Mohamed Ismail
- Aktive Jahre
- 1960
- Modus Operandi
- Erschießen
Ein Mann betritt am Abend des 1. Januar 1960 eine Kneipe im englischen Sheffield, in der die Gäste zum Jahreswechsel gemeinsam singen. Er singt nicht mit. Stattdessen zieht er einen Revolver und feuert alle sechs Kugeln in die Menge, tötet drei Menschen und verletzt zwei weitere schwer. Was wie ein wahlloser Amoklauf aussieht, hatte für Mohamed Ismail eine klare, verstörende Logik: Er wollte sterben, glaubte aber, sein Glaube verbiete ihm die Selbsttötung, und hoffte, ein britisches Gericht werde ihn stattdessen zum Tode verurteilen.
Werdegang
Mohamed Ismail wurde um 1929 im damaligen britischen Protektorat Britisch-Somaliland geboren und lebte als arbeitsloser Hilfsarbeiter in Sheffield, wo er zum Jahreswechsel 1959/1960 dreißig Jahre alt war. Vor der Tat hatte er gegenüber einer Gruppe von Frauen offen von seinem Todeswunsch gesprochen. Da ihm sein religiöser Glaube die Selbsttötung untersagte, entwickelte er den Plan, andere Menschen zu töten, um von einem britischen Gericht zum Tode verurteilt und auf diesem Umweg getötet zu werden.
Die Tat im East House
Am Abend des 1. Januar 1960 hatte das East House, eine Kneipe an der Spital Hill im Sheffielder Stadtteil Burngreave, wegen des Feiertags eine verlängerte Ausschanklizenz. Gegen 22:45 Uhr saßen die Gäste im Nebenzimmer um ein Klavier und sangen gemeinsam. Er beteiligte sich nicht am Gesang. Stattdessen zog er einen Smith-&-Wesson-Revolver und schoss auf die Umstehenden, bis alle sechs Kammern leer waren. Der 22 Jahre alte Stahlarbeiter Michael McFarlane starb noch am Tatort, wenig später auch George Frederick Morris im Krankenhaus. Der Soldat Thomas Owen erlag ebenfalls seinen Verletzungen. Michaels Bruder Donald McFarlane wurde durch einen Kopfschuss dauerhaft geschädigt, Kenneth Ellis erlitt eine schwere Verletzung, als ihn eine Kugel durch das Handgelenk traf.
Festnahme
Nach der Tat verschanzte er sich in der Herrentoilette des Lokals. Die unbewaffneten Streifenpolizisten Gilbert Robertson und Denis Hastings trafen als Erste ein, nur mit Schlagstock und Handschellen ausgerüstet und ohne Funkgerät. Sie traten die Tür ein und überwältigten ihn, bevor er die letzte verbliebene Kugel abfeuern konnte.
Prozess und Broadmoor
Vor Gericht wegen dreifachen Mordes angeklagt, berichtete ein Gefängnisarzt, er habe angegeben, Stimmen aus elektrischen Leitungen zu hören, und in seiner Zelle Glühbirnen zerschlagen. Die Sheffield Assizes erklärten ihn im Februar 1960 für schuldunfähig und nicht verhandlungsfähig. Statt eines Urteils ordnete das Gericht seine Einweisung in die Hochsicherheitspsychiatrie Broadmoor an.
Nachwirkungen
Nach 22 Monaten wurde er im April 1962 aus Broadmoor entlassen und anschließend nach Somalia abgeschoben. Dort geriet er Presseberichten zufolge erneut mit dem Gesetz in Konflikt, unter anderem wegen einer Schießerei auf einen Richter. In den späten 1960er Jahren tötete er Berichten zufolge in einem somalischen Dorf mehrere Menschen, bevor er selbst erschossen wurde. In Sheffield blieb der Fall lange in Erinnerung: 2023, mehr als sechs Jahrzehnte nach der Tat, erhielten die Polizisten Gilbert Robertson und Denis Hastings posthum Tapferkeitsauszeichnungen der South Yorkshire Police Federation für ihren Einsatz in jener Nacht. Mehr zum Tatabend selbst und seinen Opfern in der Schlagzeile Amoklauf im East House: Drei Tote bei Kneipenschießerei in Sheffield.