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Martin Lečian

genannt „Schrecken Mährens"

Historisches Fahndungsfoto von Martin Lečian aus den 1920er Jahren
Unbekannter Fotograf, vor 1927, via Wikimedia Commons · Public Domain
4
Opfer
„Schrecken Mährens"
hingerichtet
SerienmörderUherský Ostroh , Tschechien
Aktive Jahre
1927

Martin Lečian wartete bereits auf eine mögliche Begnadigung, als er aus seiner Zelle ausbrach und den Gefängniswärter Ferenc Kiss tötete. Wenige Tage später wurde er gehängt. Das Stadtarchiv Olomouc belegt den Prozess, den Fluchtversuch und vier getötete Polizisten beziehungsweise Wächter im Jahr 1927.

Werdegang

Er wurde am 31. Oktober 1900 in Uherský Ostroh geboren, damals noch Teil Österreich-Ungarns, das Gebiet gehört heute zu Tschechien. Sein Vater war spielsüchtig und Alkoholiker, seine Mutter litt unter psychischen Problemen und starb früh, sodass er einen Großteil seiner Kindheit und Jugend in einer Besserungsanstalt verbrachte. Nach seiner Entlassung wurde er zweimal wegen Diebstahls verurteilt und desertierte während seines Militärdienstes fünfmal, obwohl er sich 1922 freiwillig gemeldet hatte. Er spezialisierte sich in der Folge auf Einbrüche und das Knacken von Tresoren, gemeinsam mit seiner Geliebten und Komplizin Marie Křenovská, mit der er in kurzer Zeit mehrere Geschäfte und Kassen in Mähren ausraubte.

Die Taten

Im Dezember 1926 floh er aus einem Krankenhaus in Olomouc, in das er nach einer Verletzung eingeliefert worden war. Aus der Flucht heraus eskalierten seine Taten zu tödlicher Gewalt. Am 19. Januar 1927 erschoss er den Polizisten Rudolf Hanák bei Slavkov u Brna, der ihn bei einem Einbruch überrascht hatte. Im Februar tötete er einen Wächter namens František Marčík in Jihlava, am 8. März erschoss er den Gendarmen Antonín Stuchlý in Veselí nad Moravou, der kurz zuvor geheiratet hatte und dessen erstes Kind erwartete. Gerade diese Tat wandelte die öffentliche Stimmung: Bis dahin war er in Boulevardzeitungen als eine Art tschechischer Robin Hood gefeiert worden, der angeblich nur Wohlhabende bestahl, es wurden sogar Gassenhauer über seine spektakulären Fluchten aus Schusswechseln und von fahrenden Zügen komponiert.

Festnahme, Prozess und Flucht aus der Haft

Nach einer monatelangen, groß angelegten Fahndung wurde er am 23. April 1927 in Nový Bohumín festgenommen. Nach viermonatiger Untersuchung verurteilte ihn ein Gericht nach einem sechstägigen Prozess am 3. September 1927 zum Tode durch Erhängen. Am 25. September, kurz vor der geplanten Hinrichtung, unternahm er einen Fluchtversuch aus der Haft und tötete dabei den Gefängniswärter Ferenc Kisse. Präsident Tomáš Garrigue Masaryk, ein erklärter Gegner der Todesstrafe, hatte zuvor über eine mögliche Begnadigung nachgedacht, diese Chance verspielte er durch die erneute Tötung endgültig.

Hinrichtung

Am 6. Oktober 1927 wurde Martin Lečian im Hof des Militärgefängnisses in Olomouc gehängt. Es war die letzte Hinrichtung, die der Scharfrichter Leopold Wohlschläger vor seiner Pensionierung vollzog.

Nachwirkungen

Der Fall blieb in der tschechischen Kriminalgeschichte als Beispiel dafür in Erinnerung, wie sehr die Boulevardpresse einen mehrfachen Mörder zeitweise romantisierte, bevor die Tötung eines frisch verheirateten Familienvaters die öffentliche Wahrnehmung kippen ließ. In den 1930er Jahren inspirierte sein Ruf mehrere Nachahmer, darunter František Ondrášek und Jozef Prekop, denen es jedoch nicht gelang, ein vergleichbares Ausmaß an Taten oder Bekanntheit zu erreichen.