Monique Olivier
- Aktive Jahre
- 1987–2003
- Modus Operandi
- Vortäuschung von HilfsbedürftigkeitKomplizenErwürgen
Mehr als 200 Briefe wechselten Monique Olivier und der inhaftierte Sexualstraftäter Michel Fourniret 1987 innerhalb weniger Monate. Aus der Korrespondenz entstand eine Verbindung, in der sie später Opfer anlockte und bei Entführungen und der Beseitigung von Spuren half. Drei Prozesse endeten mit lebenslangen Strafen, zuletzt verurteilte das Schwurgericht der Hauts-de-Seine sie 2023 wegen ihrer Beteiligung an drei weiteren Morden. Le Monde berichtete über das Urteil nach mehr als zehn Stunden Beratung.
Werdegang
Sie wuchs in Tours auf, ihre Schulzeit endete bereits mit 16 Jahren. Eine erste Anstellung verlor sie wegen Unverträglichkeiten mit Kollegen. Sie ging eine zehnjährige Beziehung mit einem Fahrlehrer ein, aus der zwei Söhne hervorgingen, verlor nach der Trennung 1985 aber das Sorgerecht für beide. 1987 fiel ihr in der katholischen Wochenzeitschrift Le Pèlerin die Kontaktanzeige eines Häftlings auf, der Briefkontakt zu Menschen jeden Alters suchte: Michel Fourniret, zu diesem Zeitpunkt wegen mehrfacher Sexualstraftaten inhaftiert. Zwischen Juli und Oktober 1987 wechselten die beiden mehr als 200 Briefe, er schrieb ihr offen von seinen Fantasien, Mädchen zu vergewaltigen und zu töten. Sie erklärte sich bereit zu helfen, allerdings nur unter der Bedingung, dass er im Gegenzug ihren früheren Lebensgefährten töte, wozu es nie kam. Nach seiner Entlassung im Oktober 1987 zog sie zu ihm, im September 1988 kam der gemeinsame Sohn Sélim zur Welt, am 28. Juli 1989 heirateten die beiden.
Rolle bei den Taten
In den folgenden Jahren fungierte sie als Lockvogel: Sie sprach mögliche Opfer an, gab vor, sich verlaufen zu haben oder Hilfe zu benötigen, und überredete sie, in ihr Fahrzeug zu steigen, während er selbst in der Nähe wartete. Sie setzte Opfer mit dem Wirkstoff Rohypnol außer Gefecht und half anschließend, Leichen zu verstecken oder zu vergraben. Bei der ersten bestätigten Tat, der Tötung der 17-jährigen Isabelle Laville im Dezember 1987 in Auxerre, ging ihre Beteiligung über bloße Beihilfe hinaus: Vor Gericht wurde sie später nicht nur der Komplizenschaft, sondern der Mittäterschaft für schuldig befunden.
Geständnis
Nach seiner Festnahme im Juni 2003 dauerte es noch ein Jahr, bis sie sich im Juni 2004 von sich aus an die Polizei wandte. Nach rund 120 Verhören brach sie zusammen und offenbarte den Ermittlern das Ausmaß der gemeinsamen Taten seit 1987, darunter mehrere Fälle, die bis dahin nicht einmal als Verbrechen erkannt worden waren. Ihr Geständnis gilt bis heute als entscheidend für die Aufklärung des Falls, ihr Verteidiger betonte später, ohne ihre Aussagen wäre in keinem der drei späteren Verfahren überhaupt Anklage möglich gewesen.
Prozesse und Verurteilungen
Der erste Prozess fand von März bis Mai 2008 in Charleville-Mézières statt. Am 28. Mai 2008 wurde sie wegen Komplizenschaft in sechs Morden sowie Mittäterschaft in einem siebten zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßung von 28 Jahren verurteilt, als erste Frau in Frankreich überhaupt mit einer derart langen Sicherheitsauflage. In einem zweiten Prozess im November 2018 wurde sie für ihre Beteiligung am Mord an Farida Hammiche zu einer weiteren lebenslangen Haftstrafe mit 20 zusätzlichen Jahren verurteilt. Ein dritter Prozess ab November 2023 vor dem Schwurgericht der Hauts-de-Seine in Nanterre befasste sich mit drei weiteren Morden, an der 18-jährigen Marie-Angèle Domèce, der 20-jährigen britischen Sprachassistentin Joanna Parrish und der neunjährigen Estelle Mouzin, deren Leiche bis heute nicht gefunden wurde. Am 19. Dezember 2023 wurde sie erneut zu lebenslanger Haft verurteilt, diesmal mit 20 Jahren Sicherheitsauflage. Auf Anraten ihres Verteidigers verzichtete sie auf Berufung, um den Angehörigen der Opfer einen weiteren Prozess zu ersparen. Frühestens 2035, im Alter von 87 Jahren, könnte sie eine Entlassung beantragen.
Der Fall Lydie Logé
Auch nach dem dritten Prozess blieb sie Gegenstand laufender Ermittlungen. Seit Dezember 2020 wird ihr zusätzlich eine Beteiligung am Verschwinden der 20-jährigen Lydie Logé zur Last gelegt, die im Dezember 1993 im Département Orne spurlos verschwand. Im Januar 2025 gestand sie, Zeugin eines versuchten Vergewaltigungs- und Tötungsdelikts an ihr gewesen zu sein, und wurde im Rahmen der Ermittlungen mehrfach zur Tatortbegehung in die Region gebracht, zuletzt bei einer Tatrekonstruktion im Februar 2026. Eine Anklageerhebung oder ein Prozesstermin standen bis zuletzt noch aus, sodass dieser Fall bislang nicht in ihrer offiziellen Opferzahl mitgezählt ist.
Nachwirkungen
Michel Fourniret starb bereits am 10. Mai 2021 in Haft, sie selbst sitzt weiterhin ein und dürfte nach aktuellem Stand mindestens bis 2035 in Haft bleiben. Mehr zu den gemeinsamen Taten und zur Festnahme des Paares im Profil von Michel Fourniret.