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Mario Stiebitz

Sonnenuntergang am Tollensesee bei Neubrandenburg
Wikimedia Commons / Peabutter · CC0
5
Opfer
verstorben
SerienmörderNeubrandenburg , Deutschland
Aktive Jahre
1983–1984

Zwei Morde schienen im Sommer 1983 aufgeklärt, doch der zu lebenslanger Haft verurteilte Mann war unschuldig. Während er im Gefängnis saß, tötete Mario Stiebitz drei weitere Kinder. Erst ein gescheiterter Angriff im Juli 1984 führte die Ermittler zu dem NVA-Soldaten und deckte das Fehlurteil auf. Nach überwiegenden Angaben wurde er 1961 in Ost-Berlin geboren, einzelne Quellen nennen 1962.

Die Mordserie

Am 16. Juli 1983 erstach Mario Stiebitz einen 22 Jahre alten Mann, der nach einem Gaststättenbesuch auf einer Parkbank in Neubrandenburg eingeschlafen war. Zehn Tage später tötete er einen neunjährigen Jungen in der Nähe des Tollensesees. Die Ermittlungen gerieten früh auf eine falsche Spur. Ein anderer Mann gestand beide Taten in alkoholbedingt unsicherer Erinnerung und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst im August 1984 kam seine Unschuld ans Licht.

In der Zwischenzeit setzte Mario Stiebitz seine Suche nach Opfern fort. Im September 1983 drang er in Strasburg über ein Fenster in ein Wohnhaus ein und griff einen schlafenden Mann an. Der Bewohner wehrte sich, seine Eltern wurden wach und der Angreifer floh. Das am Tatort zurückgelassene Messer führte zunächst nicht zu seiner Identifizierung.

Am 23. September 1983 erstach Mario Stiebitz zwei neun und zehn Jahre alte Brüder beim Pilzesammeln im Briesewald bei Borgsdorf. Eine Regionalrecherche der Märkischen Oderzeitung ordnet die Tat diesem Waldgebiet zu, der genaue Punkt lässt sich heute nicht mehr bestimmen. Am 7. Februar 1984 erwürgte er einen sechsjährigen Jungen in Neubrandenburg. Insgesamt wurden ihm damit fünf vollendete Morde und ein Mordversuch zugeordnet. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen gingen nach einer ARD-Aufarbeitung außerdem Planungen für 20 weitere Morde hervor.

Festnahme und Urteil

Der entscheidende Hinweis entstand nicht aus der bisherigen Mordermittlung. Ein Junge berichtete der Polizei von einem Mann, der ihn fotografiert und bedrängt hatte. Die Beschreibung führte zu Mario Stiebitz. Bei der Durchsuchung fanden Ermittler unter anderem Fotografien, Aufzeichnungen über Kinder und Gegenstände, die zu den bekannten Taten passten. Der Unterfeldwebel gestand schließlich.

Ein DDR-Gericht verurteilte Mario Stiebitz am 19. November 1985 wegen mehrfach vollendeten Mordes, eines versuchten Mordes und mehrfach vorbereiteten Mordes zu lebenslanger Haft. Die Urteilsformel nennt keine Zahl der vorbereiteten Morde. Die 20 Planungen stammen aus der späteren Auswertung seiner Tagebuchaufzeichnungen und sind deshalb nicht mit dem gerichtlich festgestellten Umfang gleichzusetzen. Nach der deutschen Wiedervereinigung überprüfte die Staatsanwaltschaft das DDR-Urteil und sah keinen Grund zur Beanstandung.

Mario Stiebitz verbrachte fast vier Jahrzehnte in Haft. 2024 wurde die Haft wegen einer schweren Erkrankung unterbrochen. Er starb am 7. Dezember 2024 in einer Klinik.

Bedeutung des Falls

Der Fall zeigt zwei Schwächen der damaligen Ermittlungen besonders deutlich. Einerseits saß zeitweise ein Unschuldiger wegen zweier Morde im Gefängnis. Andererseits wurden die Taten des unauffälligen Berufssoldaten erst durch den Hinweis eines bedrängten Kindes miteinander verbunden. DDR-Medien berichteten nur knapp über die Mordserie. Erst nach dem Ende des Staates wurden Akten und Einzelheiten umfassender öffentlich bekannt.

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