Ermittlungen auf, da der Brand die Tat keineswegs verschleiert, sondern im Gegenteil zusätzliche Aufmerksamkeit auf das Restaurant gelenkt hatte. Der enge Kreis der Stammgäste des geheimen Glücksspiels lieferte den Ermittlern schnell einen Verdächtigen. Nach seiner Festnahme legte Myer Abramovich ein umfassendes Geständnis ab und erklärte, verzweifelt Geld für seine Spielschulden gebraucht zu haben.

Prozess und Hinrichtung

Vor Gericht wurde er wegen Mordes an beiden Opfern schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Am 6. März 1912 wurde er im Gefängnis Pentonville im Norden Londons durch die Henker John Ellis und Albert Lumb gehängt, nur gut zwei Monate nach der Tat. Der Fall gehört zu den zahlreichen frühen Kriminalfällen des East Ends, die von der Armut und den beengten Verhältnissen der dortigen Einwandererviertel im frühen 20. Jahrhundert zeugen, in denen Spielschulden und finanzielle Verzweiflung wiederholt zu tödlicher Gewalt unter Nachbarn führten.