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Marie-Louise Bessarabo

genannt „Héra Mirtel"

Polizeifoto von Marie-Louise Bessarabo nach ihrer Festnahme 1920
Wikimedia Commons (gemeinfrei) · Public Domain (PD-1923)
1
Opfer
„Héra Mirtel"
verstorben
TotschlägerParis , Frankreich
Aktive Jahre
1920
Modus Operandi
Erschießen

Marie-Louise Victorine Bessarabo, besser bekannt unter ihrem Schriftstellerinnen-Pseudonym Héra Mirtel, erschoss am 31. Juli 1920 in Paris ihren zweiten Ehemann, verstaute die Leiche in einem Überseekoffer und schickte ihn per Bahn nach Nancy. Der als Mord im Koffer bekannt gewordene Fall erregte in Frankreich große Aufmerksamkeit, nicht zuletzt weil die Angeklagte als schillernde Salonnière, Schriftstellerin und Frauenrechtlerin bereits vor der Tat eine bekannte Figur des Pariser Kulturlebens war.

Werdegang

Geboren wurde sie am 24. Oktober 1868 in Lyon als Marie-Louise Victorine Grouès. Unter dem Pseudonym Héra Mirtel, auch Juliette de Boulogne, veröffentlichte sie zahlreiche Romane, hielt Vorträge und betrieb in Paris einen literarischen Salon, der freitags zusammenkam. Sie engagierte sich in der französischen Frauenrechtsbewegung, unter anderem in der Groupe français d’Études féministes. 1897 heiratete sie den Kaufmann Pierre Paul Antoine Jacques aus dem Ubaye-Tal, der 1914 durch einen Schuss in die rechte Schläfe starb, offiziell als Suizid gewertet. 1915 ging sie eine zweite Ehe mit dem in Rumänien geborenen Börsenmakler Ishmael Jacob Providence Weissmann ein, der unter dem Namen Georges Bessarabo auftrat und mit mexikanischen Ölgeschäften ein Vermögen gemacht hatte.

Die Tat

Am 31. Juli 1920 erschoss sie ihren Mann in ihrer Wohnung am Square la Bruyère in Paris. Am folgenden Morgen faltete sie gemeinsam mit ihrer Tochter Paule die Leiche zusammen, band die Fußgelenke an den Nacken und verstaute den Körper in einem großen Koffer. Der Koffer wurde vom Gare de l’Est per Bahn nach Nancy verschickt, wo er am 4. August 1920 am dortigen Bahnhof entdeckt wurde. Ein herbeigerufener Gerichtsmediziner identifizierte die Leiche als die des vermissten Georges Bessarabo, dessen Verschwinden zuvor bereits sein Chauffeur der Polizei gemeldet hatte. Als Motiv gilt vor allem Geld: Georges Bessarabo soll erhebliche Summen aus seinen Ölgeschäften zu Hause verwahrt haben.

Ermittlung und Prozess

Die Ermittler richteten während der Untersuchung auch rückblickend ihren Verdacht auf den Tod ihres ersten Mannes, dessen Einschussloch an derselben Stelle der rechten Schläfe auffällig dem des zweiten Opfers ähnelte, ein Mord ließ sich hier jedoch nicht mehr nachweisen, es blieb bei der ursprünglichen Einstufung als Suizid. Im Prozess um den Tod Georges Bessarabos wurde ihre Tochter Paule zunächst der Mittäterschaft verdächtigt, aber freigesprochen, nachdem sie als Kronzeugin gegen ihre Mutter ausgesagt hatte. Erst 1929, acht Jahre später, wurde bekannt, dass ein Teil von Paules Aussagen gelogen war. Am 21. Juni 1922 verurteilte das Gericht Marie-Louise Bessarabo, vertreten durch den bekannten Strafverteidiger Vincent de Moro-Giafferi, zu zwanzig Jahren Zwangsarbeit.

Nachwirkungen

Sie beantragte mehrfach eine Revision ihres Verfahrens, ohne Erfolg. Marie-Louise Bessarabo starb am 21. März 1931 im Gefängnis von Rennes, kurz bevor ihr eine bedingte Entlassung zuerkannt worden wäre. Beigesetzt wurde sie in Saint-Paul-sur-Ubaye in den Alpes-de-Haute-Provence. Als Randnotiz der Familiengeschichte gilt sie heute vor allem als Tante des späteren katholischen Ordensgründers Abbé Pierre.