Manuel Blanco Romasanta
- Aktive Jahre
- 1845–1852
- Modus Operandi
- Betrug
1.878 Seiten umfasst die Gerichtsakte, die heute im Archiv des Königreichs Galicien liegt. Darin behauptete Manuel Blanco Romasanta 1853, sich in einen Wolf zu verwandeln. Das Gericht in Allariz verwarf diese Verteidigung und verurteilte ihn wegen neun Morden zum Tod. Eine Archivreportage von La Voz de Galicia belegt Überlieferungsort und Verfahrensweg der Akte.
Werdegang
Geboren wurde er am 18. November 1809 im Weiler Regueiro bei Esgos in der Provinz Ourense unter dem Namen Manuela Blanco Romasanta. Eine Hebamme hatte das Neugeborene aufgrund uneindeutiger Geschlechtsmerkmale als Mädchen registriert, erst im Alter von sechs Jahren stellte ein Arzt fest, dass ein Junge herangewachsen war. Er blieb zeitlebens klein und schmächtig, mit nur etwa 1,37 Metern Körpergröße, und arbeitete zunächst als Schneider und Weber. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1833 verdiente er seinen Lebensunterhalt als reisender Händler, der zwischen den Dörfern Galiciens und Kastiliens unterwegs war. Diese Tätigkeit brachte ihn regelmäßig mit Familien in Kontakt, die einen ortskundigen Begleiter für weite Reisen suchten, meist um in anderen Provinzen Arbeit zu finden.
Taten
Bereits 1844 wurde er in Abwesenheit zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er einen Gerichtsdiener nahe Ponferrada getötet haben sollte. Zwischen 1845 und 1852 bot er sich wiederholt Frauen und ihren Kindern als Reisebegleiter an, meist mit dem Versprechen, sie sicher zu einer Arbeitsstelle oder zu Verwandten zu bringen. Unterwegs, oft in abgelegenen Waldstücken, verschwanden seine Begleiterinnen spurlos. Danach schrieb er in ihrem Namen gefälschte Briefe an die zurückgebliebenen Familien, die vom sicheren Ankommen berichteten, und verkaufte die Kleidung der Verschwundenen auf lokalen Märkten weiter. Zu den ihm zugeschriebenen Opfern zählten unter anderem Manuela García und ihre fünfzehnjährige Tochter Petra, Benita García Blanco und ihr zehnjähriger Sohn Francisco sowie eine Frau namens Antonia mit ihrer Tochter Peregrina. Insgesamt gestand er später dreizehn Morde, gerichtlich nachgewiesen wurden ihm neun. Bald kursierten in der Gegend Gerüchte, er verkaufe aus dem Fett seiner Opfer hergestellte Seife von besonderer Qualität, was ihm den Beinamen „Sacamantecas”, der Fettabzapfer, einbrachte.
Ermittlung und Festnahme
Die Behörden schöpften Verdacht, als auffällig viele Kleidungsstücke verschwundener Frauen und Kinder auf Märkten in der Region wieder auftauchten. 1852 ging in der Stadt Escalona eine förmliche Anzeige ein, die ihm vorwarf, Frauen und Kinder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in den Tod zu locken. Mit einem gefälschten Pass unterwegs, wurde er im September 1852 in Nombela in der Provinz Toledo festgenommen.
Prozess
Der Prozess vor dem Gericht in Allariz zog sich fast ein Jahr hin. Gerichtsmediziner untersuchten seine Behauptung, unter Lykanthropie zu leiden, gründlich und verwarfen sie als vorgeschobene Schutzbehauptung eines, wie es in einem Gutachten hieß, „perversen, durchtriebenen Verbrechers”. Am 6. April 1853 sprach ihn das Gericht der Ermordung von neun Menschen schuldig, bei vier weiteren gestandenen Fällen ließ es ihn mangels Beweisen frei, weil sich stattdessen echte Wolfsrisse an den betreffenden Leichen nachweisen ließen, eine in Galicien zu jener Zeit keineswegs seltene Todesursache. Das Gericht verurteilte ihn zum Tod durch die Garrotte. Ungewöhnliche Wendung nahm der Fall durch einen französischen Hypnoseforscher, der bei Königin Isabella II. um die Erlaubnis bat, den Verurteilten wissenschaftlich zu untersuchen, da er an eine tatsächliche krankhafte Form der Lykanthropie glaubte, die sich mit Hypnose behandeln lasse. Die Königin begnadigte ihn daraufhin per königlichem Erlass vom 13. Mai 1854 zu lebenslanger Haft.
Nachwirkungen
Manuel Blanco Romasanta starb am 14. Dezember 1863 im Gefängnis von Ceuta an Magenkrebs, im Alter von 54 Jahren. Der Verbleib seiner sterblichen Überreste ist unbekannt. In Galicien lebt sein Fall bis heute als Legende vom „Hombre Lobo de Allariz” fort, unzähligen Nacherzählungen, einem 2004 erschienenen Spielfilm und einem historischen Sachbuch aus dem Jahr 1991 zum Trotz bleibt bis heute umstritten, wie viele der ihm zugeschriebenen Todesfälle tatsächlich auf sein Konto gehen und wie viele auf das Konto der Wölfe, die den Landstrichen, durch die er reiste, ihren Ruf als gefährliches Terrain erst verliehen hatten.