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Ludwig Tessnow

Gedenkkreuz in Wallenhorst-Lechtingen für die 1898 dort ermordeten Kinder
Klalanda, via Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0
4
Opfer
verstorben
SerienmörderWallenhorst , Deutschland
Aktive Jahre
1898–1901

Die roten Flecken auf seiner Kleidung seien nur Holzbeize, erklärte Ludwig Tessnow nach zwei Kindermorden 1898. Drei Jahre später wiederholte er dieselbe Behauptung. Diesmal konnte Paul Uhlenhuths neuer Bluttest menschliches von tierischem Blut unterscheiden – und machte den Prozess zu einem Meilenstein der Forensik.

Die Morde in Lechtingen und Göhren

Am 9. September 1898 wurden die siebenjährigen Else Heidemann und Else Langemeyer auf ihrem Schulweg bei Lechtingen getötet. Tessnow geriet wegen seiner befleckten Kleidung in Verdacht, wurde aber mangels ausreichender Beweise freigelassen.

Am 1. Juli 1901 verschwanden im Ostseebad Göhren die Brüder Hermann und Peter Stubbe, acht und sechs Jahre alt. Ihre Leichen wurden am folgenden Morgen gefunden. Die Ähnlichkeiten zum Fall von 1898 lenkten die Ermittlungen erneut auf Tessnow.

Der Bluttest

Der Greifswalder Wissenschaftler Paul Uhlenhuth untersuchte Kleidung und Tatwerkzeug mit einem kurz zuvor entwickelten serologischen Verfahren. Es wies sowohl menschliches Blut als auch Schafsblut nach. Damit ließ sich Tessnows Erklärung widerlegen, sämtliche Flecken stammten von Holzbeize oder von zuvor getöteten Schafen.

Vier psychiatrische Gutachter hielten ihn zur Tatzeit nicht für zurechnungsfähig. Dennoch verurteilte das Greifswalder Schwurgericht ihn 1902 zum Tode. Das Urteil wurde später in lebenslange Haft umgewandelt – eine Hinrichtung im Jahr 1904, wie lange behauptet wurde, fand nicht statt.

Tod bei Piaśnica

Von 1913 bis 1939 war Tessnow in einem gesicherten Bereich der Provinzial-Heilanstalt Stralsund untergebracht. Forschungen anhand der Klinikakten belegen, dass er im November 1939 mit anderen Patienten nach Groß Piaśnitz im besetzten Polen gebracht und dort von einer SS-Einheit erschossen wurde. Damit ist sein lange als ungeklärt dargestelltes späteres Schicksal inzwischen historisch nachvollzogen.

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