← Zum Verzeichnis

Michael Iver Peterson

Das Durham County Justice Center in Durham, North Carolina, wo die Prozesse gegen Michael Iver Peterson verhandelt wurden
Alexisrael, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
1
Opfer
frei
TotschlägerDurham , USA
Aktive Jahre
2001
Modus Operandi
Stumpfe Gewalt

Michael Iver Peterson wurde am 23. Oktober 1943 geboren. Der amerikanische Schriftsteller wurde 2003 wegen Mordes an seiner zweiten Frau Kathleen verurteilt, die am 9. Dezember 2001 tot am Fuß einer Treppe in ihrem Haus in Durham, North Carolina, gefunden wurde. Der Fall wurde international bekannt, weil sich im Prozess herausstellte, dass eine enge Freundin der Familie 1985 in Deutschland auf beinahe identische Weise gestorben war.

Werdegang

Vor seiner Schriftstellerkarriere diente Michael Peterson bei den US-Marines und war im Vietnamkrieg im Einsatz. Später arbeitete er als Journalist und Kolumnist und schrieb mehrere Romane, darunter den Bestseller „A Time of War”. In den 1980er Jahren lebte er mit seiner ersten Frau Patricia in der Nähe der Rhein-Main Air Base bei Frankfurt am Main, wo er als Militärangehöriger stationiert war. Dort freundete sich das Paar mit der Lehrerin Elizabeth Ratliff und deren Familie an. In dieser Zeit unterrichtete Ratliff an einer Schule für Kinder von US-Militärangehörigen auf dem Stützpunkt.

Nach dem Tod der Freundin nahm Michael Peterson deren beide Töchter als Vormund auf und zog mit der gesamten Familie in die USA zurück, wo er sich in Durham, North Carolina, niederließ. Dort kandidierte er 1999 erfolglos für das Amt des Bürgermeisters. Mit seiner zweiten Frau Kathleen, einer Führungskraft bei einem Telekommunikationsunternehmen, lebte er zuletzt in einem großen Anwesen in der Cedar Street.

Der Tod von Elizabeth Ratliff

Am 25. November 1985 wurde die 43-jährige Elizabeth Ratliff tot am Fuß der Treppe ihres Hauses gefunden. Die Nacht zuvor hatten sie und Michael Peterson noch gemeinsam zu Abend gegessen, er soll einer der letzten Menschen gewesen sein, die sie lebend sahen. Sowohl die deutsche Polizei als auch die US-Militärpolizei ermittelten damals, eine Autopsie kam zu dem Schluss, die Frau sei an einer inneren Hirnblutung infolge einer Blutgerinnungsstörung gestorben. Der Fall galt jahrelang als abgeschlossen.

Der Tod von Kathleen Peterson

Sechzehn Jahre später, am 9. Dezember 2001, fand Michael Peterson seine Frau Kathleen tot am unteren Ende der Treppe des gemeinsamen Hauses. Er gab an, sie habe zu viel getrunken und sei die Stufen hinabgestürzt. Die Ermittler fanden jedoch massive Kopfverletzungen, die für einen bloßen Sturz kaum erklärbar erschienen, und ermittelten wegen Mordes.

Ermittlung und Prozess

Wegen der Ähnlichkeit beider Todesfälle, in beiden Fällen eine Frau am Fuß einer Treppe im selben Haushalt, ordnete das Gericht in Durham 2003 die Exhumierung von Elizabeth Ratliffs Leichnam an. Eine zweite Autopsie durch die nordamerikanische Gerichtsmedizin kam zu einem völlig anderen Ergebnis als 1985: Die Verletzungen seien mit einem Sturz nicht vereinbar, sondern das Resultat mehrfacher stumpfer Gewalteinwirkung, also ein Tötungsdelikt. Die Staatsanwaltschaft erhob dennoch keine eigene Anklage wegen dieses Falls, führte ihn im Prozess aber als Indiz dafür an, dass der Angeklagte bereits wisse, wie sich ein tödlicher Treppensturz vortäuschen lasse.

Der eigentliche Prozess wegen des Todes von Kathleen Peterson dauerte rund drei Monate. Die Verteidigung brachte unter anderem die sogenannte „Eulen-Theorie” ins Spiel, wonach ein Uhu-Angriff die Kopfverletzungen verursacht haben könnte, was Ermittler jedoch für unplausibel hielten. 2003 wurde Michael Peterson des Mordes ersten Grades schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft ohne Bewährung verurteilt.

2011 erhielt er nach acht Jahren Haft ein neues Verfahren, nachdem ein Richter befand, ein zentraler Gutachter der Anklage habe im ersten Prozess irreführend ausgesagt. Bis zum neuen Prozess kam er gegen Kaution frei und stand unter Hausarrest. Am 24. Februar 2017 erklärte er sich in einem sogenannten Alford-Plädoyer bereit, sich für schuldig im Sinne von Totschlag zu bekennen, ohne die eigene Schuld formell einzugestehen. Da er zu diesem Zeitpunkt bereits länger inhaftiert gewesen war, als das neue Strafmaß vorsah, kam er ohne weitere Haftzeit frei.

Nachwirkungen

Der Fall wurde durch die mehrteilige Dokumentation „The Staircase” einem weltweiten Publikum bekannt und später auch als fiktionalisierte Serie verfilmt. Michael Peterson veröffentlichte danach zwei eigene Bücher über den Fall aus seiner Sicht und lebt heute nach eigenen Angaben zurückgezogen in einer ebenerdigen Wohnung in Durham, ohne eigene Treppe. Er beteuert bis heute seine Unschuld am Tod seiner Frau.

Mehr zum Fall

Werbung · Affiliate-Links