Marianne Bachmeier
- Aktive Jahre
- 1981
- Modus Operandi
- Erschießen
Am 6. März 1981 erschoss Marianne Bachmeier im Landgericht Lübeck den 35-jährigen Klaus Grabowski, der wegen der Ermordung ihrer siebenjährigen Tochter Anna vor Gericht stand. Der Fall löste eine bis heute anhaltende gesellschaftliche Debatte darüber aus, wie weit das Verständnis für elterliche Rache reichen darf, ohne den Rechtsstaat infrage zu stellen.
Werdegang
Bachmeier wurde 1950 in Sarstedt geboren, wohin ihre Eltern nach der Flucht aus Ostpreußen gezogen waren. Bereits mit 16 Jahren wurde sie erstmals Mutter und gab ihre ersten beiden Kinder zur Adoption frei. Ihre 1972 geborene dritte Tochter Anna blieb bei ihr. Bachmeier betrieb in Lübeck die Kneipe „Tipasa” und zog Anna allein groß.
Der Mord an Anna
Am 5. Mai 1980 wurde die siebenjährige Anna von Klaus Grabowski ermordet, einem 35-jährigen Metzger und einschlägig vorbestraften Sexualstraftäter. Er hatte sich 1976 einer Kastration unterzogen, erhielt jedoch zwei Jahre später eine Hormonbehandlung. Er gestand später, Anna erwürgt zu haben, bestritt jedoch eine sexuelle Tat und behauptete stattdessen, das Mädchen habe versucht, ihn zu erpressen.
Die Tat im Gerichtssaal
Am dritten Verhandlungstag gegen Grabowski, dem 6. März 1981, schmuggelte Marianne Bachmeier eine Beretta-Pistole in den Sitzungssaal des Landgerichts Lübeck und schoss ihm achtmal in den Rücken, sechs Schüsse trafen tödlich. Sie leistete bei ihrer Festnahme keinerlei Widerstand.
Prozess
Der Prozess gegen sie begann im November 1982 und dauerte bis März 1983, über 28 Verhandlungstage hinweg. Die zunächst erhobene Mordanklage wurde im Verlauf des Verfahrens fallengelassen. Unter Vorsitz von Richter Peter Bassenge verurteilte das Gericht sie am 2. März 1983 wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes zu sechs Jahren Haft. Sie wurde 1985 vorzeitig entlassen.
Öffentliche Reaktion
Die Tat spaltete die öffentliche Meinung in der Bundesrepublik nachhaltig: Ein Teil der Bevölkerung zeigte offenes Verständnis für ihre Verzweiflungstat, andere verurteilten sie als mit dem Rechtsstaatsprinzip unvereinbar. Marianne Bachmeier verkaufte ihre Lebensgeschichte exklusiv an die Illustrierte „Stern”.
Nachwirkungen
Nach ihrer Entlassung heiratete sie 1985 erneut, zog 1988 nach Lagos in Nigeria, wo ihr Mann an einer deutschen Schule unterrichtete, ließ sich 1990 scheiden und lebte anschließend auf Sizilien. Im Juni 1996 erfuhr sie von ihrer Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung, kehrte nach Deutschland zurück und starb am 17. September 1996 in Lübeck. Sie wurde neben ihrer Tochter Anna auf dem Burgtorfriedhof beigesetzt. Der Fall gilt bis heute als einer der prägendsten deutschen Kriminalfälle zur Frage von Selbstjustiz und staatlichem Gewaltmonopol.