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Michele Profeta

genannt „Il Professore"

Blick über die Altstadt von Padua, dem Tatort von Michele Profetas Morden
Ricalvo10, via Wikimedia Commons · CC0 1.0
2
Opfer
„Il Professore"
verstorben
SerienmörderPadua , Italien
Aktive Jahre
2001
Modus Operandi
Erschießen

Zwölf Milliarden Lire oder er würde weiter töten, wahllos und ohne Vorwarnung, so lautete die Drohung, die im Januar 2001 bei der Mailänder Polizei einging. Der Absender nannte keinen Namen, aber er hielt Wort: Binnen zwei Wochen starben zwei Menschen in Padua durch Kopfschüsse, ehe die Ermittler den Erpresser fassten. Wegen seines gepflegten, seriösen Auftretens nannten sie ihn nur „Il Professore”, Michele Profeta.

Werdegang

Michele Profeta wurde am 3. Oktober 1947 in Palermo geboren und zog in den 1990er-Jahren in den Norden Italiens, wo er im Finanz- und Immobiliengeschäft arbeitete, unter anderem als Schuldeneintreiber. Er führte ein doppeltes Leben: In Adria wohnte er offiziell mit seiner Ehefrau Concetta Mordino und zwei gemeinsamen Kindern, während er zugleich in Mestre bei seiner Lebensgefährtin Antonia Gemmati lebte, ohne dass die beiden Frauen voneinander wussten. Spielschulden und wachsende finanzielle Not sollen bei ihm zunehmend größenwahnsinnige Vorstellungen genährt haben.

Die Erpressung und die Morde

Am 10. Januar 2001 schrieb er an die Mailänder Polizeidirektion und forderte 12 Milliarden Lire, andernfalls werde er beliebige Menschen töten. Die Behörden nahmen die Drohung nicht ernst genug oder konnten sie nicht rechtzeitig einordnen. Am 29. Januar 2001 erschoss er den Taxifahrer Pierpaolo Lissandron mit einem Schuss in den Nacken, das Opfer starb rund eine Stunde später im Krankenhaus. Am 10. Februar 2001 tötete er den Immobilienmakler Walter Boscolo mit drei Schüssen in den Kopf. Bei den Ermittlungen fielen unter anderem ein Kartenspiel ohne die vier Könige und ein Normograf auf, ein Schablonenwerkzeug, mit dem er vermutlich seine anonymen Drohbriefe beschriftet hatte, Beobachter zogen später Vergleiche zum bis heute ungefassten Zodiac-Täter aus Kalifornien, dessen kryptische Botschaften er offenbar zum Vorbild nahm.

Festnahme und Prozess

Am 16. Februar 2001 nahm die Polizei ihn in Padua fest. 2002 verurteilte ihn das Schwurgericht (Corte d’Assise) von Padua zu lebenslanger Haft.

Nachwirkungen

Er verbüßte seine Strafe zunächst im Gefängnis von Voghera. Am 16. Juli 2004 starb er im Mailänder Gefängnis San Vittore an einem Herzinfarkt, ausgerechnet während einer Universitätsprüfung in Philosophiegeschichte, die er als Häftling ablegte. Der Fall gilt in der Region Venetien bis heute als einer der aufsehenerregendsten der jüngeren Kriminalgeschichte und wurde 2023 in einem Dokumentarfilm aufgearbeitet.