Martin Peyerl
- Aktive Jahre
- 1999
- Modus Operandi
- Erschießen
Martin Peyerl wurde 1983 geboren und starb am 1. November 1999 in Bad Reichenhall. Am Vormittag dieses Feiertags eröffnete er als 16-Jähriger von den Fenstern der elterlichen Wohnung aus das Feuer auf Passanten und Nachbarn, einer der ersten dokumentierten Amokläufe in Deutschland, bei denen ein minderjähriger Täter aus dem eigenen Elternhaus heraus schoss.
Werdegang
Er absolvierte zur Tatzeit eine Lehre als Schlosser und galt als unauffälliger, zurückgezogener Jugendlicher ohne Freundeskreis, der nach Angaben von Mitschülern häufig gehänselt wurde. In seinem Zimmer fanden Ermittler später unter anderem ein Hakenkreuz an der Wand, Wehrmachtsdevotionalien und Tonträger mit gewaltverherrlichender Musik.
Die Tat
Seine Eltern besuchten am Vormittag des 1. November 1999 das Grab der Großmutter im benachbarten Piding, er blieb allein zu Hause zurück. Gegen Mittag kam seine 18 Jahre alte Schwester von ihrer Arbeit in einem nahen Krankenhaus nach Hause, er erschoss sie mit mehreren Schüssen. Anschließend schoss er mit einem halbautomatischen Gewehr aus zwei Fenstern der Wohnung auf Menschen auf der Straße.
Unter den Opfern waren ein 59 Jahre alter Passant sowie ein Nachbarehepaar im Alter von 59 und 60 Jahren, das von insgesamt zehn Schüssen getroffen wurde. Ein weiteres Opfer, ein Patient in einem nahegelegenen Krankenhaus, wurde mit einer zweiten Waffe erschossen und erlag am folgenden Tag seinen Verletzungen. Mehrere weitere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt, darunter der Schauspieler Günter Lamprecht und seine Begleiterin, die zufällig am Tatort vorbeikamen.
Ende und Nachwirkungen
Als die Polizei das Haus schließlich stürmte, fand sie ihn tot in der Badewanne auf, er hatte sich mit einer Schrotflinte selbst getötet. Ein konkretes, zweifelsfrei belegtes Motiv für die Tat konnte trotz umfangreicher Ermittlungen nie festgestellt werden, weder Mobbing noch die gefundenen rechtsextremen Bezüge ließen sich als alleinige Erklärung erhärten. Der Amoklauf löste eine öffentliche Debatte über den Zugang Minderjähriger zu Waffen aus den Sammlungen ihrer Eltern aus, blieb im bundesweiten Bewusstsein aber deutlich schwächer verankert als spätere Fälle wie der Amoklauf von Erfurt 2002 oder der Amoklauf von Winnenden 2009. Zum Tathergang siehe auch die Schlagzeile Amoklauf von Bad Reichenhall: Vier Tote nach Schüssen aus dem Elternhaus.