Manuel Delgado Villegas
- Aktive Jahre
- 1964–1971
- Modus Operandi
- ErwürgenStumpfe GewaltVergewaltigungNekrophilieEinbruch
Fast 50 Tötungen gestand Manuel Delgado Villegas nach seiner Festnahme 1971, doch nur ein kleiner Teil ließ sich überhaupt so weit prüfen, dass Ermittler ihn rekonstruieren konnten. Zu einem Urteil kam es nie. Das RTVE-Archiv bewahrt ein 1993 geführtes Interview mit dem unter dem Beinamen „El Arropiero” bekannten Mann; El País dokumentierte nach seinem Tod, dass er 26 Jahre ohne Gerichtsverfahren eingesperrt gewesen war.
Werdegang
Manuel wuchs ohne Mutter auf, sie starb bei seiner Geburt. Weil sein Vater als Handelsvertreter ständig unterwegs war, wuchsen er und seine Schwester Joaquina bei der Großmutter mütterlicherseits im katalanischen Mataró auf, in der von Andalusiern geprägten Nachbarschaft La Cirera. Er besuchte zwar eine Schule, lernte aber nie richtig lesen und schreiben. 1961 trat er mit 18 Jahren der Spanischen Legion bei und lernte dort Nahkampftechniken, darunter den sogenannten „golpe legionario”, einen Handkantenschlag gegen den Kehlkopf, den er später bei mehreren seiner Taten einsetzte.
Taten
Die bekannten Opfer stammten aus unterschiedlichen Regionen und sozialen Schichten:
- Adolfo Folch Muntaner (21. Januar 1964), ein 49-jähriger Koch, erschlagen im Schlaf an einem Strand bei Llorac.
- Margaret Hélène Thérèse Boudrie (20. Juni 1967), eine 21-jährige französische Studentin aus Lyon, die in einem Ferienhaus nahe Ibiza übernachtete.
- Venancio Hernández Carrasco (20. Juli 1968), ein 71-jähriger Mann, der an den Ufern des Tajuña bei Chinchón Weinreben pflegte und ertränkt in der Nähe des Staudamms San Galindo gefunden wurde.
- Ramón Estrada Saldrich (5. April 1969), getötet in Barcelona.
- Anastasia Borrella Moreno (23. November 1969), getötet in Mataró.
- Natividad Rodríguez (zwischen dem 24. November 1969 und Ende 1970), nach der polizeilichen Rekonstruktion in Valencia getötet.
- Francisco Marín Ramírez (3. Dezember 1970), ein 24-jähriger Elektrotechniker und Bekannter des späteren Verdächtigen. Eine auf dem zeitgenössischen Magazin El Caso beruhende Rekonstruktion verortet die Tötung im Gebiet von El Puerto de Santa María und trennt sie vom späteren Leichenfund im Guadalete.
- Antonia Rodríguez Relinque (18. Januar 1971), eine 38-jährige Frau mit geistiger Behinderung und die letzte Partnerin des Täters, erwürgt in El Puerto de Santa María.
Festnahme und psychiatrische Begutachtung
Nach dem Verschwinden von Antonia Rodríguez Relinque brachte die Polizei ihn zur Vernehmung auf die Wache von El Puerto de Santa María. Er stritt die Tat zunächst ab, gestand aber, nachdem ihre Leiche am 21. Februar 1971 an einem abgelegenen Ort namens Pago Galvecito gefunden worden war, sie beim Geschlechtsverkehr mit ihrer eigenen Strumpfhose erdrosselt zu haben. Die Lokalzeitung Diario de Cádiz nannte ihn daraufhin „El estrangulador del puerto” (Der Würger vom Hafen). In den folgenden Tagen gestand er weitere vier Morde.
Bei seiner Festnahme diagnostizierten Ärzte bei ihm das sogenannte XYY-Syndrom, was damals vorschnell mit seiner Gewaltbereitschaft in Verbindung gebracht wurde. Spätere Studien konnten diesen Zusammenhang nicht bestätigen. Der Untersuchungsrichter von El Puerto de Santa María, Conrado Gallardo Ros, ließ sich von ihm an mehreren Tatorten die Abläufe nachstellen, dabei reiste er als einer der ersten Serienmörder überhaupt zu Tatorten mit dem Flugzeug.
Keine Verurteilung, aber lebenslange Verwahrung
Weil bei ihm eine schwere psychische Störung diagnostiziert wurde, kam es nie zu einem regulären Strafprozess. 1978 ordnete die Audiencia Nacional stattdessen seine vorbeugende Unterbringung in der Psychiatrie des Gefängnisses Carabanchel an. Erst 1998 wurde er in ein ziviles psychiatrisches Krankenhaus verlegt, wo er kurz darauf am 2. Februar 1998 im Hospital Can Ruti in Badalona an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung starb, eine Folge seines langjährigen Rauchens.
Nachwirkungen
Der Fall Manuel Delgado Villegas gilt in Spanien bis heute als einer der rätselhaftesten des 20. Jahrhunderts. Eine regionale Rekonstruktion anhand der Ermittlungen nennt acht von der Polizei überprüfte Tötungen und 22 weitere als glaubhaft bewertete Zuschreibungen. Bis zu 48 Taten behauptete er selbst, doch ein Gericht prüfte keine dieser Zuschreibungen in einem Urteil.