Mécislas Charrier
- Aktive Jahre
- 1921
- Modus Operandi
- EinbruchErschießenKomplizen
Mécislas Charrier wurde am 2. Mai 1895 als unehelicher Sohn der Studentin Berthe Charrier und des anarchistischen Schriftstellers Mécislas Golberg geboren, der ihn nicht anerkannte. Als individualistischer Anarchist beteiligte er sich 1921 an einem bewaffneten Überfall auf den Schnellzug Paris–Marseille, bei dem ein junger Fahrgast starb. Dafür wurde er 1922 in Paris guillotiniert.
Werdegang
Von seinem Vater nie anerkannt, wuchs er bei seiner Mutter auf, die ihn bis zu seinem fünften Lebensjahr allein aufzog. In seiner Jugend geriet er wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt und saß mehrfach in Haft, unter anderem im Gefängnis von Grenoble. Dort lernte er die beiden Männer kennen, mit denen er später den Zugüberfall plante. Politisch verstand er sich als individualistischer Anarchist, für den Diebstahl und Gewalt gegen den bürgerlichen Staat als legitime Mittel galten.
Die Tat
Am 25. Juli 1921 versuchten er und seine beiden Komplizen, Fahrgäste der ersten Klasse im Schnellzug von Paris nach Marseille auszurauben. Der 24-jährige Polytechnique-Student Max Carabelli aus Fozzano auf Korsika leistete Widerstand und wurde dabei tödlich verwundet. Mécislas Charrier selbst trug bei dem Überfall eine Waffe, feuerte den tödlichen Schuss nach übereinstimmenden Quellen aber nicht selbst ab.
Ermittlung und Prozess
Fünf Tage nach der Tat wurde er unter dem falschen Namen Dujardin in einem Pariser Hotel verhaftet, wo die Polizei Bargeld und den Tatplan für den Überfall fand. Seine beiden Komplizen wurden am selben Tag bei ihrer Festnahme von der Polizei erschossen, nachdem sie zuvor einen Polizeikommissar getötet hatten. Er gestand seinen Anteil an der Tat und nannte die Namen seiner Komplizen. Vor den Assisen der Seine nutzte er den Prozess im April 1922, um öffentlich seine anarchistischen Überzeugungen zu verteidigen und das Gericht herauszufordern. Trotz seiner Rolle als Späher, der selbst nicht geschossen hatte, wurde er zum Tode verurteilt.
Hinrichtung
Mécislas Charrier wurde am 3. August 1922 im Hof des Pariser Gefängnisses La Santé guillotiniert. Auf dem Weg zur Guillotine sang er revolutionäre Lieder, darunter die Internationale und die Carmagnole. Er gilt als der letzte in Frankreich hingerichtete Anarchist.
Nachwirkungen
Der Fall Mécislas Charrier wurde in anarchistischen Kreisen Frankreichs lange als Beispiel für die Härte der Justiz gegenüber politisch motivierten Straftätern diskutiert, auch weil er selbst nicht der Todesschütze gewesen war, sondern als Komplize für die Tat eines anderen mit dem Leben bezahlte.