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Maria Velten

genannt „Blaubeer-Mariechen"

Das Rathaus von Kempen am Niederrhein, in dessen Umgebung Maria Velten lebte
O.Falkner, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0
3
Opfer
„Blaubeer-Mariechen"
verstorben
SerienmörderKempen , Deutschland
Aktive Jahre
1976–1982
Modus Operandi
Vergiftung

Eine Schwiegertochter vertraute sich einem Anwalt an und löste damit Ermittlungen aus, die fünf Todesfälle in einer Familie neu erscheinen ließen. Maria Velten gestand, ihren Vater, eine Tante, zwei Ehemänner und einen Lebensgefährten vergiftet zu haben. Das Landgericht Krefeld verurteilte sie 1984 wegen drei dieser Taten zu lebenslanger Haft.

Werdegang

Maria Velten wurde 1916 geboren, war Kriegswitwe und hatte sechs Kinder. Sie lebte in Kempen am Niederrhein. Über rund zwei Jahrzehnte starben mehrere Menschen aus ihrem engsten Umfeld. Der hr-Gerichtspodcast über den Fall nennt den 25. Juli 1983 als Tag ihrer Festnahme.

Modus Operandi

Maria Velten mischte das Pflanzenschutzmittel E 605, dessen Wirkstoff Parathion war, in Speisen. Blaubeerpudding beziehungsweise Blaubeerkompott spielte in der späteren Berichterstattung eine so große Rolle, dass die Boulevardpresse sie „Blaubeer-Mariechen” nannte. Die Behauptung, die dunkle Speise habe eine blaue Warnfärbung des Mittels verdeckt, ist in älteren Darstellungen verbreitet, lässt sich aus den frei zugänglichen Gerichtsunterlagen aber nicht unabhängig prüfen.

Ermittlung und Festnahme

Der entscheidende Hinweis kam 1983 von einer Schwiegertochter. Sie erklärte ihrem Rechtsanwalt, Maria Velten habe ihre beiden Ehemänner vergiftet. Die Polizei nahm die damals 67-Jährige fest und prüfte weitere Todesfälle in ihrem Umfeld. Ein zeitgenössischer Bericht der Nachrichtenagentur UPI dokumentiert, dass Ermittler im August 1983 noch nach möglichen weiteren Giftopfern suchten.

Prozess

Der Prozess begann im September 1984 am Landgericht Krefeld. Das Kreisarchiv Viersen weist in der Deutschen Digitalen Bibliothek unter anderem einen Bericht der Westdeutschen Zeitung vom 19. September 1984 über den zweiten Verhandlungstag nach. Ein weiterer archivierter Prozessbericht bezeichnet Maria Velten als fünffache Giftmischerin. Rechtskräftig festgestellt wurden jedoch drei Morde. Dafür erhielt sie lebenslange Haft. Die beiden übrigen gestandenen Todesfälle dürfen deshalb nicht mit den Mordschuldsprüchen gleichgesetzt werden.

Nachwirkungen

Maria Velten wurde wegen einer Demenzerkrankung aus der Haft entlassen und in einem Pflegeheim untergebracht. Sie starb am 9. Juni 2008. Der Fall blieb in Kempen präsent und wurde später in Dokumentationen sowie Gerichtsformaten aufgearbeitet.