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Maurizio Minghella

genannt „Der Würger von Val Polcevera"

Der Genueser Stadtteil San Quirico im Valpolcevera-Tal, wo Maurizio Minghella 1978 seine ersten Morde beging
Bbruno, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
8
Opfer
„Der Würger von Val Polcevera"
inhaftiert
SerienmörderGenua , Italien
Aktive Jahre
1978–2001

1981 wurde er wegen vier Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Über ein Jahrzehnt später durfte er tagsüber das Gefängnis verlassen, um als Schreiner in einem sozialen Wiedereingliederungsprojekt zu arbeiten, und kehrte abends in seine Zelle zurück. Maurizio Minghella nutzte die Halbfreiheit für weitere Gewalttaten. Acht Morde in Genua und im Raum Turin sind inzwischen durch rechtskräftige Urteile bestätigt, weitere Tötungen wurden ihm nur zugeschrieben.

Werdegang

Maurizio wurde am 16. Juli 1958 in Genua geboren. Eine Sauerstoffunterversorgung bei der Geburt hinterließ eine leichte geistige Behinderung, seine Kindheit war zudem von einem gewalttätigen Stiefvater geprägt. Mit zwölf Jahren besuchte er noch immer die erste Klasse und verließ die Schule bald darauf ganz, ohne die zweite Klasse erreicht zu haben.

Die erste Mordserie: Genua 1978

Im Alter von 20 Jahren geriet er wegen fünf Tötungen im Genueser Valpolcevera-Tal unter Verdacht. Das Urteil erfasste jedoch vier Morde: die 20-jährige Anna Pagano im April, die erst 14-jährige Maria Catena Alba im Juli, die 21-jährige Maria Strambelli im August und die 19-jährige Wanda Scerra im November. Giuseppina Jerardis Tod gehörte nicht zu den vier Schuldsprüchen. Die zeitgenössische Prozessberichterstattung von l’Unità dokumentiert die Verurteilung vom 2. April 1981 zu lebenslanger Haft, die er zunächst im Gefängnis von Porto Azzurro verbüßte.

Freigang und die zweite Mordserie: Turin 1996 bis 2001

1995 erhielt er wegen guter Führung Halbfreiheit (semilibertà) und wurde ins Gefängnis Le Vallette in Turin verlegt. Tagsüber arbeitete er als Schreiner für eine Kooperative, die mit der von Don Luigi Ciotti gegründeten Gruppo Abele verbunden war, abends kehrte er zurück in seine Zelle. In dieser Zeit begann er eine Beziehung mit einer Frau, mit der er auch einen Sohn hatte. Zwischen 1997 und Februar 2001 wurden ihm in und um Turin weitere Morde zugeschrieben. Rechtskräftig verurteilt wurde er für die Tötungen von Fatima H’Didou, Floreta Islami, Cosima Guido und Florentina Motoc. Die übrigen Namen der größeren Verdachtsserie dürfen damit nicht als bestätigte Opfer gezählt werden.

Festnahme und Prozess

Ermittler kamen ihm 2001 über eine Reihe von Indizien auf die Spur, unter anderem sichergestellte Mobiltelefone von Opfern in seiner Wohnung. Nach seiner Festnahme im März 2001 unternahm er noch zwei Fluchtversuche, 2001 in Turin und 2003 im piemontesischen Biella. Die Gerichte verurteilten ihn für den Mord an Florentina Motoc zu einer weiteren lebenslangen Haftstrafe, für die Morde an Cosima Guido und Fatima H’Didou zu langjährigen Freiheitsstrafen. Eine spätere DNA-Auswertung führte außerdem zur rechtskräftigen Verurteilung für den Mord an Floreta Islami, wie die italienische RAI dokumentiert.

Nachwirkungen

Maurizio Minghella sitzt seither unter der verschärften Haftbedingung des Artikels 41-bis, die Kontakte zur Außenwelt stark einschränkt, zuletzt im Gefängnis von Pavia. Der Fall gilt in Italien als eines der eindringlichsten Beispiele dafür, wie ein Resozialisierungsprogramm einem bereits verurteilten Mehrfachmörder über Jahre hinweg unbemerkt weiteres Töten ermöglichte.