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Monster von Florenz

Ein Bauernhof bei Vicchio im Mugello, einem der Tatortgebiete des Monsters von Florenz
PROPOLI87, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
16
Opfer
SerienmörderFlorenz , Italien
Aktive Jahre
1968–1985
Modus Operandi
Erschießen

Zwischen 1968 und 1985 wurden in der Toskana rund um Florenz acht Paare, insgesamt 16 Menschen, mit derselben Waffe im Kaliber .22 getötet. In mehreren der späteren Fälle verstümmelte der Täter anschließend die weiblichen Opfer mit einem Messer. Der Fall gilt als einer der aufwendigsten und zugleich verworrensten Kriminalfälle der italienischen Geschichte. Obwohl italienische Gerichte zwei Beteiligte rechtskräftig verurteilten, bleiben die Identität des Schützen und die Gesamtverantwortung umstritten.

Die Taten

Am 21. August 1968 wurden Antonio Lo Bianco und Barbara Locci in Signa erschossen, ein Mord, für den zunächst Barbara Loccis Ehemann Stefano Mele verurteilt wurde. Erst spätere ballistische Untersuchungen verbanden dieselbe Tatwaffe mit sieben weiteren Doppelmorden: Pasquale Gentilcore und Stefania Pettini 1974 in Borgo San Lorenzo, Giovanni Foggi und Carmela De Nuccio sowie, wenige Monate später, Stefano Baldi und Susanna Cambi 1981, Paolo Mainardi und Antonella Migliorini 1982, die deutschen Touristen Wilhelm Friedrich Horst Meyer und Jens-Uwe Rüsch 1983, Claudio Stefanacci und Pia Rontini 1984 in Vicchio sowie schließlich Jean-Michel Kraveichvili und Nadine Mauriot 1985 bei San Casciano. Der Täter griff bevorzugt Paare in abgelegen geparkten Autos an, erschoss zunächst den Mann, tötete dann die Frau und verstümmelte ihren Unterleib, in mehreren Fällen entfernte er zusätzlich die Brüste.

Die Sardinien-Spur

Ermittler verfolgten zunächst jahrelang eine Spur zu sardischen Bekannten und mutmaßlichen Liebhabern Barbara Loccis, darunter Francesco Vinci, Giovanni Mele und Salvatore Vinci, die jedoch alle wieder entlastet wurden. Der Untersuchungsrichter Mario Rotella verfolgte diese Theorie bis 1989, ohne zu einer Anklage zu gelangen.

Pacciani und die „compagni di merende”

In den 1990er Jahren richtete sich der Verdacht gegen den Landwirt Pietro Pacciani, der 1994 wegen sieben der acht Doppelmorde zu vierzehnfach lebenslanger Haft verurteilt wurde, 1996 jedoch in der Berufung freigesprochen wurde und 1998 vor einem erneuten Verfahren starb. Die Beweislage gegen ihn war dünn und beruhte im Wesentlichen auf einer ungebrauchten Patrone in seinem Garten sowie oberflächlichen Parallelen zu einem von ihm 1951 begangenen, unabhängigen Mord. Zwei mutmaßliche Komplizen aus seinem Bekanntenkreis, Mario Vanni und Giancarlo Lotti, gemeinsam als „compagni di merende” bekannt, wurden im Jahr 2000 rechtskräftig verurteilt, der Erste zu lebenslanger Haft, der Zweite zu 26 Jahren.

Weitere Theorien

Ein Ermittlerteam um den Polizeichef Michele Giuttari verfolgte zeitweise die These eines okkulten Auftraggebers hinter den Taten, die jedoch von der Fachwelt weitgehend als haltlos zurückgewiesen wurde. Auch eine mutmaßliche Verbindung zum Tod des Arztes Francesco Narducci 1985 im Trasimenischen See, dessen Leiche 2002 exhumiert wurde, führte trotz jahrelanger Ermittlungen zu keinem gerichtsfesten Ergebnis, alle daran beteiligten Verdächtigen wurden letztlich entlastet. 2017 brachte der Journalist Francesco Amicone den amerikanischen Exilanten Joseph Bevilacqua ins Spiel und behauptete ein Telefongeständnis erhalten zu haben, das Verfahren gegen den Beschuldigten wurde 2021 eingestellt, er selbst starb 2022, der Journalist wurde 2024 wegen Verleumdung verurteilt.

Warum der Fall bis heute als ungelöst gilt

Obwohl die Verurteilungen der beiden „compagni di merende” rechtskräftig sind, bezweifeln zahlreiche Kriminologen und Journalisten bis heute, dass die eigentliche Täterschaft damit tatsächlich geklärt wurde, insbesondere da nie überzeugend erklärt wurde, wie zwei ältere Männer ohne erkennbares gemeinsames Motiv über 17 Jahre hinweg gezielt Liebespaare aufgesucht und mit derselben Waffe erschossen haben sollen. Auch Jahrzehnte nach der Mordserie wurden neue forensische Untersuchungen veranlasst. 2025 veröffentlichte DNA-Ergebnisse betrafen unter anderem Spuren aus dem ersten Doppelmord von Signa und die Identifizierung der sterblichen Überreste des früheren Verdächtigen Francesco Vinci. Den Schützen identifizierten diese Untersuchungen nicht.

Nachwirkungen

Der Fall prägte über Jahrzehnte das öffentliche Bild eines besonders grausamen, medienwirksamen Serientäters in Italien und inspirierte zahlreiche Bücher, Dokumentationen und den Roman „Das Monster von Florenz” des amerikanischen Autors Douglas Preston, der selbst zeitweise wegen seiner Recherchen zum Fall polizeilich verhört wurde. Bis heute erscheinen regelmäßig neue Theorien zum tatsächlichen Hergang der Morde, ohne dass sich ein wissenschaftlicher oder juristischer Konsens abzeichnet.

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