Martin Dumollard
- Aktive Jahre
- 1855–1861
Martin Dumollard, 1810 in Tramoyes geboren, lockte zusammen mit seiner Frau Marianne zwischen 1855 und 1861 in der Umgebung von Lyon junge Frauen aus dem Dienstmädchenmilieu mit vermeintlichen Stellenangeboten in abgelegene Wälder, wo er sie überfiel, um ihre Kleidung und Habseligkeiten zu rauben. Mehrere der Frauen wurden dabei getötet. Am 8. März 1862 wurde er dafür in Montluel öffentlich hingerichtet.
Werdegang
Martin wuchs unter ärmlichen Verhältnissen im Gebiet um Montluel im Département Ain auf. Sein Vater soll nach eigenen, im Prozess vorgetragenen Angaben in Österreich hingerichtet worden sein, seine Mutter bestritt den Lebensunterhalt der Familie über Betteln. Später heiratete er Marianne Martinet, mit der er in einer kleinen Hütte nahe Montluel lebte, offiziell von Gelegenheitsarbeiten, tatsächlich zunehmend von den Erträgen seiner Überfälle.
Vorgehen
Das Ehepaar suchte gezielt Jahrmärkte und die „Bureaux de placement” genannten Vermittlungsstellen für Dienstmädchen in Lyon auf, wo Martin jungen, meist mittellosen Frauen eine gut bezahlte Stelle als Hausangestellte auf einem angeblichen Landgut in der Nähe von Montluel anbot. Wer zusagte, wurde von ihm zu Fuß durch abgelegene Waldstücke geführt, dort überfallen und beraubt. Mehrere Frauen konnten fliehen oder wurden misstrauisch und lehnten unterwegs ab, mindestens drei Opfer wurden jedoch erwürgt und ihre Leichen in Wäldern bei Montluel vergraben.
Die Flucht der Marie Pichon und die Festnahme
Am 26. Mai 1861 gelang einer angehenden Dienstmagd namens Marie Pichon die Flucht, nachdem Martin ihr auf einem abgelegenen Hügel eine Schlinge über den Kopf zu werfen versuchte. Sie erreichte blutend und mit zerrissener Kleidung ein Bauernhaus im Dorf Balan und alarmierte die Gendarmerie. Ihre genaue Beschreibung des Täters, insbesondere einer auffälligen Schwellung an dessen Oberlippe, führte die Ermittler zu dem kleinen Weiler Dumollard, wo Martin und seine Frau wenig später festgenommen wurden. Bei der Durchsuchung ihres Hauses fand die Polizei über 1.200 Kleidungsstücke und Wertgegenstände, von denen viele Blutflecken aufwiesen.
Geständnis und Prozess
Zunächst versuchte Martin, die Morde zwei erfundenen Komplizen anzulasten, gestand jedoch nach und nach mehrere Taten, während seine Frau bei der Suche nach den vergrabenen Leichen mitwirkte und Details der Überfälle bestätigte. Vor Gericht in Bourg-en-Bresse wurde ihm im Januar 1862 die Ermordung mehrerer namentlich bekannter und weiterer, nie identifizierter Opfer zur Last gelegt, unter anderem der jungen Frauen Marie Baday und Marie Eulalie Bussod sowie einer nie identifizierten Toten, deren Skelett bei den Ermittlungen im Wald von Montmain ausgegraben wurde.
Hinrichtung
Martin Dumollard wurde am 8. März 1862 in Montluel öffentlich durch die Guillotine hingerichtet. Seine Frau Marianne, die als Mittäterin verurteilt wurde, entging der Todesstrafe und wurde stattdessen zu Zwangsarbeit verurteilt. Ihre eigene Geschichte ist in einem separaten Profil festgehalten: Marianne Dumollard.
Nachwirkungen
Der Fall sorgte im Frankreich des Zweiten Kaiserreichs für erhebliches Aufsehen, nicht zuletzt wegen der ungewöhnlich systematischen Vorgehensweise des Ehepaars und der hohen Zahl an Opfern, die den Überfällen entkommen konnten und als Zeuginnen aussagten. In zeitgenössischen Zeitungsberichten wurde Martin Dumollard mitunter reißerisch als „Wolf von Montluel” oder in blutrünstigen Legenden sogar als Vampir dargestellt, Behauptungen über Kannibalismus oder Blutrituale ließen sich historisch jedoch nicht belegen.