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Marybeth Tinning

Der GE-Hauptsitz in Schenectady, New York, der Stadt, in der die Kinder starben
Matt H. Wade, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
3
Opfer
frei
SerienmörderSchenectady , USA
Aktive Jahre
1973–1985
Modus Operandi
Erwürgen

Marybeth Roe Tinning wurde am 11. September 1942 in Duanesburg, New York, geboren. Zwischen 1972 und 1985 starben neun ihrer Kinder im Säuglings- oder Kleinkindalter in Schenectady, New York, wofür sie später drei Tötungen gestand, verurteilt wurde sie jedoch nur wegen des Todes ihrer letzten Tochter.

Werdegang

Sie arbeitete unter anderem als Pflegehelferin am Ellis Hospital in Schenectady. 1965 heiratete sie Joseph Tinning, mit dem sie insgesamt acht leibliche und ein adoptiertes Kind hatte. 1974 vergiftete sie ihn nach eigenem späteren Eingeständnis mit Beruhigungsmitteln, er erstattete jedoch keine Anzeige.

Die toten Kinder

Zwischen 1972 und 1985 starben nacheinander:

  1. Jennifer, geboren Dezember 1971, gestorben Januar 1972 (Hirnhautentzündung, bereits im Säuglingsalter)
  2. Joseph junior, geboren Januar 1970, gestorben Januar 1972 (Herzstillstand)
  3. Barbara, geboren Mai 1967, gestorben März 1972 (Reye-Syndrom)
  4. Timothy, geboren November 1973, gestorben Dezember 1973 (zunächst als plötzlicher Kindstod eingestuft)
  5. Nathan, geboren März 1975, gestorben im Herbst 1975 (ungeklärt)
  6. Mary Frances, geboren Oktober 1978, gestorben Februar 1979 (Hirnschaden)
  7. Jonathan, geboren Herbst 1979, gestorben März 1980 (ungeklärt)
  8. Michael, adoptiert im August 1978, gestorben März 1981 (Kopfverletzung)
  9. Tami Lynne, geboren August 1985, gestorben 20. Dezember 1985 (Ersticken)

Über Jahre hinweg wurden die Todesfälle unabhängig voneinander als genetisch bedingt, als plötzlicher Kindstod oder als ungeklärt eingestuft. Erst der Tod des adoptierten Sohnes Michael, der biologisch nicht mit den vorherigen Fällen verwandt war, widerlegte die Annahme einer erblichen Erkrankung.

Verdacht und Geständnis

Nach dem Tod von Tami Lynne wurden Jugendamt und Polizei erstmals aktiv. Der Gerichtsmediziner Michael Baden stellte fest, dass das Kind erstickt worden war. In der Vernehmung unterschrieb sie am 4. Februar 1986 ein Geständnis, in dem sie zugab, Tami Lynne, Timothy und Nathan getötet zu haben, die übrigen Todesfälle bestritt sie. Später erklärte sie, unter Druck gestanden zu haben.

Prozess

Der Prozess begann am 22. Juni 1987. Die Geschworenen berieten 23 Stunden über drei Tage, bevor sie sie am 17. Juli 1987 nicht wegen vorsätzlichen Mordes, sondern wegen Totschlags aus rücksichtsloser Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben schuldig sprachen. Das Gericht verurteilte sie zu 20 Jahren bis lebenslanger Haft, ein Berufungsantrag scheiterte 1988.

Entlassung

Sieben Bewährungsanträge zwischen 2007 und 2017 wurden jeweils wegen mangelnder Reue abgelehnt. Erst beim achten Antrag im Juli 2018 wurde sie im Alter von 76 Jahren nach 31 Haftjahren auf Bewährung entlassen und steht seither unter lebenslanger Aufsicht mit verpflichtender Gewaltschutzberatung.

Nachwirkungen

Der Fall gilt als eines der bekanntesten amerikanischen Beispiele für das Münchhausen-Stellvertretersyndrom und veränderte die medizinische Praxis im Umgang mit ungeklärten Säuglingstodesfällen innerhalb derselben Familie nachhaltig.