Mohammed Merah
- Aktive Jahre
- 2012
- Modus Operandi
- Erschießen
Mohammed Merah, geboren am 10. Oktober 1988 in Toulouse, erschoss im März 2012 innerhalb weniger Tage drei französische Soldaten in Toulouse und Montauban sowie einen Rabbiner und drei Kinder an einer jüdischen Schule in Toulouse. Nach einer 30-stündigen Belagerung seiner Wohnung wurde er am 22. März 2012 von einem Scharfschützen der Polizei erschossen.
Werdegang
Er wuchs als Sohn algerischer Einwanderer in Toulouse auf und war der Polizei bereits vor den Anschlägen wegen kleinerer Eigentumsdelikte bekannt. Nach Angaben des damaligen Innenministers Claude Guéant radikalisierte er sich in einer salafistischen Gruppe in Toulouse mit rund einem Dutzend Mitgliedern ohne festen Namen. Berichten zufolge reiste er 2010 und 2011 nach Afghanistan und Pakistan, wo er zeitweise festgehalten wurde. Eine italienische Zeitung berichtete später, französische Geheimdienste hätten diese Reisen als V-Mann-Einsatz ermöglicht, was der damalige Geheimdienstchef Bernard Squarcini zurückwies.
Die Anschläge
11. März 2012, Toulouse: Der Täter erschoss den 30-jährigen Fallschirmjäger Imad Ibn-Ziaten mit einem Kopfschuss, als dieser in Zivilkleidung sein Motorrad verkaufen wollte.
15. März 2012, Montauban: Vor einem Einkaufszentrum, vermutlich an einem Geldautomaten, erschoss er die beiden Luftlandepioniere Abel Chennouf (24) und Mohamed Legouad (23) und verletzte einen weiteren Soldaten aus Guadeloupe schwer, der seither vom Hals abwärts gelähmt ist.
19. März 2012, Toulouse: An der jüdischen Schule Ozar Hatorah erschoss er den Rabbiner Jonathan Sandler (30) und dessen beide kleinen Kinder sowie die achtjährige Miriam Monsonego, die Tochter des Schulleiters. Ein 17-jähriger Schüler wurde schwer verletzt.
Bei den Taten fuhr der Täter auf einem schwarzen Motorroller und trug einen Helm mit abgedunkeltem Visier, als Waffen setzte er unter anderem eine Pistole vom Kaliber .45 und eine 9-mm-Waffe ein. Er filmte einige der Anschläge mit einer am Körper befestigten Kamera.
Belagerung und Tod
Nach dem Anschlag auf die Schule identifizierte der französische Inlandsgeheimdienst DCRI Mohammed Merah als Tatverdächtigen. In der Nacht zum 21. März 2012 umstellte die Polizei seine Wohnung im Toulouser Stadtteil Côte Pavée. Während der rund 30-stündigen Belagerung bezeichnete er sich als Mudschahid und Mitglied von al-Qaida und nannte als Motive das französische Verbot der Vollverschleierung, den Militäreinsatz in Afghanistan und die Lage in Palästina. Am 22. März 2012 stürmte die Spezialeinheit RAID die Wohnung, der Täter verletzte dabei drei Polizisten durch Schüsse. Er sprang schließlich aus dem Badezimmerfenster und wurde von einem Scharfschützen erschossen. Die Obduktion ergab mehr als zwanzig Schusswunden, zwei davon tödlich, eine an der linken Schläfe und eine im Bauchbereich.
Eine organisatorische Verbindung zu al-Qaida oder anderen dschihadistischen Gruppen konnte bis heute nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.
Nachwirkungen
Im November 2012 wurden zwei Personen festgenommen, denen Beihilfe zu den Anschlägen vorgeworfen wurde, darunter sein älterer Bruder Abdelkader. Dessen Prozess begann im Oktober 2017, im November desselben Jahres wurde er wegen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung zu 20 Jahren Haft verurteilt, ein Berufungsgericht erhöhte das Urteil im April 2019 auf 30 Jahre.
Latifa Ibn Ziaten, die Mutter des ersten Opfers, gründete nach der Tat eine interreligiöse Friedensbewegung und wurde dafür 2015 von der Chirac-Stiftung ausgezeichnet.