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Marie Becker

Marie Becker im Alter von 26 Jahren, fotografiert 1905
Wikimedia Commons · Public Domain
11
Opfer
verstorben
SerienmörderLüttich , Belgien
Aktive Jahre
1932–1936
Modus Operandi
Vergiftung

Als die Polizei Marie Becker 1936 festnahm, trug sie ein Fläschchen Digitalis bei sich. Zwei Jahre später sprach das Geschworenengericht in Lüttich sie wegen elf Morden und fünf Mordversuchen schuldig. Die historische Aufarbeitung von La Libre Belgique stützt sich auf die eigene Prozessberichterstattung der Zeitung aus dem Jahr 1938. Die Todesstrafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt.

Werdegang

Sie wuchs auf einem Bauernhof auf und arbeitete bereits mit sechzehn Jahren im Textilbetrieb einer Tante. 1905 lernte sie auf der Weltausstellung in Lüttich ihren späteren Ehemann Charles Becker kennen. Gemeinsam eröffneten sie zunächst eine Metzgerei, die scheiterte, später betrieb sie erfolgreich ein Bekleidungsgeschäft, das erst durch die Weltwirtschaftskrise 1929 in die Krise geriet. In den folgenden Jahren gewöhnte sie sich an einen aufwendigen Lebensstil mit Nachtclubbesuchen und jüngeren Liebhabern, für den ihr zunehmend das Geld fehlte.

Taten

Ihr erstes Opfer war im Herbst 1932 ihr eigener Ehemann Charles, dessen Tod zunächst fälschlich einer Krebserkrankung zugeschrieben wurde. Danach vergiftete sie gezielt ältere Frauen aus ihrem Bekanntenkreis, die sie zum Tee einlud und denen sie zuvor größere Geldsummen abgeschwatzt hatte, darunter auch ihren Liebhaber Lambert Beyer. Als Gift verwendete sie Digitalis, einen herzwirksamen Extrakt aus dem Fingerhut, den sie unauffällig in Getränke mischte. Mindestens fünf weitere Vergiftungsversuche blieben erfolglos.

Festnahme und Prozess

1936 geriet sie durch den Hinweis einer Bekannten ins Visier der Polizei. Bei der Durchsuchung ihrer Wohnung fanden die Ermittler 18 leere Digitalis-Fläschchen sowie zahlreiche Gegenstände, die eindeutig ihren Opfern zugeordnet werden konnten. 1938 wurde sie vor einem Geschworenengericht des elffachen Mordes für schuldig befunden und zum Tode verurteilt, das Urteil wurde jedoch später in lebenslange Haft umgewandelt.

Nachwirkungen

Sie starb 1942 im Alter von 62 Jahren in Haft. Der Fall gilt in Belgien bis heute als einer der bekanntesten Giftmordfälle des 20. Jahrhunderts und wird in kriminalpsychologischen Studien häufig als Beispiel für finanziell motivierte Serienmorde im nahen sozialen Umfeld angeführt.