Marie-Madeleine de Brinvilliers
- Aktive Jahre
- 1666–1672
- Modus Operandi
- Vergiftung
Marie-Madeleine d’Aubray, bekannt als Marquise de Brinvilliers, vergiftete zwischen 1666 und 1670 ihren Vater und ihre beiden Brüder, um an deren Erbe zu gelangen. Ihr 1676 mit einem öffentlichen Geständnis endender Prozess löste in Paris einen der größten Kriminalskandale des 17. Jahrhunderts aus, die sogenannte Affäre der Gifte, in deren Verlauf mehr als dreißig weitere Personen des Adels und Hofes wegen ähnlicher Vorwürfe hingerichtet wurden.
Werdegang
Sie wurde am 22. Juli 1630 als Tochter des Pariser Magistrats Antoine Dreux d’Aubray geboren und 1651 mit dem Marquis de Brinvilliers verheiratet, dessen Adelstitel sie fortan trug. Über ihren Ehemann lernte sie den Kavallerieoffizier Jean-Baptiste Godin de Sainte-Croix kennen, mit dem sie eine langjährige Affäre begann. Ihr Vater ließ ihren Liebhaber daraufhin 1663 zeitweise in der Bastille inhaftieren, wo dieser laut überlieferten Berichten von einem Mitgefangenen, dem italienischen Giftmischer Exili, das Wissen über schwer nachweisbare Gifte erlernt haben soll.
Die Taten
Aus Rache an ihrem Vater und um frühzeitig an ihr Erbe zu gelangen, soll sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber zunächst in Krankenhäusern der Pariser Armenfürsorge verschiedene Giftmischungen an unwissenden Patienten erprobt haben, bevor sie sie gegen die eigene Familie einsetzte. Im Februar 1666 vergiftete sie ihren Vater Antoine Dreux d’Aubray, 1670 folgten ihre beiden Brüder Antoine und François d’Aubray. Ein Anschlag auf ihren Ehemann scheiterte, weil ihr Liebhaber ihm Berichten zufolge heimlich ein Gegenmittel verabreichte. Die genaue Zahl der Patienten, die sie und ihr Liebhaber zuvor als Testpersonen vergiftet haben sollen, gilt in der historischen Forschung als nicht mehr zweifelsfrei zu klären, zeitgenössische und spätere Quellen sprechen von bis zu fünfzig Toten, belastbare Namen oder Beweise dafür existieren jedoch nicht.
Entdeckung und Flucht
Nachdem ihr Liebhaber 1672 eines natürlichen Todes gestorben war, fanden Ermittler in seinem Nachlass ihre Liebesbriefe sowie einen Schuldschein über 30.000 Livres und mehrere Fläschchen mit kaum nachweisbaren Giften. Sie floh daraufhin außer Landes, zunächst nach England, dann nach Deutschland und schließlich in ein Kloster in Lüttich. Ein als Priester verkleideter Polizeispitzel gewann dort ihr Vertrauen und lieferte sie am 25. März 1676 den französischen Behörden aus. Bei ihrer Verhaftung wurde außerdem ein umfassendes schriftliches Geständnis gefunden.
Prozess und Hinrichtung
Vor Gericht wurde sie der sogenannten Wasserfolter unterzogen und zum Trinken von sechzehn Pints Wasser gezwungen, ehe sie zum Tode verurteilt wurde. Am 17. Juli 1676 wurde sie auf dem Pariser Place de Grève enthauptet, ihr Leichnam anschließend verbrannt und die Asche verstreut.
Die Affäre der Gifte
Ihr Prozess weckte in der Pariser Gesellschaft den Verdacht, dass Giftmord unter Adligen weiter verbreitet sein könnte als bislang angenommen. In den folgenden Jahren leitete König Ludwig XIV. umfangreiche Ermittlungen ein, die als Affäre der Gifte in die Geschichte eingingen und bis 1682 andauerten. Mehr als dreißig Menschen, darunter Mitglieder des Hochadels, wurden in deren Verlauf hingerichtet.