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Marie Lafarge

Zeitgenössische Illustration von Marie Lafarge aus dem Prozessjahr 1840
Wellcome Collection, via Wikimedia Commons · CC BY 4.0
1
Opfer
verstorben
TotschlägerTulle , Frankreich
Aktive Jahre
1840
Modus Operandi
Vergiftung

Marie-Fortunée Lafarge, geboren am 15. Januar 1816 in Paris als Marie Capelle, vergiftete im Winter 1839/40 ihren Ehemann mit Arsen. Ihr Prozess im September 1840 in Tulle gilt als einer der ersten Kriminalfälle, in denen die noch junge forensische Toxikologie über Schuld oder Unschuld entschied, und machte den Marsh-Test zum Nachweis von Arsen europaweit bekannt.

Werdegang

Als Tochter eines Artillerieoffiziers und, der Familienüberlieferung nach, Enkelin eines unehelichen Sohnes des Herzogs von Orléans aufgewachsen, wurde sie mit 18 Jahren von ihrer Tante adoptiert, der Frau des Generalsekretärs der Bank von Frankreich. Trotz einer privilegierten Erziehung in besten Schulen galt sie in diesen Kreisen als „arme Cousine”, was nach Einschätzung von Zeitgenossen ihren Ehrgeiz und ihre Unzufriedenheit mit den eigenen Lebensumständen zusätzlich schürte.

Die Ehe

Am 10. August 1839 heiratete sie, vermittelt durch einen professionellen Ehemakler, den 28-jährigen Eisenmeister Charles Pouch-Lafarge, Betreiber einer Gießerei. Das ihr versprochene „Schloss” entpuppte sich bei ihrer Ankunft als heruntergekommenes, ehemaliges Kloster, das zudem hoch verschuldet war. Die Enttäuschung über die Ehe und die finanzielle Notlage prägten in der Folge das Verhältnis der beiden.

Die Tat

Im Dezember 1839 und Januar 1840 verabreichte sie ihrem Mann mehrfach Arsen, versteckt unter anderem in einem Weihnachtskuchen, in Eierlikör und in einer Suppe. Eine Hausangestellte, Anna Brun, beobachtete dabei, wie sie ein weißes Pulver in ein Getränk rührte. Zuvor hatte sie sich Arsen offiziell zur Rattenbekämpfung beschafft. Ihr genaues Motiv blieb unklar, neben der zerrütteten Ehe und dem drohenden finanziellen Ruin wurde in der Presse auch über eine mögliche Erpressung durch einen früheren Liebhaber spekuliert. Ihr Mann starb am 3. Januar 1840 an den Folgen der Vergiftung.

Festnahme und Ermittlung

Am 26. Januar 1840 wurde sie festgenommen, nachdem ein Friedensrichter eine Autopsie und eine chemische Analyse der Leiche veranlasst hatte. Im Zuge der intensiven Presseberichterstattung kam zusätzlich ein früherer Diamantendiebstahl zum Vorschein, den sie bei einer Bekannten, der Vicomtesse de Léautaud, begangen hatte, wofür sie separat zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Der Prozess und die Geburt der forensischen Toxikologie

Der eigentliche Mordprozess fand im September 1840 über rund 17 Tage in Tulle statt. Die ersten von lokalen Ärzten durchgeführten Arsentests fielen negativ aus. Erst der eigens hinzugezogene Toxikologe Mathieu Orfila konnte nachweisen, dass die örtlichen Chemiker den erst 1836 von James Marsh entwickelten Arsen-Nachweistest schlicht falsch angewendet hatten. Seine eigenen, öffentlich vorgeführten Tests bestätigten Arsen in einer Menge, die nach seinen Worten ausgereicht hätte, um zehn Menschen zu vergiften. Am 19. September 1840 wurde sie zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt, König Louis-Philippe wandelte die Strafe später in eine Haft ohne Zwangsarbeit um.

Nachwirkungen

Der Fall spaltete Frankreich in „Lafargisten” und „Anti-Lafargisten”: Die Schriftstellerin George Sand kritisierte öffentlich die Verurteilung, andere Intellektuelle wie François-Vincent Raspail forderten ihre Freilassung, spätere Kommentatoren zogen sogar Vergleiche zur Dreyfus-Affäre. Im Juni 1852 wurde sie von Napoleon III. wegen fortgeschrittener Tuberkulose vorzeitig begnadigt und starb bereits fünf Monate später, am 7. November 1852, im südfranzösischen Kurort Ussat. In ihren 1841 verfassten Memoiren hatte sie bis zuletzt ihre Unschuld beteuert. Der Prozess gilt bis heute als einer der Grundsteine der modernen Gerichtsmedizin, gut zwei Jahrhunderte nachdem bereits Catherine Deshayes als Giftmischerin am Hof Ludwigs XIV. für Aufsehen gesorgt hatte, damals allerdings noch ohne jede forensische Handhabe gegen sie.

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