Maninder Pal Singh Kohli
- Mörder — Southampton , Großbritannien
- Aktive Jahre
- 2003
- Modus Operandi
- VergewaltigungErstickenEntführung
Ein Vater und eine Mutter reisen selbst nach Indien, weil ihnen die dortigen Behörden zu langsam ermitteln, wenige Monate später sitzt der Mann fest, der ihre Tochter getötet hat. Am Ende steht ein juristisches Novum: Maninder Pal Singh Kohli wurde 2007 als erster indischer Staatsbürger überhaupt an das Vereinigte Königreich ausgeliefert, nach über hundert Gerichtsverhandlungen und 35 Rechtsmitteln in seinem Heimatland.
Werdegang
Maninder wurde am 6. November 1967 in Indien geboren und lebte später als Einwanderer im englischen Southampton, wo er als Fahrer für einen Sandwich-Lieferdienst arbeitete. Über sein Leben vor der Tat ist wenig dokumentiert, außer dass er zum Tatzeitpunkt verheiratet war und keine auffällige kriminelle Vorgeschichte hatte.
Die Tat
Am Abend des 14. März 2003 war die 17-jährige Schülerin Hannah Foster mit einer Freundin in zwei Bars in Southampton unterwegs, dem “Hobbit” und dem “Sobar”. Gegen 22:50 Uhr nahm die Freundin einen Bus nach Hause, während Hannah den letzten knappen Kilometer zu Fuß gehen wollte. Maninder, der ebenfalls getrunken hatte, war zu dieser Zeit mit dem Lieferwagen seines Arbeitgebers in der Nähe unterwegs und bemerkte die allein gehende junge Frau. Er zwang sie in sein Fahrzeug, vergewaltigte sie und erstickte sie anschließend. Die Obduktion stellte zusätzlich Spuren von Schlägen fest. Ihre Leiche wurde zwei Tage später, am 16. März, in einem Gebüsch an der Allington Lane am Stadtrand von Southampton gefunden.
Flucht und Fahndung
Bereits am 18. März 2003, wenige Tage nach der Tat, floh er nach Chandigarh in Indien. Später nahm er eine falsche Identität an und arbeitete beim Roten Kreuz in Darjeeling im Nordosten des Landes, wo er sogar erneut heiratete. Die Ermittlungen in Indien kamen über Monate praktisch zum Stillstand, weshalb Hannahs Eltern Hilary und Trevor Foster im Juli 2004 selbst nach Chandigarh reisten, Pressekonferenzen abhielten und gemeinsam mit der britischen Polizei sowie einer Boulevardzeitung ein Kopfgeld aussetzten. Ein Taxifahrer namens Jason Lepcha lieferte daraufhin den entscheidenden Hinweis: Am 15. Juli 2004 nahm ein Polizist außer Dienst Maninder in Darjeeling fest, als er mit seiner neuen Frau gerade einen Bus nach Nepal besteigen wollte. Er soll gesagt haben, er sei es müde, weiter zu fliehen.
Ende Juli 2004 gestand er die Tat sogar in einem indischen Fernsehsender und behauptete, er habe Hannah getötet, weil sie gedroht habe, ihn anzuzeigen. Wenig später widerrief er dieses Geständnis wieder und erklärte, es sei nicht aus freien Stücken entstanden.
Auslieferung und Prozess
Es folgte ein juristisches Tauziehen von rund drei Jahren: mehr als hundert Gerichtsverhandlungen und 35 Rechtsmittel, bevor am 8. Juni 2007 endgültig über die Auslieferung entschieden wurde. Maninder Pal Singh Kohli wurde damit zum ersten indischen Staatsbürger, der jemals an das Vereinigte Königreich ausgeliefert wurde. Am 28. Juli 2007 traf er am Flughafen Heathrow ein und wurde wegen Entführung, Vergewaltigung, Mordes, Totschlags, Freiheitsberaubung und Rechtsbeugung angeklagt.
Der Prozess vor dem Winchester Crown Court begann am 10. Dezember 2007. Er plädierte auf nicht schuldig und änderte seine Verteidigungsstrategie mehrfach, zunächst behauptete er, jemand anderes habe seinen Lieferwagen aufgebrochen und die Leiche dort abgelegt, später, er sei von Kriminellen zur Tat gezwungen worden. Am 25. November 2008 wurde er im Alter von 41 Jahren in allen Anklagepunkten für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt, mit einer Mindestverbüßungsdauer von 24 Jahren abzüglich der bereits in Untersuchungshaft verbrachten Zeit. Damit dürfte er frühestens 2030 im Alter von 63 Jahren freikommen. Hannahs Familie zeigte sich enttäuscht, sie hatte auf eine lebenslange Haft ohne jede Aussicht auf vorzeitige Entlassung gehofft.
Nachwirkungen
Der Taxifahrer Jason Lepcha, dessen Hinweis zur Festnahme geführt hatte, erhielt einen Teil des ausgesetzten Kopfgelds und gründete damit die Hannah Memorial Academy in Darjeeling, eine Schule für benachteiligte Kinder. Hannahs Eltern besuchten die Schule 2006 selbst, erfuhren dort von diesem Zusammenhang und riefen nach ihrer Rückkehr nach England eine eigene Wohltätigkeitsorganisation zur Unterstützung der Einrichtung ins Leben, ein ungewöhnliches Vermächtnis, das aus einem der aufsehenerregendsten Auslieferungsfälle der britischen Rechtsgeschichte entstand.