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Manuel Delgado Villegas

genannt „El Arropiero"

Die Küste von El Puerto de Santa María, wo Manuel Delgado Villegas 1971 festgenommen wurde
August Dominus, via Wikimedia Commons · CC0

Fast 50 Tötungen gestand Manuel Delgado Villegas nach seiner Festnahme 1971, doch nur ein kleiner Teil ließ sich überhaupt so weit prüfen, dass Ermittler ihn rekonstruieren konnten. Zu einem Urteil kam es nie. Das RTVE-Archiv bewahrt ein 1993 geführtes Interview mit dem unter dem Beinamen „El Arropiero” bekannten Mann; El País dokumentierte nach seinem Tod, dass er 26 Jahre ohne Gerichtsverfahren eingesperrt gewesen war.

Werdegang

Manuel wuchs ohne Mutter auf, sie starb bei seiner Geburt. Weil sein Vater als Handelsvertreter ständig unterwegs war, wuchsen er und seine Schwester Joaquina bei der Großmutter mütterlicherseits im katalanischen Mataró auf, in der von Andalusiern geprägten Nachbarschaft La Cirera. Er besuchte zwar eine Schule, lernte aber nie richtig lesen und schreiben. 1961 trat er mit 18 Jahren der Spanischen Legion bei und lernte dort Nahkampftechniken, darunter den sogenannten „golpe legionario”, einen Handkantenschlag gegen den Kehlkopf, den er später bei mehreren seiner Taten einsetzte.

Taten

Die bekannten Opfer stammten aus unterschiedlichen Regionen und sozialen Schichten:

Festnahme und psychiatrische Begutachtung

Nach dem Verschwinden von Antonia Rodríguez Relinque brachte die Polizei ihn zur Vernehmung auf die Wache von El Puerto de Santa María. Er stritt die Tat zunächst ab, gestand aber, nachdem ihre Leiche am 21. Februar 1971 an einem abgelegenen Ort namens Pago Galvecito gefunden worden war, sie beim Geschlechtsverkehr mit ihrer eigenen Strumpfhose erdrosselt zu haben. Die Lokalzeitung Diario de Cádiz nannte ihn daraufhin „El estrangulador del puerto” (Der Würger vom Hafen). In den folgenden Tagen gestand er weitere vier Morde.

Bei seiner Festnahme diagnostizierten Ärzte bei ihm das sogenannte XYY-Syndrom, was damals vorschnell mit seiner Gewaltbereitschaft in Verbindung gebracht wurde. Spätere Studien konnten diesen Zusammenhang nicht bestätigen. Der Untersuchungsrichter von El Puerto de Santa María, Conrado Gallardo Ros, ließ sich von ihm an mehreren Tatorten die Abläufe nachstellen, dabei reiste er als einer der ersten Serienmörder überhaupt zu Tatorten mit dem Flugzeug.

Keine Verurteilung, aber lebenslange Verwahrung

Weil bei ihm eine schwere psychische Störung diagnostiziert wurde, kam es nie zu einem regulären Strafprozess. 1978 ordnete die Audiencia Nacional stattdessen seine vorbeugende Unterbringung in der Psychiatrie des Gefängnisses Carabanchel an. Erst 1998 wurde er in ein ziviles psychiatrisches Krankenhaus verlegt, wo er kurz darauf am 2. Februar 1998 im Hospital Can Ruti in Badalona an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung starb, eine Folge seines langjährigen Rauchens.

Nachwirkungen

Der Fall Manuel Delgado Villegas gilt in Spanien bis heute als einer der rätselhaftesten des 20. Jahrhunderts. Eine regionale Rekonstruktion anhand der Ermittlungen nennt acht von der Polizei überprüfte Tötungen und 22 weitere als glaubhaft bewertete Zuschreibungen. Bis zu 48 Taten behauptete er selbst, doch ein Gericht prüfte keine dieser Zuschreibungen in einem Urteil.