Mathias Kneißl
- Aktive Jahre
- 1893–1900
- Modus Operandi
- Erschießen
Mathias Kneißl wurde am 4. August 1875 in Unterweikertshofen bei Dachau geboren und am 21. Februar 1902 in Augsburg hingerichtet. Als bayerischer Wilderer und Räuber erschoss er 1900 auf der Flucht zwei Polizisten, wurde nach seiner Festnahme zum Tode verurteilt und gilt bis heute als bayerischer Volksheld.
Werdegang
Er wuchs als ältestes von sechs Kindern eines armen Gastwirts auf, dessen Familie 1886 eine abgelegene Mühle in Sulzemoos erwarb. Schon als Kind wilderte er gemeinsam mit seinen Brüdern in den umliegenden Wäldern. 1891 wurde er im Alter von 16 Jahren erstmals wegen des Verdachts auf Viehraub verhaftet. 1892 nahm die Polizei seinen Vater wegen der Plünderung eines Opferstocks am Herrgottsruh-Schrein fest, dieser starb noch in der Haft. Auch seine Mutter wurde verhaftet, während er und sein Bruder Alois die Schule schwänzten, um weiter zu wildern.
Erste Schießerei und Haft
Am 2. November 1893 kam es an der elterlichen Mühle zu einer Schießerei mit den Polizisten Balthasar Gösswein und Georg Förtsch, die beide schwer verletzt wurden, aber überlebten. Ein Gericht verurteilte ihn zu sechs Jahren Haft, seinen Bruder Alois zu fünfzehn Jahren. Im Februar 1899 kam er nach knapp sechs Jahren frei und arbeitete zunächst als Zimmermann in Nußdorf am Inn, verlor die Stelle jedoch bald wieder und geriet in Arbeitslosigkeit.
Die tödliche Konfrontation und Festnahme
Zwischen 1899 und 1900 beging er mehrere bewaffnete Überfälle. Am 30. November 1900 kam es bei Irchenbrunn nahe Altomünster zu einer Schießerei, bei der er zwei Polizisten tödlich verletzte. Erst im März 1901 gelang es rund 60 Polizisten, ihn in Egenhofen zu stellen und festzunehmen, er selbst erlitt dabei eine schwere Bauchschussverletzung.
Prozess und Hinrichtung
Vom 14. bis 19. November 1901 stand er in Augsburg wegen zweifachen Mordes, versuchten Mordes, bewaffneten Raubes und Erpressung vor Gericht. Das Gericht verurteilte ihn zum Tode sowie zu weiteren 15 Jahren Haft für die übrigen Taten. Am 21. Februar 1902 wurde er in Augsburg mit der Guillotine hingerichtet.
Nachwirkungen
Schon zu Lebzeiten wurde er zu einer legendären Figur, die arme bayerische Landbevölkerung sah in ihm einen Rebellen gegen Obrigkeit und Behörden. Sein Leben wurde seither in drei deutschen Filmen (1971, 1980 und 2008, letzterer mit rund 230.000 Kinobesuchern) sowie in Liedern von Georg Ringsgwandl und der Band Schandmaul verarbeitet. Als Räuber Kneißl gehört er bis heute zu den bekanntesten Gestalten der bayerischen Kriminalgeschichte.