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Marc Dutroux

Bleistiftporträt von Marc Dutroux aus dem Jahr 2021
Ann-Sophie Qvarnström, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
3
Opfer
inhaftiert
SerienmörderCharleroi , Belgien
Aktive Jahre
1995–1996

Als Ermittler am 15. August 1996 zwei Mädchen lebend aus einem Kellerverlies in Marcinelle befreiten, waren vier weitere bereits tot. Marc Dutroux wurde 2004 wegen der Morde an An Marchal, Eefje Lambrecks und Bernard Weinstein sowie wegen der Entführung, Gefangenschaft und Vergewaltigung von sechs Mädchen verurteilt. Eine parlamentarische Untersuchung des belgischen Abgeordnetenhauses dokumentierte anschließend schwere Versäumnisse der Ermittlungsbehörden.

Werdegang

Er wurde am 6. November 1956 in Ixelles bei Brüssel als Sohn zweier Lehrer geboren und erlebte nach eigenen Angaben schwere Misshandlungen durch seinen Vater. Bereits im Alter von neun Jahren fiel er als gewalttätiger Schläger auf, später kamen Diebstähle und der Vertrieb von Pornografie in der Schulzeit hinzu. Nach der Scheidung seiner Eltern 1971 wurde sein Verhalten gegenüber der Familie zunehmend tyrannisch, mit 16 Jahren verließ er das Elternhaus. 1976 heiratete er, die Ehe zerbrach jedoch an seiner Gewaltbereitschaft, 1983 ließ er sich scheiden und war bereits mit Michelle Martin liiert, die er später ebenfalls heiratete. In den 1980er-Jahren fiel er wiederholt wegen Autodiebstahls, Raubes und Drogendelikten auf und lebte zeitweise in seinem Lieferwagen. Bereits 1986 wurde er gemeinsam mit Michelle wegen der Entführung und des sexuellen Missbrauchs von fünf Mädchen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren festgenommen, wobei er auch pornografisches Material von den Opfern angefertigt hatte. 1989 wurde er dafür zu dreizehneinhalb Jahren Haft verurteilt, kam jedoch 1992 nach nur rund drei Jahren durch eine Begnadigung des damaligen Justizministers Melchior Wathelet vorzeitig wieder frei.

Kriminelle Aktivitäten

Nach seiner Entlassung baute er in seinem Haus in Marcinelle bei Charleroi eine als Wandschrank getarnte Kellerzelle, gerade einmal gut zwei Meter lang und weniger als einen Meter breit. Dort und in weiteren Verstecken hielt er zwischen 1995 und 1996 sechs entführte Mädchen und junge Frauen gefangen, vier von ihnen starben, zwei konnten 1996 lebend befreit werden.

Namentlich bekannte Opfer (chronologisch):

  1. Julie Lejeune (8), entführt am 24. Juni 1995, verhungerte im Kellerverlies in Marcinelle
  2. Mélissa Russo (8), entführt am 24. Juni 1995, verhungerte im Kellerverlies in Marcinelle
  3. An Marchal (17), entführt am 22. August 1995, betäubt und lebendig begraben
  4. Eefje Lambrecks (19), entführt am 22. August 1995, betäubt und lebendig begraben
  5. Bernard Weinstein, Komplize, von ihm vergiftet, um Spuren zu verwischen

Lebend befreite Opfer:

Ermittlung und Festnahme

Bereits am 6. Dezember 1995 nahm die Polizei ihn wegen Autodiebstahls fest und durchsuchte sein Haus, dabei sollen Beamte Kinderstimmen gehört, diese jedoch als Straßenlärm abgetan haben, die eingesperrten Mädchen blieben unentdeckt. Am 20. März 1996 kam er wieder frei, während seiner Haft hatte Michelle Martin die eingesperrten Kinder nicht ausreichend versorgt, Julie Lejeune und Mélissa Russo verhungerten in der Zwischenzeit im Verlies. Am 13. August 1996 wurde er nach der Identifizierung seines Fahrzeugs im Fall Laetitia Delhez erneut festgenommen, zwei Tage später entdeckte die Polizei das Kellerverlies und befreite Sabine Dardenne und Laetitia Delhez lebend. Am 17. August 1996 gestand er den Ermittlern die Vergrabungsorte von An Marchal, Eefje Lambrecks sowie seines Komplizen Bernard Weinstein, den er zuvor vergiftet hatte.

Prozess

Der Prozess vor dem Gericht in Arlon dauerte vom 1. März bis zum 22. Juni 2004. Das Gericht verurteilte ihn wegen der Morde an Bernard Weinstein, An Marchal und Eefje Lambrecks zu lebenslanger Haft. Seine damalige Ehefrau Michelle Martin erhielt 30 Jahre Haft, weil sie die eingesperrten Kinder verhungern ließ, und kam 2012 vorzeitig frei. Der Mitangeklagte Michel Lelièvre wurde zu 25 Jahren verurteilt und 2019 entlassen, ein weiterer Beteiligter, Michel Nihoul, erhielt wegen Drogenhandels lediglich fünf Jahre und kam bereits 2005 frei. Psychiatrische Gutachter stuften ihn als gewaltbereiten, gefühlskalten Psychopathen ein, dessen Antrieb Macht und Profit gewesen seien, nicht Pädophilie, und attestierten ihm volle Schuldfähigkeit.

Nachwirkungen

Zwischen seiner Festnahme und dem Prozessbeginn starben 27 Personen, die mit dem Fall in Verbindung standen, unter teils ungeklärten Umständen, darunter der zunächst mit der Anklage betraute Staatsanwalt Hubert Massa, der sich 1999 ohne erkennbares Motiv und ohne Abschiedsbrief das Leben nahm. Im Oktober 1996 gingen rund 300.000 Menschen beim „Weißen Marsch” in Brüssel auf die Straße, um gegen die offengelegten Ermittlungsfehler zu protestieren, in deren Folge unter anderem der damalige Innenminister und der Polizeichef zurücktraten. Seine Anträge auf vorzeitige Entlassung wurden zuletzt 2013 sowie in den Folgejahren wiederholt abgelehnt, ein psychiatrisches Gutachten von 2020 bescheinigte ihm weiterhin ein hohes Rückfallrisiko. Sein Haus in Marcinelle wurde im Juni 2022 abgerissen, an seiner Stelle entstand eine Gedenkstätte für die Opfer.

Die belgische Presse zog später auch beim Fall András Pándy einen Vergleich mit Marc Dutroux.

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