Luigi Lucheni
- Attentäter — Genf , Schweiz
- Aktive Jahre
- 1898
- Modus Operandi
- Erstechen
Luigi Lucheni, am 22. April 1873 in Paris geboren, war ein mittelloser Tagelöhner, der sich in der Schweiz anarchistischen Ideen zuwandte. Am 10. September 1898 erstach er in Genf die österreichische Kaiserin Elisabeth, allein um durch die Tat selbst anarchistische Propaganda zu betreiben. Er hätte nach eigener Aussage jede beliebige prominente Persönlichkeit getötet, die sich ihm zufällig als Gelegenheit geboten hätte.
Werdegang
Luigi wuchs unehelich in einem Waisenhaus und bei Pflegefamilien auf und zog früh als Gelegenheitsarbeiter durch Italien, die Schweiz und Ungarn, wo er unter anderem auf dem Bau und beim Eisenbahnbau arbeitete. Von 1894 bis 1897 diente er in der italienischen Kavallerie und nahm am Abessinienfeldzug teil. Nach seiner Entlassung war er kurzzeitig als Diener bei einem italienischen Prinzen angestellt, bevor er sich wieder als Tagelöhner in der Schweiz durchschlug. Dort geriet er in Kontakt mit anarchistischen Zirkeln und entwickelte einen tiefen Hass auf die Aristokratie, den er als „Parasiten” der Gesellschaft betrachtete.
Die Tat
Am 10. September 1898 hielt sich Kaiserin Elisabeth von Österreich, bekannt als „Sisi”, inkognito in Genf auf und wollte am Nachmittag mit einem Dampfschiff nach Montreux reisen. Als sie sich mit ihrer Hofdame dem Genfer Quai näherte, um an Bord zu gehen, näherte sich der Täter und stach ihr mit einer selbst angeschliffenen dreikantigen Feile in die Brust. Die Wunde durchdrang das Herz, die 60-Jährige starb noch am selben Nachmittag an inneren Blutungen. Er hatte die Kaiserin zuvor nicht gezielt ausgewählt, sondern erfuhr erst kurz vor der Tat aus einer Zeitung von ihrem Aufenthalt in Genf und ergriff die Gelegenheit.
Festnahme und Prozess
Passanten überwältigten ihn unmittelbar am Tatort, er leistete keinen Widerstand und bekannte sich stolz zu der Tat. Da die Todesstrafe im Kanton Genf zu dieser Zeit abgeschafft war, verhängte das Gericht am 10. November 1898 statt der von ihm selbst erhofften Hinrichtung, die er als Märtyrertum verstanden hätte, eine lebenslange Haftstrafe.
Tod und Nachwirkungen
Am 19. Oktober 1910 wurde Luigi Lucheni erhängt in seiner dunklen Einzelzelle aufgefunden, die genauen Umstände seines Todes blieben ungeklärt. Sein abgetrennter Kopf wurde im Rahmen der damals verbreiteten Phrenologie wissenschaftlich untersucht und in Wien aufbewahrt, bevor er im Jahr 2000 auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wurde. Das Attentat gilt als eines der bekanntesten anarchistischen Attentate der Zeit und trug zur Verschärfung internationaler Fahndungs- und Sicherheitsmaßnahmen gegen anarchistische Gruppen bei. Mehr zum Opfer und den Nachwirkungen der Tat: Attentat auf Kaiserin Elisabeth.