Marguerite Steinheil
- Mörder — Paris , Frankreich
- Aktive Jahre
- 1908
- Modus Operandi
- Erwürgen
Marguerite Steinheil, geborene Japy, wurde am 16. April 1869 im französischen Beaucourt geboren und starb am 17. Juli 1954 im englischen Hove. Die Salondame der Pariser Belle Époque und frühere Mätresse von Staatspräsident Félix Faure geriet 1908 unter dringenden Verdacht, ihren Ehemann und ihre eigene Mutter erwürgt zu haben. Ein Geschworenengericht sprach sie 1909 nach einem der aufsehenerregendsten Prozesse der französischen Dritten Republik dennoch frei, weshalb der Fall bis heute als ungeklärt gilt.
Werdegang
Marguerite entstammte einer wohlhabenden Industriellenfamilie aus dem Territoire de Belfort. 1890 heiratete sie den Maler Adolphe Steinheil, mit dem sie eine Tochter bekam. In Paris führte sie einen einflussreichen Salon, den unter anderem die Komponisten Gounod und Massenet sowie die Schriftsteller Émile Zola und Pierre Loti besuchten.
1897 wurde sie Präsident Félix Faure vorgestellt und bald darauf seine Mätresse, mit privilegiertem Zugang zu dessen Privaträumen im Élysée-Palast. Am 16. Februar 1899 ließ er sie zu sich rufen, kurz darauf fanden Bedienstete ihn bewusstlos vor, während Marguerite ihre Kleidung ordnete. Er starb wenige Stunden später an einem Schlaganfall, hartnäckige Gerüchte brachten die Umstände seines Todes mit einem intimen Rendezvous in Verbindung, ohne dass sich dies je beweisen ließ.
Die Taten in der Impasse Ronsin
Am 31. Mai 1908 wurden ihr Ehemann Adolphe und ihre Mutter Émilie Japy tot im gemeinsamen Haus in der Pariser Impasse Ronsin aufgefunden, beide erstickt beziehungsweise erwürgt. Marguerite selbst wurde gefesselt und geknebelt an ein Bett gebunden vorgefunden. Sie behauptete, vier schwarz gekleidete Fremde seien in das Haus eingedrungen und hätten die Tat verübt.
Die Ermittler misstrauten dieser Darstellung von Anfang an. Als der Verdacht sich gegen sie selbst richtete, versuchte Marguerite offenbar, zunächst einen Bediensteten und später den Sohn ihrer Haushälterin zu belasten, indem sie ihnen Beweisstücke unterschob. Im November 1908 wurde sie schließlich selbst verhaftet und angeklagt.
Prozess und Freispruch
Der Prozess erregte in Paris enormes öffentliches Aufsehen. Der vorsitzende Richter bezeichnete Marguerites wechselnde Aussagen offen als „Lügengewebe”. Dennoch sprachen die Geschworenen sie nach rund zweieinhalbstündiger Beratung am 14. November 1909 vom Vorwurf des Mordes frei. Bis heute ist ungeklärt, wer für den Tod ihres Mannes und ihrer Mutter tatsächlich verantwortlich war, der Fall zählt zu den großen ungelösten Kriminalrätseln der französischen Belle Époque.
Nachwirkungen
Nach ihrem Freispruch verließ Marguerite Frankreich und ließ sich unter dem Namen „Madame de Serignac” in London nieder. 1912 veröffentlichte sie ihre Memoiren. Am 26. Juni 1917 heiratete sie den britischen Adligen Robert Brooke Campbell Scarlett, 6. Baron Abinger, der 1927 starb. Marguerite Steinheil starb 1954 im Alter von 85 Jahren in einem Pflegeheim im südenglischen Hove, ohne dass die Umstände des Doppeltodes in der Impasse Ronsin je restlos aufgeklärt worden wären.